Rush – Caress of Steel


Erscheinungsjahr 1975 | Streaming | Progressive Rock

Eine Dolby Atmos Streaming Review

Von Rush erscheinen ja in aller Regelmäßigkeit teure Deluxe-Boxen, die das jeweilige Album auch in Dolby Atmos enthalten. Gleichzeitig tauchen auf den Streamingportalen aber auch immer wieder weitere Alben der Band in Dolby Atmos auf. Neu hinzugekommen sind vor einiger Zeit die Frühwerke FLY BY NIGHT und CARESS OF STEEL sowie der Klassiker PERMANENT WAVES von 1980.

Mit CARESS OF STEEL schlugen Rush 1975 einen mutigen neuen Weg ein. Nach zwei noch überwiegend vom Hard Rock geprägten Alben begann das kanadische Trio, seinen musikalischen Horizont deutlich zu erweitern. Komplexere Songstrukturen, längere Instrumentalpassagen und progressive Einflüsse rückten stärker in den Mittelpunkt und legten den Grundstein für den Stil, der die Band in den folgenden Jahren zum Durchbruch verhelfen sollte.

Zu diesem Zeitpunkt bestand Rush bereits aus der klassischen Besetzung mit Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart. Gemeinsam mit Produzent Terry Brown nahm die Band das Album in den Toronto Sound Studios auf. Besonders die beiden langen Kompositionen The Necromancer und The Fountain of Lamneth verdeutlichen den wachsenden Anspruch der Band, musikalische Geschichten über ausgedehnte Songzyklen zu erzählen.

Vor allem The Fountain of Lamneth, das die komplette zweite LP-Seite einnimmt, kann als erster großer Vorläufer jener epischen Werke angesehen werden, für die Rush später bekannt werden sollten. Die Suite verbindet mehrere musikalische Abschnitte zu einer zusammenhängenden Komposition und zeigt bereits viele Stilmittel, die auf späteren Klassikern wie 2112 oder HEMISPHERES weiterentwickelt wurden.

Bei seiner Veröffentlichung erwies sich CARESS OF STEEL allerdings als kommerzielles Risiko. Das Album blieb hinter den Erwartungen der Plattenfirma zurück und galt zunächst als Enttäuschung, da es deutlich weniger eingängig war als seine Vorgänger. Rückblickend genießt es jedoch einen besonderen Stellenwert im Katalog der Band. Viele Fans schätzen gerade die Mischung aus Hard Rock und Progressive Rock sowie den ungestümen Ideenreichtum, mit dem Rush hier den Grundstein für ihre weitere Entwicklung legten.

Rush Caress of Steele Dolby AtmosScreenshot Apple Music App


Tracklist:

1 Bastille Day – 4:37
2 I Think I’m Going Bald – 3:37
3 Lakeside Park – 4:08
4 The Necromancer – 12:30
5 The Fountain of Lamneth – 19:57

Gesamtdauer: 45:23


Der Dolby Atmos Mix:

Der Dolby-Atmos-Mix von CARESS OF STEEL setzt weniger auf eine spektakuläre Verteilung einzelner Instrumente im Raum, ist deshalb aber keineswegs unspektakulär. Das liegt nicht zuletzt am musikalischen Material selbst. Rush sind ein klassisches Power-Trio mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Keyboards, die auf späteren Alben eine immer größere Rolle spielen sollten, sucht man hier noch vergeblich. Entsprechend gibt es naturgemäß weniger Klangquellen, die sich auf die verschiedenen Lautsprecherebenen verteilen lassen. Bass und Leadgesang bleiben überwiegend im Frontbereich verankert, ebenso die Gitarren. Letztere werden jedoch immer wieder dezent in die Seiten- oder Höhenkanäle eingebunden, insbesondere bei den cleanen Picking-Passagen. Vereinzelt tauchen auch kurze Gesangseinwürfe in den oberen Ebenen auf.

Dass der Atmos-Mix dennoch interessant ist, liegt vor allem an zwei Aspekten. Zum einen profitiert Neil Pearts Schlagzeug enorm von der räumlichen Abmischung. Die einzelnen Bestandteile des Drumkits wirken plastisch im Raum verteilt, wodurch besonders seine zahlreichen Fills und Trommelwirbel eindrucksvoll zur Geltung kommen. Immer wieder scheinen diese von hinten oder aus den Höhenkanälen auf den Hörer herabzufallen und verleihen dem Mix zusätzliche Dynamik.

Zum anderen nutzt der Mix die zahlreichen atmosphärischen Gitarreneffekte geschickt aus. Gitarrenfeedbacks, schwebende Klangflächen und schnelle Gitarrenläufe werden immer wieder im Raum bewegt und sorgen für gelungene räumliche Akzente. Vor allem The Necromancer profitiert davon. Die ohnehin dichte und stellenweise düstere Atmosphäre dieses über zwölf Minuten langen Stücks gewinnt durch den Atmos-Mix zusätzlich an Tiefe und Räumlichkeit und zählt damit zu den klanglichen Höhepunkten des Albums.

Rückblickend stehen bei CARESS OF STEEL meist die beiden langen Kompositionen The Necromancer und The Fountain of Lamneth im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, während die drei kürzeren Songs häufig etwas im Schatten stehen. Ähnlich verhält es sich auch beim Atmos-Mix. Zwar profitieren sämtliche Stücke von der neuen Abmischung, die größte Immersion entfalten jedoch eindeutig die beiden ausgedehnten Prog-Suiten, in denen Rush und der Atmos-Mix gleichermaßen ihre größten Stärken ausspielen.


Anspieltipp:

The Necromancer, The Fountain of Lamneth


Fazit:

Insgesamt eine gute Abmischung.

 

WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 84 %

 


Verfügbarkeit:

Streaming: Den Dolby Atmos Mix von CARESS OF STEEL gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple Music, Amazon Music Unlimited und Tidal zu hören.

Stand: 15.07.2026


Links:

Offizielle Webseite von Rush

 

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