Genesis – Calling All Stations


Erscheinungsjahr 1997 | SACD + DVD | Progressive Rock

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Einige Zeit nachdem Genesis mit ihrem Doppelalbum WE CAN‘T DANCE regelrecht die Charts beherrschten, kündigte Keyboarder Tony Banks in einem Interview an, dass das nächste Album düster werden würde. Man wolle wieder mehr in die herbstlich-melancholische Stimmung eintauchen, die Genesis Ende der 70er perfektionierte und weniger unbeschwerten Pop machen. Sänger und Schlagzeuger Phil Collins hatte da andere Pläne und wollte lieber seine Solokarriere verfolgen, woraufhin er die Band verließ. Jetzt waren sie nur noch zu zweit, Banks und sein langjähriger Mitstreiter an der Gitarre und Bass, Mike Rutherford. Für die beiden Gründungsmitglieder war klar, dass es weitergehen sollte, schließlich waren beide – überspitzt gesagt – die Puppenspieler, die Jahrzehntelang die musikalischen Fäden in der Hand hielten.

1996 begannen beide im eigenen Studio Songs zu schreiben ohne bereits Ersatz zu haben. Einige Monate später wurden sie fündig. Der Nachfolger von Phil Collins sollte der Schotte Ray Wilson werden, der einige Jahre zuvor mit der Band Stiltskin einen Riesenhit gelandet hatte. An Wilsons Stimme gefiel ihnen, dass sie ein wenig an Peter Gabriel erinnerte und vom Grundcharakter zu den melancholischen Songs passte. Den Schlagzeugpart teilten sich der israelische Schlagzeuger Nir Zidkyahu und Nick D‘Virgilio, Schlagzeuger der amerikanischen Progressive-Rockband Spock‘s Beard. Alle drei hatten eine Gemeinsamkeit, sie alle sind 1967 oder 1968 geboren, zu einer Zeit als Banks und Rutherford mit Genesis bereits ihre ersten Singles veröffentlichten.

CALLING ALL STATIONS erschien vor 20 Jahren, im September 1997 und schaffte es in Deutschland und England auf Platz 2 der Charts. In den USA dagegen wollte man von Genesis ohne Phil Collins nichts wissen und das Album verkaufte sich entsprechend schlechter. Da die Verkäufe im Vergleich zum Vorgänger WE CAN‘T DANCE, der sich noch 20 Mio. mal verkaufte um etwa 90% sanken, verspürte Mike Rutherford keine große Lust mehr an einem neuen Album zu arbeiten, sodass CALLING ALL STATIONS, das einzige Album in dieser neuen Besetzung war. Es darf aber bezweifelt werden, dass es mit Phil Collins deutlich erfolgreicher geworden wäre. Dessen Soloalben interessierten Mitte der 90er auch niemanden mehr.

Der Surroundmix von CALLING ALL STATIONS wurde zehn Jahre später von Nick Davis unter Anleitung von Tony Banks erstellt und als SACD/DVD im Jewel Case veröffentlicht. Das Album war zudem Bestandteil der roten Genesis Box 1983-1998.


Tracklist:

1 Calling All Stations – 5:43
2 Congo – 4:51
3 Shipwrecked – 4:23
4 Alien Afternoon – 7:51
5 Not About Us – 4:38
6 If That’s What You Need – 5:12
7 The Dividing Line – 7:45
8 Uncertain Weather – 5:29
9 Small Talk – 5:02
10 There Must Be Some Other Way – 7:54
11 One Man’s Fool – 8:58

Gesamtdauer: 67:42


Die Musik:

Als das Album damals herauskam, war ich stark davon begeistert. Es war deutlich besser, als die drei Popalben davor und ich fand, dass es locker mit den Klassikern aus den 70er Jahren mithalten konnte. Zwanzig Jahre später wirkt das Album im Vergleich zu den anderen Alben der Band genau so wie das Erstlingswerk von 1969: wie ein Fremdkörper. Es ist Genesis, aber dann wiederum auch nicht. Wenn ich es heute höre, habe ich eher das Gefühl, ein Album von einer Band zu hören, die sich von Genesis beeinflussen ließ.

CALLING ALL STATIONS krankt an mehreren Stellen. Mike Rutherford hatte bis auf wenige Ausnahmen, wohl schon bei der Produktion keine große Lust mehr, sodass es eher wie ein Tony Banks-Soloalbum klingt. Ray Wilson kam so spät hinzu, dass er eigentlich nur Gast auf dem Album ist und somit keinen frischen Input beisteuern konnte. Trotz der deutlich düsteren und auch rockigeren Note klingt das Album mit seinen vielen Keyboardsounds und dem vielen Hall wie eine Platte aus den 80ern. Zudem werden alle Songs bis auf The Dividing Line ausgefaded.

Trotz aller Kritik: Ich finde es im Nachhinein bedauerlich, dass sie nicht weiter gemacht haben, denn ich bin der festen Überzeugung, dass das nächste Album deutlich besser geworden wäre. So ist es ein Album geworden, von einer Band, die sich gerade neu orientiert und neu ausgerichtet, sich aber, bevor sie das Ziel erreichte, wieder aufgelöst hat.

Über dem gesamten Album schwebt eine bedrückende Stimmung. Es finden sich gleich vier Stücke darauf, die um die acht Minuten dauern. Zudem gibt es mit Not About Us zum ersten mal seit 1980 wieder einen Song, dessen Hauptinstrument eine Akustikgitarre ist. Insofern ist der Ansatz, wieder in die Ursprünge der Band zurückzugehen schon vorhanden. Es ist ein Album zwischen den Stühlen von Progressive Rock und dem Pop der Jahre davor.

Wertung: 80 %


Besetzung:

Ray Wilson – lead vocals
Tony Banks – keyboards, acoustic guitar, backing vocals
Mike Rutherford – guitars, bass, backing vocals

Nir Zidkyahu – drums, percussion
Nick D’Virgilio – drums


Der Surroundmix:

Mit Hall wurde auf CALLING ALL STATIONS nicht gerade gespart. Das macht sich vor allem im Titelstück bemerkbar. Später im Album wird es aber besser. Dadurch wirkt das Album hier und dort etwas schwammig und unpräzise, was sich auch im Surroundmix niederschlägt. Tony Banks nutzt auf nahezu jedem Song Streichersounds seiner Keyboards, die sich wie ein Teppich im ganzen Raum ausbreiten. Mike Rutherfords Gitarre kommt oft aus den hinteren Lautsprechern, und ist so deutlicher herauszuhören, als im Stereomix, wo sie sich gegen den Keyboardballast kaum zu behaupten vermag.

Der Gesang kommt wie erwartet aus dem Centerlautsprecher, kann aber auch manchmal in die Rears gelegt werden, wie bei dem kleinen Zwischenspiel nach dem Refrain von Uncertain Weather. Auch das Schlagzeug bleibt nicht stur in den vorderen Bereichen, sondern kann auch anders im Raum platziert sein. Im Intro von Congo fängt das weltmusikartige Getrommel erst hinten an und geht dann nach vorne über. Während des Songs ist der Beat dann auffällig im hinteren Raum gelegt.

Ganz großes Kino, was das Schlagzeug angeht ist der Song The Dividing Line, welches allein vom Schlagzeugspiels Nir Zidkyahus getragen wird. Auch im Surroundmix ist das wohl das Highlight des gesamten Albums. Alles, wo man mit seinen Schlagstöcken eindreschen kann, hat seinen angestammten Platz im Raum und man sitzt als Hörer mittendrin. Während des Songs und vor allem während des Instrumentalteils überschlägt sich eine wahre Schlagzeugkaskade wie eine Lawine, die ihresgleichen sucht.

Ebenfalls überzeugen kann Small Talk, der durch den Surroundmix sehr viel besser wird. Hier hört man im Mittelteil in den hinteren Lautsprechern eine Baratmosphäre und plötzlich ändert sich dann der Schwerpunkt des Mixes und alles bis auf das Schlagzeug erklingt fast nur noch hinten, während der Gesang Ray Wilsons durch dem Raum geistert.

Was mir nicht so gut gefällt ist der Schluss des Albums. Nick Davis hat im neuen Mix das Stück One Man‘s Fool am Ende ein wenig abgeändert. Im Originalmix waren die letzten Sekunden Instrumental. Im neuen Mix hat er dagegen Ray Wilsons Hintergrundgesang hinzugefügt, was meiner Meinung nach dem Ende seine ganze Energie nimmt. Das hätte nicht sein müssen..

Wertung: 89 %


Vorhandene Tonformate:
SACD DSD 5.1
SACD DSD 2.0
CD Audio
DTS 5.1  (96 kHz / 24 bit)
Dolby Digital 5.1

Album starten:

Die SACD lässt sich (sofern man ein SACD kompatibles Gerät hat und dieses so eingestellt hat) automatisch mit dem 5.1 Mix starten. Wer keinen SACD Player sein eigen nennt, kann den Surround-Mix auch von der DVD hören, der da in Dolly Digital und DTS 96/24 vorliegt. Großer Pluspunkt: Das Menü ist so konzipiert, dass man lediglich zweimal Enter drücken muss, um das Album in DTS hören zu können.

 


Bonusmaterial:

Als Extras auf der DVD gibt es neben den drei Musikvideos, noch die üblichen Interviews mit den Bandmitgliedern, die 10 Jahre später gemacht wurden (18 Minuten), Interviews aus der Entstehungszeit (Electronic Press Kit, 11 Minuten), sowie 3 Konzertmitschnitte aus dem Polnischen Fernsehen und Bayern 3, letzteres hat eher Bootlegqualität.

Aufwertung: +1,5 %


Anspieltipp:

The Dividing Line


Fazit:

Das Album ist besser als sein nicht vorhandener Ruf. Der Surroundmix wertet es auf…wenn da nicht das Ende von One Man’s Fool wäre…

Pros / Cons:
+ sehr guter Surroundmix
+ High Resolution (+ 1%)
+ Album lässt sich ohne TV-Hilfe starten
+ Bonusmaterial (+ 1,5 %)
– Das Ende von One Man’s Fool… Warum?

 

GESAMTWERTUNG: 89 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

SACD / DVD: Der 2007 erschienene 5.1 Mix ist out of Print und nur noch für Preise jenseits von ca 50 Euro zu bekommen. Die rote Box mit allen Alben von 1983-1997 kostet zwischen 300 und 1300 Euro.

Stand: 03.01.2018

 


Links:

It – Genesis Fanclub

 

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