Marillion – Brave


Erscheinungsjahr 1994 | Blu-ray Disc | Progressive Rock

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Als vor einiger Zeit die Meldung die Runde machte, dass man die ersten acht Studioalben von Marillion in Sondereditionen neu auflegen würde und dass man mit dem erfolgreichsten Album der Band MISPLACED CHILDHOOD beginnen würde und Steven Wilson dazu einen Surroundmix anfertigen würde, ließ dieser kurz darauf über die sozialen Medien vermelden, dass er sich nicht nehmen lassen würde, auch ihr 1994 erschienenes Konzeptalbum BRAVE in die dritte Ton-Dimension zu überführen. Et Voilà, im März 2018 erschien nun BRAVE als Deluxe Edition.

Nach dem etwas zu poppigen Vorgänger HOLIDAYS IN EDEN sollte das kommende Album wieder etwas anspruchsvoller und düsterer werden, aber man hatte bisher nur wenige Ideen. Das änderte sich, als Sänger Steve Hogarth im Radio einen Bericht hörte, wie ein Mädchen auf einer Brücke aufgegriffen wurde und man dessen Identität nicht feststellen konnte. Schnell kam man zu dem Entschluss, das man ein Konzeptalbum erarbeiten wollte und es die fiktive Vorgeschichte dieses Mädchens behandeln sollte. BRAVE handelt daher von einer Teenagerin die in den Drogensumpf versinkt und könnte so als britische Antwort zu „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ angesehen werden.

Ein Jahr später wurde die Geschichte von Richard Stanley verfilmt. Dies ist aber weitestgehend ein durchgängiges Musikvideo. Ich habe das in den 90ern mal auf Sat1 gesehen und soweit ich mich erinnern kann, gab es da kaum Dialoge.

Obwohl BRAVE damals in die Top 10 in Groß Britannien kam und dies für lange Zeit das letzte erfolgreiche Album von Marillion war, war die Plattenfirma EMI wenig begeistert vom Output und den Verkaufszahlen. Ein Jahr später trennte man sich von der Band.

Wie auch schon MISPLACED CHILDHOOD davor, erschien BRAVE im Mediabook-Format und einem farblich abgewandelten Covermodiv. Das Ursprungscover hatte ein gelbliches Gesicht.


Tracklist:

   1. Bridge – 2:52
2. Living with the Big Lie – 6:46
3. Runaway – 4:41
4. Good bye to All That – 12:26
I. Wave
II. Mad
III. The Opium Den
IV. The Slide
V. Standing in the Swing
5. Hard as Love – 6:42
6. The Hollow Man – 4:08
7. Alone Again in the Lap of Luxury – 8:13
I. Now Wash Your Hands
8. Paper Lies – 5:49
9. Brave – 7:54
10. The Great Escape – 6:29
I. The Last of You
II. Falling from the Moon
11. Made Again – 5:02

Gesamtdauer: 71:08


Die Musik:

BRAVE ist wieder ein Stück aggressiver und rockiger als die letzten beiden Veröffentlichungen der Band. Bei Konzeptalben gehen die Stücke oft in einander über oder werden mit diversen Sounds und Samples zusammengehalten. Hier hat man sich für die zweite Variante entschieden. Vermutlich war das auch der Grund, warum Steven Wilson dieses Album neu abmischen wollte. Es beginnt sehr atmosphärisch mit leisem Wasser-plätschern und einem auf der Gitarre erzeugten Nebelhorn. Man hört über dem gesamten Album diverse Stimmfetzen und andere Geräusche. Die Band wirkt sehr spielfreudig und man merkt, dass ihr die Aufnahmen großen Spaß bereitet hat.

Ebenfalls typisch für ein Konzeptalbum sind die wiederkehrenden Motive. Kurze Melodiefragmente werden kurz angespielt, die bereits vorher auf dem Album eine tragende Rolle gespielt haben oder erst im späteren Verlauf diese einnehmen werden. Aber im Vergleich zu späteren Alben gelingt es der Band hier noch, alles aus einem Guss erklingen zu lassen. Lediglich der lange Titel Goodbye to All That… klingt dann schon etwas nach Stückwerk und wirkt etwas zusammengeklebt.

Einen schönen Kontrast bietet das finale Stück Made Again, welches eine positive, akustische Nummer ist (Ende gut, alles gut), die einen völligen Gegensatz zu den wütenden, verbitterten, melancholischen und desillusionierten 70 Minuten davor ist.

Wertung: 89 %


Besetzung:

Steve Hogarth – vocals, keyboards, percussion
Steve Rothery – guitars
Mark Kelly – keyboards, vocals
Pete Trewavas – bass, vocals
Ian Mosley – percussion

Tony Halligan – uilleann pipes
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra – cellos, flute


Der Surroundmix:

Die oben erwähnten Sounds und Samples werden natürlich überall im Raum verteilt. Im Bonusmaterial der Blu-ray gibt es wieder ein etwa 70 minütiges Interview der Band zur Erstellung von BRAVE. Hier berichtet sie, wie sie über mehrere Tage diverse Geräusche wie U-Bahn-Durchfahrten, klimperndes Geld, Babygebrabbel und Kindergesang aufnahmen. Interessant ist auch, dass Gesang teilweise in einer Höhle aufgenommen wurde, um authentischen Hall zu erhalten. Das alles lässt sich im Surroundmix sehr gut orten und man kann auch einige Dinge raus hören, die man vorher nicht gehört hat. Dies gilt auch für die Musikinstrumente. Einige Overdubs kommen nun besser zur Geltung oder sind erst jetzt erst hörbar. Einiges dürfte im Ursprungsmix auch der Schere zum Opfer gefallen sein, die Steven Wilson nun eingefügt hat. Zum Beispiel gibt es am Ende von Bridge noch einen einzelnen Akkord auf dem E-Piano, genau dann, wenn Living With the Big Lie anfängt.

Die Instrumente der Band werden Wilson-typisch überall im Raum verteilt und auch das Schlagzeug findet sich oft wieder in der Raummitte. Was auffällt ist, dass auch der Bass von Pete Trewavas oft dominant in der Raummitte wiederzufinden ist. Das Highlight im Surroundmix dürfte der lange 12 minütige Titel Goodbye to All that… sein, der wie ein Medley daherkommt und aus sechs oder sieben kürzeren Nummern besteht. Ich konnte mich mit der Nummer nie richtig anfreunden, weil es zu sehr nach Stückwerk klingt und im gejamten Instrumentalteil etwas langweilig ist. In 5.1 profitiert der Song aber ungemein. Im Abschnitt Mad erklingt der Gesang abwechselt in einem anderen Lautsprecher, was zugegebenermaßen sehr ungewöhnlich ist, es in einem Song, bei dem es um Drogenkonsum geht aber sehr gut hineinpasst. Auch die anschließenden ruhigen instrumentalen Passagen klingen ausgezeichnet. Diese sind untersetzt mit diversen Geräuschen, die mal hier mal dort erklingen.

Die erste Hälfte von Brave lässt im Mix keine Wünsche offen, die zweite klingt einen Ticken schwächer. Eventuell war man da unter Zeitdruck es rechtzeitig fertigzustellen. Es klingt immer noch sehr gut, fällt aber zu den grandiosen ersten sechs Songs etwas ab. Lediglich das Titelstück kann hier noch an die ersten Stücke heranreichen.

Wertung: 95 %


Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 5.1
LPCM 96/24 2.0
 

Album starten:

Das Album kann ohne Zuschalten des Fernsehers gestartet werden, man sollte aber in den ersten Sekunden von Bridge die Audiotaste drücken, da es sonst in Stereo erklingt. Das ist zwar etwas nervig, aber zum Glück gibt es zu Beginn nur Stille im Stück. Man sollte nicht versuchen, blind durchs Menü zu navigieren, denn das wäre folgende Kombination:

DOWN > DOWN > ENTER > DOWN > ENTER > UP > UP > ENTER

Abwertung:  -1 %


Bonusmaterial:

Die Deluxe Ausgabe von Brave bietet etwas enttäuschenden Content. Auf einer zweiten CD gibt es den Original Mix von 1994, den Fans eh schon haben dürften. Auf CD 3 und 4 einen Konzertmitschnitt von 1994. Auch diesen dürften viele Fans schon haben, denn der erschien auf dem Live Album MADE AGAIN im Jahr 1995. Das Booklet im Mediabook bietet auch viel weniger Hintergrundinformationen als es noch bei MISPLACED CHILDHOOD noch der Fall war. Außerdem hat man es versäumt den Film auf die Blu-ray zu packen. Lediglich drei Promovideos sind enthalten und die 70 minütige Interview-Situation mit der Band. Hier werden zumindest einige Szenen aus dem Film eingestreut und es werden auch einige Szenen von den Album-Aufnahmen gezeigt, die die noch relativ junge Band zeigen.

Aufwertung: + 1,5 %


Anspieltipp:

Goodbye to all That…


Fazit:

Wieder ein sehr guter Mix zu einem sehr guten Album. Das Bonusmaterial ist etwas enttäuschend.

Pros / Cons:
+ sehr gute Abmischung
+ High Resolution (+1 %)
– Man muss zu Beginn die Audiotaste betätigen (-1 %)
+ viel Bonuscontent, aber nur das Interview wirklich essentiell (+1,5 %)
– kein Untertitel, aber man kann ganz gut folgen (kein schottischer Fish)

 

GESAMTWERTUNG: 94 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Blu-ray: Die Box ist frisch auf dem Markt und sollte ohne Probleme zu bekommen sein. Aktuell für unter 30 Euro.

Stand: 29.06.2018

 


Links:

Offizielle Seite von Marillion

 

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