Marillion – Misplaced Childhood


Erscheinungsjahr 1985 | Blu-ray Disc | Progressive Rock

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1985 erschien das dritte Studioalbum MISPLACED CHILDHOOD der britischen Neo-Prog-Formation Marillion und wurde ihr bis dato erfolgreichstes Album, welches es bis auf Platz 1 in England schaffte und in Deutschland bis auf den dritten Platz der Albumcharts vorstieß. Grund dafür dürfte die Singleauskopplung Kayleigh sein, die zum Hit wurde. Das Album wurde in den berühmten Berliner Hansa Studios von Chris Kimsey produziert, der zuvor mit den Rolling Stones gearbeitet hatte. Auch das Musikvideo zu Kayleigh wurde in Berlin gedreht und spielt unter anderem an der Berliner Mauer.

Dieses Jahr erschien MISPLACED CHILDHOOD in einer Sonderausgabe als Mediabook mit insgesamt 4 CDs und einer Blu-ray. Auf der Blu-ray befindet sich ein 5.1-Mix, erstellt von Steven Wilson. Die ersten acht Studioalben der Band, die damals von der EMI veröffentlicht wurden, sollen in dieser Form erscheinen. Ob jedes Album einen Surroundmix enthält, ist dagegen noch offen.


Tracklist:

1 Pseudo Silk Kimono – 2:13
2 Kayleigh – 4:03
3 Lavender – 2:27
4 Bitter Suite – 5:53
I. Brief Encounter
II. Lost Weekend
III. Blue Angel
IV. Misplaced Rendezvous
V. Windswept Thumb
5 Heart of Lothian – 6:02
I. Wide Boy
II. Curtain Call
6 Waterhole (Expresso Bongo) – 2:12
7 Lords of the Backstage – 1:52
8 Blind Curve – 9:29
I. Vocal Under a Bloodlight
II. Passing Strangers
III. Mylo
IV. Perimeter Walk
V. Threshold
9 Childhood’s End? – 4:32
10 White Feather – 2:23

Gesamtdauer: 41:17


Die Musik:

MISPLACED CHILDHOOD ist ein Konzeptalbum, welches über das gesamte Album eine Geschichte erzählt. Welche genau, lässt sich schwer sagen. Sie scheint stark autobiografisch zu sein, und das bisherige Leben des damaligen Sängers und Texters Fish zu skizzieren. Sie beinhaltet Themen von vergebener Liebe, plötzlichem Erfolg und Akzeptanz und ist textlich, wie auch musikalisch von starken Stimmungsschwankungen bestimmt. Alle Songs gehen ineinander über und man hat eher das Gefühl zwei längere Suiten über die beiden Plattenhälften zu hören. Wäre damals schon die CD etabliert, hätte das Album vermutlich auch nach 20 Minuten keine Pause (zum Wechseln der Plattenseite) erhalten. Auf der anschließenden Tour spielten Marillion das komplette Album zumindest durchgehend, ohne Zwischenpause.

Das Album ist typischer Neoprog der 80er Jahre. Zu der Zeit erhielt der Progressive Rock eine kleine Renaissance, viele Bands eiferten plötzlich wieder den alten Helden der 70er Jahre nach. Da das Ganze moderner klang (eingängiger, 80er Jahre Hochglanzproduktion und digitale Synthesizer, statt Orgel und Mellotron) wurde diese musikalische Richtung einfach als Neoprog bezeichnet. Vor allem MISPLACED CHILDHOOD dürfte ein Album sein, welches sich die alten Fans eigentlich von Genesis wünschten, statt deren Hinwendung zur radiotauglichen Popmusik. Mit diesen Vergleichen hatte Marillion seinerzeit auch schwer zu kämpfen.

Wertung: 87 %


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards
Pete Trewavas – bass
Ian Mosley – percussion


Der Surroundmix:

In einem Interview sagte Steven Wilson, dass man vom Surroundmix von MISPLACED CHILDHOOD keine Wunderdinge erwarten sollte. Immerhin würde der originale Stereomix bereits super klingen, und das Album wäre weitestgehend sparsam instrumentiert, ohne große Overdubs, sodass man nur begrenzt Sounds und Instrumente im Raum platzieren konnte. Diese Aussagen Wilsons dürfte glattes Understatement sein, denn zum einen klingt der Surroundmix deutlich organischer und es findet durchgehend im Ganzen Hörraum Spektakel statt.

Dass der 5.1.-Mix luftiger klingt, liegt vor allem daran, dass die vielen Keyboardflächen eher in den hinteren Raum gemischt wurden, sodass die restlichen Instrumente Platz zum Atmen erhalten und so deutlicher herauszuhören sind. Vor allem der Bass von Pete Trewavas ist nun deutlicher herauszuhören und bekommt mehr Präsenz und spätestens jetzt wird deutlich, wie oft der Bass als Soloinstrument auf dem Album verwendet wird. Immer dann, wenn die Bassgitarre mehr tut, als begleitend zu agieren, kommen die tiefen Töne aus den hinteren Rears, was sehr effektvoll ist, weil man automatisch genauer hinhört.

Im Stereomix fand ich vor allem die letzten beiden Stücke etwas verwaschen und unpräzise. Gleiches gilt für Lords of the Backstage, welches etwas holprig daher kam. Im neuen Surroundmix klingen diese drei Songs nun deutlich ausgewogener.

Surroundtechnisch haben es mir zwei Stellen auf dem Album besonders angetan, die sehr atmosphärisch sind und mir in Stereo immer etwas langweilig daher kamen. In Surround gewinnen diese beiden Stellen deutlich und werden so zum Highlight. Gemeint ist hier zum einen das Intro zu Bitter Suite (Brief Encounter), welches aus Keyboardflächen, einzelnen Gitarren- und Basstönen und einem Drum solo auf den einzelnen Toms besteht. Das klingt sehr eindrucksvoll, wie die einzelnen Schläge auf den Toms im Raum wandern und man das Gefühl hat, man würde hinter einem riesigen Schlagzeug sitzen.

Die andere Stelle ist im Song Blind Curve zu finden, der musikalisch das Highlight des Albums sein dürfte. Im Teilabschnitt Perimeter Walk wird eine äußerst bedrohliche Atmosphäre erzeugt und endlich kann man deutlich die leisen gesprochen Textfetzen hören, die immer im Booklet abgedruckt waren, aber im Mix kaum bis gar nicht raus zuhören waren.

Im Netz finden sich hier und da etwas kritische Stimmen, den Surroundmix betreffend. Dieser wäre größtenteils flach und langweilig, kann ich beides nicht nachvollziehen. Gelegentlich wird auch bemängelt, dass der Gesang zu leise abgemischt wäre. Das mag an manchen Stellen stimmen, entspricht aber auch dem Originalmix. In dem Fall finde ich es dann auch richtig, nicht zu viel zu verändern.

Wertung: 97 %


Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 5.1
LPCM 96/24 2.0
 

Album starten:

Das Album kann ohne Zuschalten des Fernsehers gestartet werden.

 


Bonusmaterial:

Das Mediabook kommt so hochwertig daher, wie die entsprechenden Neuveröffentlichungen von Jethro Tull, deren Surroundmixe bekanntlich ebenfalls von Steven Wilson erstellt werden. Die Jethro Tull Reissues dürften da eindeutig Vorbild sein. Im Gegensatz zu diesen hat MISPLACED CHILDHOOD aber keine DVD, sondern eine Blu-ray, auf der der Mix hochauflösend zu finden ist. Neben dem Mix finden sich auf der Blu-ray noch sämtliche Musikvideos (so wird das gemacht, Depeche Mode und R.E.M!) und eine 72 minütige Dokumentation zur Erstellung des Albums. Diese Doku ist aber nichts wildes und umfangreiches, sondern lediglich ein langes, launiges Interview mit der Band, die in ihren Erinnerungen kramt, leider ohne Untertiteloption auch nicht beim schottischen Fish. Sehr interessant: Während des Interviews werden gelegentlich einzelne Spuren des Albums im Solomodus abgespielt, und man endeckt einige schöne Spielereien, die im kompletten Mix nur schwer herauszuhören sind.

Auf den drei Bonus CDs finden sich B-Seiten, Alternative Mixe, Demos und ein kompletter Konzertmitschnitt der anschließenden Tour. Das Mediabook enthält alle Texte, viele Fotos und zahlreiche Hintergrundinformationen, unter anderem einem Interview mit dem heute über 40 Jahre alten Jungen vom Frontcover, der dem Künstler Model stand, weil er sein Nachbar war. Alles in allem eine sehr hochwertige Veröffentlichung.

Aufwertung: + 3 %


Anspieltipp:

Blind Curve


Fazit:

Gehört in jede Surround-Sammlung. Sehr guter Mix, klasse Sound, reichlich Extras, was will man mehr?

Pros / Cons:
+ fantastische Abmischung
+ High Resolution (+1 %)
+ Das Menü muss zum Albumstart nicht auswendig gelernt werden
+ sehr viel Bonuscontent
– Der schottische Fish darf beim nächsten Mal seine Untertitel mitbringen

 

GESAMTWERTUNG: 98 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Blu-ray: Diese üppige Box ist aktuell und sollte ohne Probleme zu bekommen sein. Aktuell für unter 30 Euro. Der Preis dürfte in einigen Monaten deutlich teuerer werden.

Stand: 19.09.2017

 


Links:

Offizielle Seite von Marillion

 

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