Beach Boys – Pet Sounds (Dolby Atmos)
Erscheinungsjahr: 1966 | Streaming | Art Pop
Eine Dolby Atmos Streaming Review
Als die Beach Boys 1966 PET SOUNDS veröffentlichten, hatte das mit dem bisherigen Bild der Band nur noch wenig zu tun. Statt Surfbrettern, Strandpartys und schnellen Autos standen plötzlich Einsamkeit, Zweifel, Beziehungen und Selbstreflexion im Mittelpunkt. Brian Wilson hatte sich zunehmend aus dem Tourbetrieb zurückgezogen und konzentrierte sich auf die Studioarbeit, wo er gemeinsam mit Texter Tony Asher und einer großen Gruppe von Studiomusikern an einem Album arbeitete, das deutlich weiter ging als die bisherigen Veröffentlichungen der Band.
Wilson nutzte das Studio dabei beinahe wie ein eigenes Instrument. Neben den klassischen Rockinstrumenten kamen Streicher und Bläser, Klavier, Cembalo, Orgel, Akkordeon, Harmonium, Theremin und allerlei ungewöhnliche Percussion zum Einsatz. Die einzelnen Instrumente wurden zu teilweise sehr komplexen Arrangements zusammengefügt, ohne dass die Songs dadurch ihre eingängigen Melodien verlieren. Auch die mehrstimmigen Gesangsarrangements spielen eine zentrale Rolle und werden zu einem eigenständigen Bestandteil der Musik.
Harmonisch und kompositorisch war PET SOUNDS für ein Popalbum seiner Zeit ungewöhnlich anspruchsvoll. Modulationen, unerwartete Akkordwechsel und Einflüsse aus Klassik und Filmmusik treffen auf kurze, unmittelbar eingängige Songs. Stücke wie Wouldn’t It Be Nice und God Only Knows zeigen besonders gut, wie Brian Wilson große musikalische Ideen in gerade einmal drei Minuten unterbringen konnte.
Bei seiner Veröffentlichung war PET SOUNDS in den USA zunächst längst nicht der große Erfolg, der es später werden sollte. In Großbritannien wurde das Album deutlich enthusiastischer aufgenommen und auch die Beatles ließen sich davon beeinflussen. Heute gehört es zu den meistgewürdigten Alben der Popgeschichte und wird regelmäßig als eines der wichtigsten Beispiele für studiozentrierten, orchestralen Pop genannt.
Von den Beach Boys gibt es mittlerweile zahlreiche Alben im Streaming in Dolby Atmos zu hören, in erster Linie die aus den 60er-Jahren. Überraschend ist, dass viele davon richtig immersiv ausgefallen sind, obwohl zu der Zeit größeres Multitracking für Einzelspuren noch nicht möglich war. Diese frühen Alben wurden von Mark Linett abgemischt, an den Klassiker PET SOUNDS ließ man aber Giles Martin ran. Es gibt von dem Album bereits einen älteren 5.1 Mix, der vor 23 Jahren auf DVD-Audio und vor 10 Jahren zum 50. Geburtstag nochmal auf Blu-ray veröffentlicht wurde. Diesen erstellte aber wiederum Mark Linett.

Screenshot Apple Music App
Tracklist:
1 Wouldn’t It Be Nice – 2:31
2 You Still Believe in Me – 2:30
3 That’s Not Me – 2:28
4 Don’t Talk (Put Your Head on My Shoulder) – 3:24
5 I’m Waiting for the Day – 3:05
6 Let’s Go Away for Awhile – 2:05
7 Sloop John B – 2:58
8 God Only Knows – 2:55
9 I Know There’s an Answer – 3:01
10 Here Today – 2:54
11 I Just Wasn’t Made for These Times – 3:12
12 Pet Sounds – 2:22
13 Caroline, No – 2:43
Gesamtdauer: 37:42
Beim Atmos-Mix von PET SOUNDS darf man zunächst keine Wunderdinge erwarten. Das Album stammt aus dem Jahr 1966 und wurde mit den technischen Möglichkeiten seiner Zeit aufgenommen. Giles Martin hat sich deshalb auch nicht daran versucht, die ursprüngliche Produktion komplett auf links zu drehen. Vielmehr bleibt das charakteristische, teilweise sehr extreme Panorama der 60er-Jahre an vielen Stellen erhalten. So sitzt etwa das Schlagzeug auf einer Seite, während Keyboards, Gitarren oder andere Instrumente entsprechend auf der anderen Seite vorzufinden sind. Das ist aus heutiger Sicht manchmal etwas gewöhnungsbedürftig und verschenkt durchaus räumliches Potenzial. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, man hätte den Atmos-Mix von Grund auf neu angelegt und die Entscheidungen aus den 60ern einfach links liegen gelassen. In den Anfangstagen von Stereo hat man es einfach nicht besser gewusst.
Der Atmos-Mix beschränkt sich aber natürlich nicht nur auf links und rechts im Raum, sondern auch auf vorne und hinten sowie oben und unten. Vor allem die dicht geschichteten Chöre wandern immer wieder nach hinten oder nach oben und sorgen dort für eine schöne, plastische Räumlichkeit. Auch Streicher, Bläser und Percussion tauchen immer wieder im hinteren oder oberen Bereich auf. Bei manchen Stücken entstehen dadurch durchaus immersive Momente, etwa wenn sich verschiedene Holzbläser und Streicher über den Raum verteilen. Allerdings bleibt der größte Teil des Geschehens doch im vorderen Bereich. Gerade bei einigen der kompakter arrangierten Stücke konzentrieren sich mehrere Instrumente auf einer Seite, anstatt den vorhandenen Raum stärker auszunutzen.
Das wird im Laufe des Albums auch etwas wechselhaft. Während etwa Wouldn’t It Be Nice und You Still Believe in Me bereits schön mit Chören und zusätzlichen Instrumenten im Raum arbeiten, bleiben andere Stücke deutlich frontlastiger. Besonders auffällig ist das bei Here Today und I Just Wasn’t Made for These Times, wo sich einiges auf wenige Positionen konzentriert. Dennoch gibt es auch hier immer wieder kleine Details zu entdecken: Nachhall, der nach hinten wandert, Instrumente, die etwas höher im Raum positioniert werden, oder weitere Gesangsstimmen, die dann hinter dem Hörer auftauchen.
Ein echtes Highlight ist für mich schließlich Caroline, No. Hier wird der Raum noch einmal stärker genutzt und neben den Stimmen und Instrumenten tauchen auch ungewöhnliche Geräusche auf. Besonders der am Ende durch den Raum fahrende Zug, der von links nach rechts und anschließend wieder zurück tuckert, zeigt sehr schön, was mit Atmos herauszuholen ist.
PET SOUNDS klingt auch in Atmos nach einem Album aus den 60ern, und das ist auch völlig in Ordnung. Es wäre eher kontraproduktiv, die ursprüngliche Produktion durch einen modernen, auf Hochglanz polierten Sound ersetzen zu wollen. Trotzdem haben mich die Atmos-Mixe von Mark Linnett bei einigen der ganz frühen Beach-Boys-Alben etwas mehr beeindruckt. Dort standen teilweise noch weniger Spuren zur Verfügung, und vielleicht war gerade deshalb die Erwartungshaltung dort geringer. PET SOUNDS bietet zwar viele interessante räumliche Details, nutzt den dreidimensionalen Raum für meinen Geschmack aber nicht immer konsequent genug aus. Eventuell ist diese Atmos-Abmischung doch schon etwas älter. Mit heutigen KI-Techniken lassen sich die wenigen Spuren, auf denen mehrere Instrumente zusammengemischt wurden, oft überraschend gut separieren.
Anspieltipp:
Wouldn’t It Be Nice, You Still Believe in Me
Fazit:
Ein Atmos-Mix, der vielleicht etwas zu früh erstellt wurde.
WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 78 %
Streaming: Den Dolby Atmos Mix von Pet Sounds gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple, Tidal und wahrscheinlich auch bei Amzon Music zu hören.
Stand: 06.09.2026
Links:
Offizielle Webseite von Beach Boys