Anthony Phillips – Slow Dance


Erscheinungsjahr 1990 | DVD | New Age

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1988 begann Anthony Phillips nach längerer Zeit an einem neuen Solo Album zu arbeiten. Die Jahre davor gab es jährlich einen neuen Teil seiner PRIVATE, PARTS & PIECES Reihe, in der Phillips kleinere oder größere Stücke auf Gitarre, Klavier oder Synthesizer veröffentlichte, die er über die Jahre komponiert und eingespielt hatte. 1988 erschien schließlich TARKA, seine Zusammenarbeit mit Harry Williamson, an der beide bereits seit den 70er Jahren sporadisch gearbeitet hatten. TARKA war ein instrumentales Album, welches sich stark der klassischen Musik zuwandte. Die klassischen Gefilde sollte nun auch SLOW DANCE weiter beschreiten, jedoch vermehrt auf Synthesizer zurückgreifen.

Um das Album zu realisieren, kaufte Anthony Phillips eine neue 16-Spur-Bandmaschine und ein Mischpult für sein Studio. Kurz darauf meldete jedoch seine amerikanische Plattenfirma Konkurs an und Phillips stand plötzlich ohne Plattenvertrag da. Vom Projekt überzeugt arbeitete er weiter an SLOW DANCE ohne zu wissen, ob es überhaupt jemals veröffentlicht werden würde. Sein zweites Standbein, TV-Soundtracks, verschaffte ihm schließlich 1990 einen neuen Vertrag bei Virgin Records, die zudem interessiert waren, seine früheren Alben remastered wiederzuveröffentlichen. SLOW DANCE erschien schließlich am 24.September 1990. Bei seinen Fans und dem Künstler selbst genießt das Album einen hohen Stellenwert.

Mittlerweile ist Anthony Phillips bei Esoteric Records gelandet, die wiederum daran interessiert waren, seine alten Alben erneut herauszubringen – dieses mal auch in Surround Sound. SLOW DANCE ist nun das fünfte Album, welches eine Surroundabmischung spendiert bekommen hat und (vermutlich) das letzte. Neben dem Album auf CD und der Surroundabmischung auf DVD, hat diese Ausgabe noch eine weitere CD, die Stücke enthält, die ebenfalls in den Sessions zum Album 1988 /1989 entstanden sind. Immer wieder tauchen da Themen auf, die für SLOW DANCE weiter verarbeitet wurden.

Waren die bisherigen Surround-Veröffentlichung von Anthony Phillips noch auf einer DVD-Audio enthalten, hat man bei SLOW DANCE auf eine herkömmliche DVD zurückgegriffen und auf ein hochauflösendes Tonformat verzichtet. Jedoch wird sowohl die DVD als auch das Cover mit einem DVD-Audio-Logo verziert, was schlichtweg falsch ist. Auch Mike Oldfieds Return to Ommadawn hatte Anfang des Jahres diese Fehlinformation.


Tracklist:

1 Slow Dance (Part 1) – 23:57
2 Slow Dance (Part 2) – 26:27

Gesamtdauer: 50:28


Die Musik:

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist SLOW DANCE eine zweiteilige Suite, die sich die symphonische klassische Musik zum Vorbild nimmt. Nach seinem Ausstieg als Gitarrist bei Genesis 1970 studierte Anthony Phillips Musik und lernte so klassische Harmonielehre und Arrangieren eines Orchesters. Obwohl das Album durchsetzt ist von lauter Synthesizerklängen der damaligen Zeit, merkt man ihm das musikalische Handwerk an. So widerstrebt es eigentlich SLOW DANCE als elektronische Musik zu bezeichnen, und das obwohl es auch hier gelegentlich typische elektronische Parts mit wiederholenden Sequenzermelodien und elektrorhytmische Spielereien gibt. Das schwelgerisch, romantische überwiegt jedoch eindeutig.

SLOW DANCE hat ein Grundthema, welches man in den ersten Minuten des ersten Teils kennen lernt, und immer wieder mal über dem gesamten Album als Variation zu hören bekommt. Unterstützt werden die synthetischen Klänge von echten Instrumenten, wie Streichern, Blasinstrumenten und einer Harfe, sowie gelegentlichen Einsätzen auf der Gitarre. Das alles fügt sich harmonisch ins gesamte Klangbild ein.

Wertung: 79 %


Besetzung:

Anthony Phillips – keyboards, guitars, bass, drum machine, sequencer
Martin Robertson – clarinet
Ian Hardwick – oboe
Michael Cox – flute, piccolo
Tjborn Holtmark – trumpet
Julie Allis – harp
Ian Thomas – drums
Frank Racotti – percussion


Der Surroundmix:

Meine eigene Begeisterung über SLOW DANCE hält sich in Grenzen und es ist eins der wenigen Alben von Anthony Phillips, mit denen ich nicht so viel anfangen kann und relativ selten höre. Das hat sich jedoch etwas mit Erscheinen des Surroundmixes geändert. Der neue Mix tut dem Album außerordentlich gut, ohne dass ich genau sagen kann, warum das der Fall ist. Denn herausragend ist der Surroundmix eigentlich nicht, sondern eher unspektakulär und beschränkt sich eigentlich nur auf die vorderen Zweidrittel im Raum. Hinten passiert dagegen kaum etwas. Aus den hinteren Kanälen ist oftmals nur Hall oder sporadische Instrumente herauszuhören, zumeist sind das Flächensynthesizer, wie in den ersten Minuten des ersten Teils. Dieser Einsatz klingt dann aber durchaus dramatisch, wenn sich zunächst nur vorne alles abspielt und später dann doch auch hinten dramatische Klangbilder erklingen.

Der Gesamtsound des Mixes ist jedoch richtig gut und kristallklar. Gerade wenn es etwas bombastischer und schwelgerischer wird, heben sich die einzelnen Instrumente viel besser voneinander ab. Die Momente, wenn aus allen Lautsprechern gleichermaßen Musik rauskommt sind aber rar gesät. Da SLOW DANCE seinen klassischen Grundcharakter hat, wollte man vermutlich mit dem Surroundmix eine Atmosphäre schaffen, als würde unmittelbar vor der Sitzposition ein Symphonieorchester sitzen und spielen. Nahezu alles spielt sich bis auf wenige Ausnahmen vor dem Hörer ab. Allerdings sind dann die Instrumente durchaus in mehreren Ebenen geschichtet, was so räumlicher klingt, als Stereo.

Manchmal hätte man sich aber dennoch etwas mehr Spektakel gewünscht. Vor allem der plötzliche rhythmische Ausbruch in der Mitte des ersten Teils, wenn unzählige Drumcomputer anfangen zu hämmern, wäre für eine räumlichere Darbietung wie prädestiniert gewesen.

Wertung: 79 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 96/24 5.1
Dolby Digital 5.1
LPCM 96/24 Stereo

Album starten:

Man kann das Album ohne Menü-Ansicht starten, es fängt jedoch in Stereo an. Über die Audiotaste an der Fernbedienung lässt es sich auf DTS umschalten. Die Einstellung des Tonformats vor dem Abspielen ist dagegen relativ kompliziert, wie man an den Screenshots erkennen kann:

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Abwertung: -2%


Bonusmaterial:

Bei seinen Reissues kramt Phillips immer in seinen Archiven und sucht nach Stücken, die er auf eine Bonus-CD packen kann, die im selben Zeitraum entstanden sind. Da findet sich stets etwas, so auch hier. Diese Bonus-CD enthält eine handvoll kürzere Stücke, die eindeutig der SLOW DANCE Zeit zuzuordnen sind. Immer mal wieder tauchen Motive auf, die er dann für seine Suite weiterentwickelt hat.

Aufwertung: +1%


Anspieltipp:

Part 1


Fazit:

Kein Muss für die Surround-Sammlung, für Fans von Anthony Phillips aber eine interessante Veröffentlichung.

Pros / Cons:
+ sehr guter Klang
+ Booklet mit sehr viel Hintergrundinfos
+ zusätzliche CD mit Bonustracks (+1%)
– Surroundmix eher konventionell
– kleine Stolperfalle beim Albumstart (-2%)
– Keine DVD-Audio wie auf der Verpackung angegeben (- 2%)

 

GESAMTWERTUNG: 76 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

DVD: Bestehend aus 2 CDs und einer DVD, ist dieses Jahr erschienen und noch ohne Probleme zu bekommen. Kostenfaktor: ca. 27 Euro

Stand: 22.11.2017


Links:

Offizielle Webseite von Anthony Phillips

 

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