Magenta – Tarot
Erscheinungsjahr 2026 | DVD | Progressive Rock
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Mit TAROT meldeten sich Magenta im April 2026 nach sechs Jahren Pause mit ihrem zehnten Studioalbum zurück. Die walisische Progressive-Rock-Band um Robert Reed bleibt dabei ihrem bewährten Stil treu und präsentiert erneut ein Konzeptalbum, das symphonischen Prog Rock mit eingängigen Melodien und aufwendigen Arrangements verbindet.
Inhaltlich orientiert sich TAROT an fünf der bekanntesten Tarotkarten. The Lovers, The Magician, The World, Strength und The Empress bilden die zentralen Kompositionen des Albums und erzählen jeweils ihre eigenen Geschichten, die lose durch kurze instrumentale Etude-Zwischenspiele miteinander verbunden werden. Inspiration fanden Robert Reed und sein Bruder Steve, der die Texte beisteuerte, unter anderem im Horror-Episodenfilm Dr. Terror’s House of Horrors, in dem Tarotkarten die Schicksale der Figuren vorhersagen.
Musikalisch bietet TAROT genau das, was man von Magenta erwartet. Ausgedehnte Kompositionen zwischen acht und zehn Minuten treffen auf opulente Keyboardflächen, melodische Gitarrensoli von Chris Fry und den markanten Gesang von Christina Booth. Stilistisch bewegt sich das Album klar im symphonischen Progressive Rock und erinnert mit seinen weitläufigen Arrangements immer wieder an Genregrößen wie Yes, Genesis oder Renaissance.
Neben der Stammbesetzung mit Christina Booth, Robert Reed und Chris Fry wirken auf TAROT mehrere namhafte Gastmusiker mit. Nick D’Virgilio übernimmt das Schlagzeug, während Katie Axelson (Flöte) und Sam Baxter (Oboe) zusätzliche Farbtupfer ins Klangbild bringen. Für die Backing Vocals im abschließenden Titelstück Tarot konnten außerdem Peter Jones und Steve Balsamo gewonnen werden.

Tracklist:
1 The Lovers – 9:02
2 Etude 1 – 0:24
3 The Magician – 8:21
4 Etude 2 – 0:21
5 The World – 9:28
6 Etude 3 – 0:25
7 Strength – 10:03
8 Etude 4 – 0:22
9 The Empress – 10:08
10 Tarot – 4:40
Gesamtdauer: 53:19
Musikalisch weiß man bei Magenta inzwischen ziemlich genau, was einen erwartet. Die Band liefert seit vielen Jahren konstant melodischen, symphonischen Retro-Prog auf hohem Niveau, und genau das bekommt man auch auf TAROT geboten. Wer den typischen Magenta-Sound mag, wird deshalb auch mit diesem Album seine Freude haben. Mir persönlich sagen Magenta mittlerweile sogar mehr zu als Robert Reeds zweites Progressive-Rock-Projekt Cyan. Zwischen MASTERS OF ILLUSION von 2020 und TAROT veröffentlichte Reed zwei Cyan-Alben, die größtenteils Neuaufnahmen von Material seiner gleichnamigen Jugendband waren. Musikalisch liegen beide Projekte gar nicht so weit auseinander. Vermutlich spricht mich Magenta vor allem deshalb mehr an, weil Christina Booth mit ihrer markanten Stimme den Songs eine ganz eigene Note verleiht. Weiblicher Gesang ist im Progressive Rock nach wie vor eher die Ausnahme und sorgt hier für einen angenehmen Wiedererkennungswert.
Die Kehrseite dieser stilistischen Konstanz ist allerdings eine gewisse Vorhersehbarkeit. Tatsächlich hatte ich beim ersten Hördurchgang immer wieder starke Déjà-vu-Momente. Bei vielen Passagen war ich überzeugt, ähnliche Ideen bereits auf früheren Magenta-Alben gehört zu haben. Kurzzeitig fragte ich mich sogar, ob versehentlich ein Silberling mit einem älteren Album in der Hülle gelandet war. Natürlich gibt es Unterschiede. Die kurzen Etude-Zwischenspiele auf der Akustikgitarre lockern den Albumfluss angenehm auf, hätten für meinen Geschmack aber ruhig etwas länger ausfallen dürfen als die jeweils rund 20 bis 30 Sekunden. Hinzu kommen orchestrale Streicher- und Bläsersätze, die zwar hörbar aus der Sample-Library stammen, aber erfreulich dezent eingesetzt werden und deutlich zurückhaltender wirken als etwa die opulenten Orchesterarrangements auf den Steve-Hackett-Alben der letzten Jahre.
So hinterlässt TAROT trotz vieler schöner Melodien und gelungener Momente am Ende einen zwiespältigen Eindruck. Das Album erfüllt praktisch alle Erwartungen, die man an klassischen symphonischen Progressive Rock stellen kann. Jede typische Zutat ist vorhanden und handwerklich hervorragend umgesetzt. Gleichzeitig wirkt vieles so vertraut, dass der Überraschungseffekt weitgehend ausbleibt. Man könnte fast meinen, eine speziell auf Progressive Rock trainierte KI hätte sämtliche Genremerkmale gewissenhaft zusammengeführt. Bezeichnend ist für mich, dass ausgerechnet das abschließende Titelstück der stärkste Song des Albums ist. Es verzichtet weitgehend auf progtypische Komplexität und funktioniert stattdessen einfach als schöne Rockballade – ein Stück, das im Grunde von nahezu jeder guten Rockband hätte stammen können.
Wertung: 79 %
Besetzung:
Christina Booth – Lead Vocals
Robert Reed – Keyboards, Piano, Bass, Rhythm Guitars, Recorder
Chris Fry – Lead Guitar, Nylon-String Guitar
Nick D’Virgilio – Drums
Katie Axelson – Flute
Sam Baxter – Oboe
Peter Jones – Backing Vocals
Steve Balsamo – Backing Vocals
Bei den Surround-Mixen, die Robert Reed selbst erstellt, feiere ich vor allem seine Ausflüge in die Mike-Oldfield-Gefilde regelmäßig ab. Alben wie die der SANCTUARY-Reihe oder RINGMASTER sind sehr diskret abgemischt, klingen hervorragend und nutzen das komplette Surround-Panorama bis weit hinter die schlackernden Ohren aus. Bei den eher bandorientierten Produktionen von Magenta und Cyan bin ich dagegen etwas zurückhaltender. Auch diese Mischungen sind durchweg gelungen, wirken am Ende aber meist etwas weniger räumlich als Reeds Soloprojekte.
Genau das trifft auch auf TAROT zu – vielleicht sogar noch etwas stärker als bei den vorherigen Magenta-Alben. Hauptgrund dafür sind die zahlreichen Streicherarrangements. Diese befinden sich überwiegend in den Rear-Kanälen, was grundsätzlich eine sinnvolle Entscheidung ist und auch bei vielen anderen Surround-Mixen ähnlich gehandhabt wird. Das Problem ist nur, dass es häufig eben hauptsächlich die Streicher und die immer wieder auftauchenden Chorstimmen sind, die von hinten erklingen. Der eigentliche Bandsound bleibt dagegen größtenteils vor dem Hörer, teilweise etwas weiter zur Raummitte geöffnet, insgesamt aber doch recht frontlastig. Da die Streicher zudem eher dezent eingesetzt werden und die Musik nicht dominieren, sondern lediglich bereichern sollen, entsteht stellenweise ein etwas unausgewogenes Verhältnis zwischen Front- und Rückbereich.
Das soll allerdings nicht heißen, dass in den Rear-Lautsprechern gar nichts passiert. Immer wieder tauchen dort Gitarren und Keyboards auf, hinzu kommen gelegentliche Bläser, Flöten, Glockenspiel oder Percussion. Wer Robert Reeds frühere Surround-Mixe kennt, wird aber feststellen, dass hier insgesamt etwas weniger los ist als gewohnt.

Etwas schade finde ich auch die Umsetzung des Schlagzeugs. Wie schon bei den vorherigen Magenta- und Cyan-Alben bleibt es nahezu vollständig im Frontbereich und nimmt dort nur eine vergleichsweise schmale Bühne ein. Dadurch wirkt es im Mix etwas unscheinbar und geht stellenweise fast unter. Das überrascht umso mehr, als mit Nick D’Virgilio einer der renommiertesten Prog-Schlagzeuger hinter dem Drumkit sitzt.
Das interessanteste Stück des Albums ist aus Surround-Sicht deshalb ausgerechnet der abschließende Titeltrack Tarot. Hier verteilt Reed verschiedene Instrumente deutlich großzügiger im gesamten Raum, wodurch der Mix wesentlich luftiger und offener wirkt. Überraschend ist das allerdings nicht, denn Tarot verzichtet komplett auf die Streicher. Dadurch musste Reed sein zuvor konsequent verfolgtes Mixkonzept zwangsläufig aufbrechen – und genau das sorgt dafür, dass dieser Song für mich auch klanglich zum Höhepunkt des Albums wird.
Wertung: 83 %
Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1
Dolby Digital 5.1
Das Menü der DVD ist besser ausgefallen, als beim Vorgänger, bei dem im Blindflug ohne eingeschaltetem TV die Bonusvideos abgespielt wurden. Bei TAROT ist das anders. Hier erklingt das Album per Druck auf Enter-Taste direkt in Surround. Allerdings im minderwertigen Dolby Digital. Um auf das bessere DTS zu schalten, muss man die Audiotaste drücken, oder dies vorher im Menü umstellen:
RECHTS > RUNTER > ENTER > LINKS > ENTER
Abwertung: -1 %
Es gibt auf der DVD einige Bonus-Videos, bestehend aus drei Promo-Vidoes, zwei akustischen Darbietungen sowie Interviews mit Robert und Steven Reed.
Aufwertung: +1 %
Anspieltipp:
Tarot
Krankt etwas an den üblichen Problemen heutiger Prog-Bands, ist aber ansonsten ein schönes Album, was auch in Surround Spaß macht, wenn auch der Mix nicht „herausragend“ ist.
Pros / Cons:
+ Diskreter Surround Mix, aber es geht auch noch besser
+ Bonusmaterial (+1%)
– Schade, dass Dolby Digital vorausgewählt ist. (-1%)
GESAMTWERTUNG: 82 %
Erläuterungen zur Bewertung
CD / DVD: Ich habs bei Bandcamp direkt bei Robert Reed bestellt (ca 25-27 Euro mit Versand), was die beste Methode sein dürfte. Es war auch bei JPC gelistet, dort hatte ich ursprünglich bestellt und es wurde nie versendet und irgendwann storniert, da nicht verfügbar.
Stand: 09.08.2026
Links:
Offizielle Webseite von Robert Reed