Djabe & Steve Hackett – Life is a Journey


Erscheinungsjahr 2017 | DVD | Jazz

Springen zu:  Musik  |  Surroundmix  |  Albumstart  |  Bonusmaterial  |  Fazit  |  Verfügbarkeit

Gitarrist Steve Hackett und die Mitglieder der ungarischen Jazzband Djabe dürften bereits seit 15 Jahren miteinander befreundet sein. Doch außer einer handvoll Konzerte und Gastauftritte haben sich ihre musikalischen Wege nicht sonderlich gekreuzt. Das hat sich im Sommer 2016 geändert, als die Musiker für einige Tage auf die italienische Insel Sardinien fuhren um dort miteinander zu jamen. Hacketts früherer Tontechniker Benndict Fenner nahm analoges Studioequipment (24 Spur-Bandmaschinen!) mit auf die Insel, um das gemeinsame spontane Musizieren aufzuzeichnen. Djabe-Bassist Tamás Barabás schnappte sich die Bänder und schnitt aus dem Material wie ein Filmcutter ein ganzes Album zusammen und fügte hier und da noch einige Dinge ein, um verschiedene Teile miteinander verbinden zu können. Anschließend erstellte er aus dem Mix noch einen Surroundmix, der dem Album beigefügt wurde und als Digipak veröffentlicht wurde.

Ursprünglich war ich an dieser Veröffentlichung überhaupt nicht interessiert. Hackett hatte in diesem Jahr bereits ein gutes Album herausgebracht und man musste ja auch nicht alles kaufen, was der Herr veröffentlicht. Ein folgenschwerer Irrtum! Denn LIFE IS A JOURNEY entpuppte sich innerhalb weniger Wochen zum absoluten Highlight. Für mich ist es schlichtweg das Album des Jahres. Selbst für Hackett-Kritiker dürfte das Album interessant sein, denn die (durchaus berechtigten) Kritikpunkte, die man über jedes neue Album von Steve Hackett sagen könnte, sind hier allesamt nicht enthalten: Steve Hackett singt nicht, Roger King hat das Album weder produziert noch abgemischt, es werden echte Instrumente verwendet und die Stücke werden nicht vor lauter Ideenflut und plötzlichen Stillwechseln erschlagen. Hackett ist hier lediglich Bestandteil einer Bandformation und gerade hier wird deutlich, dass er am besten im Bandgefüge funktioniert.


Tracklist:

1 Life Is A Journey – 9:40
2 Golden Sand – 7:06
3 Castelsardo At Night – 8:22
4 What’S The News Antonio? – 6:30
5 Around My Mind – 11:30
6 Beams Over The Nulvi Mountains – 6:08
7 Building A Nuraghe – 4:44
8 Buzzy Island – 4:14
9 I Will Always Remember – 6:32
10 Wake Up – 2:20
11 After Limoncello – 5:48

Gesamtdauer: 72:54


Die Musik:

Bis auf die ersten paar Minuten des Album ist LIFE IS A JOURNEY komplett instrumental und ist ein Fusion/Jazz-Album mit gelegentlichen Weltmusik-Einschüben und Progressive-Rock-Anleihen. Über die gesamte Albumlänge entwickelt die Platte einen Flow. Alles fließt kontinuierlich und man hat als Hörer tatsächlich die Empfindung, dass man sich auf einer musikalischen Reise befindet. Und obwohl es hier und da jazztypisch schnell zu Werke geht und sehr viele Noten innerhalb kürzester Zeit gespielt werden, hat man andererseits das Gefühl, dass die Aufnahmen sehr relaxt vonstatten gingen. Man kauft der Musik an jeder Stelle ab, dass die Herren in Sardinien in erster Linie Urlaub gemacht haben und nebenbei ein Album aufgenommen haben.

Das Album ermöglicht so zwei Wege des Hörens. Man kann es einerseits prima nebenher laufen lassen, ohne dass es anfängt zu nerven und man kann sich auch intensiv darauf einlassen und genau hinhören. Gitarre, Trompete und Bass wechseln sich als Soloinstrumente ab, getragen wird das Ganze aus einem Fundament aus Schlagzeug, diversen Percussion aus aller Herren Ländern und gelegentlichen Synthieflächen, die den Sound voller erklingen lassen.

An keiner Stelle kann man zudem vermuten, dass das Album eigentlich erst im Mix entstanden ist. Es bleibt unklar, wie viel davon genau so in Italien eingespielt, und wie viel erst im Nachhinein hinzugefügt wurde. Letztendlich ist dies aber auch nebensächlich, denn das Ergebnis überzeugt voll und ganz. Die Band entwickelt eine unglaubliche Spielfreude, wie man sie nur noch selten vorfindet.

Wertung: 95 %


Besetzung:

Tamás Barabás – Bass, Guitar, Synth, Percussion, Vocals
Attila Égerházi – Guitar, Guitar Synthesizer, Percussion
Áron Koós-Hutás – Trumpet
Steve Hackett –  Guitar
Gulli Briem – Drums, Percussion


Der Surroundmix:

Lieber Roger King, hör dir diesen Surroundmix an. So geht das! Ich habe mir das Album zunächst in Stereo angehört und war bereits da positiv überrascht, wie gut, wie detailreich und räumlich die Musik dort klingt. Gut, wenn bereits der Stereomix zu überzeugen weiß, stellt der Surroundmix lediglich die Kür da. Hier hat Tamás Barabás noch eine Schippe drauf gelegt. Das alles klingt unglaublich atmosphärisch, man hat das Gefühl, dass man Gitarren- und Trompetentöne fast anfassen könnte, so plastisch klingen sie. Alles klingt sehr hochauflösend, die tiefen Töne kommen sehr druckvoll daher, ohne die höheren zu unterdrücken.

Man findet über dem gesamten Album den immer wiederkehrenden Aufbau. Vorne im Raum passiert alles was mit dem rhythmischen Grundgerüst zu tun hat, während sich in den hinteren 2/3 vornehmlich die Gitarren und Soloinstrumente bequem machen. Gelegentlich wandern Instrumente auch etwas im Raum.

Keyboards und Percussion tragen zur Atmosphäre bei und werden überall im Raum verteilt. Vor allem die Percussion werden zum Teil sehr effektvoll eingesetzt, wenn zum Beispiel Rasseln hinten von links nach rechts am Hörer vorbei gehen. Da läuft es einem kalt den Rücken runter.

Wenn man etwas kritisieren muss dann lediglich den Umstand, dass es Tamás Barabás gelegentlich etwas mit Panning Effekten übertreibt, wenn bei einem Solo die Gitarre oder Trompete von links nach Rechts und wieder zurück wandert. Da hätte man darauf verzichten können.

Andererseits ist ihm ein meiner Meinung nach sehr genialer Schluss für das Album eingefallen. In den finalen Zügen des letzten Stückes, lässt er langsam alle Instrumente in die Rears wandern, sodass die Frontlautsprecher völlig stumm bleiben. Das klingt dann so, als würde man sich langsam vom Konzertort entfernen und die Band zurücklassen. Abschließend erklingen dann vorne noch ein paar Bassnoten, so als würde man jemanden wiedertreffen. Ein sehr genialer Einfall, und ein würdiger Abschluss für ein richtig tolles Album mit einem hervorreagendem Mix. Gerade hier, wenn nur noch hinten Musik zuhören ist, trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn man kleine Rearboxen sein eigen nennt.

Wertung: 96 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 96/24 5.1
LPCM 96/24 Stereo

Album starten:

Das Album startet in Stereo, wenn man lediglich die Enter-Taste drückt. Über die Audiotaste an der Fernbedienung lässt es sich auf DTS umschalten. Die Einstellung des Tonformats vor dem Abspielen benötigt zweimal die Kombination der Rechts- und der Entertaste:

RIGHT ENTER RIGHT ENTER

RIGHT > ENTER

RIGHT > ENTER

 

 

 

 

 

 

Abwertung: -1,5 %


Bonusmaterial:

Neben dem Surroundmix gibt es auf der DVD noch einen kleinen dreiminütigen Impressionenfilm der Band bei den Aufnahmen. Außerdem liegt noch ein 20-minütiger Konzertmitschnitt aus Budapest als Video bei, in dem Stücke von Hackett (Walking Away From Rainbows, Please Don`t Touch), Genesis (Fly on a Windshield) und Djabe (Clouds Dance) dargeboten werden.

Aufwertung: +1%


Anspieltipp:

Around My Mind


Fazit:

Ein famoses Werk, sowohl musikalisch als auch von der Abmischung.

Pros / Cons:
+ fantastischer Klang
+ Sehr guter Surroundmix
+ Ausschnitte aus einem Konzert als Bonus (+1%)
– kleine Stolperfalle beim Albumstart (-1,5%)

 

 

GESAMTWERTUNG: 95 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

DVD: Die CD/DVD Kombo ist die normale Ausgabe (es gibt keine Einzel-CD-Version) und sollte überall, wo es mehr als nur die Top 100 gibt zu bekommen sein. Kosten: ca. 20 Euro.

Stand: 22.12.2017


Links:

Offizielle Webseite von Djabe

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.