Riverside – ID.Entity


Erscheinungsjahr 2023 | DVD | Progressive Rock

Springen zu:  Musik  |  Surroundmix  |  Albumstart  |  Bonusmaterial  |  Fazit  |  Verfügbarkeit

Die polnische Progressive Rock Band Riverside hat im Januar ihr mittlerweile achtes Studioalbum mit dem Namen ID.ENTITY veröffentlicht. Kurz davor feierte die Band ihr 20-jähriges Bestehen. Riverside sind mit dem neuen Album wieder ein Quartett geworden. Nach dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Gitarristen Piotr Grudziński im Februar 2016 war das anschließende Album WASTELAND als Trio eingespielt worden. Für die meisten Soli hatte man Maciej Meller als Gast dazugenommen. Dieser wurde nun für ID.ENTITY vollwertiges Mitglied.

Meller hatte im Jahr 2020 ein Soloalbum mit dem Titel ZENITH veröffentlicht, welches am ehesten über die Plattform Bandcamp zu beziehen ist. Während der Corona-Zeit hat dort auch Bandleader Mariusz Duda eine Trilogie an sogenannten Lockdown-Alben veröffentlicht. Zu Zeiten, als man lieber Zuhause bleiben sollte, hat Duda elektronische Musik mit Synthesizern produziert, zumeist instrumental.

Wie schon die letzten beiden Riverside-Alben, wurde nun auch ID.ENTITY in Surround veröffentlicht. Das erste Mal zeitgleich mit dem regulären Albumrelease und das erste Mal in Dolby Atmos. Den Mix erstellte Robert Szydlo im September 2022. Ihn kann man entweder im Streaming hören oder auf der Blu-ray der Mediabook-Ausgabe des Albums. Das großformatige Buch enthält auch noch eine zweite CD mit zusätzlichen 30 Minuten Musik. Enthalten sind zwei instrumentale Bonustracks und zwei Single-Edits der Stücke Friend or Foe und Self-Aware.

Riverside ID.Entity Dolby Atmos Surround Sound


Tracklist:

1 Friend Or Foe? – 7:29
2 Landmine Blast – 4:50
3 Big Tech Brother – 7:24
4 Post-Truth – 5:37
5 The Place Where I Belong – 13:16
6 I’m Done With You – 5:52
7 Self-Aware – 8:43

8 Age Of Anger – 11:56
9 Together Again – 6:29

Gesamtdauer: 71:36


Die Musik:

Im Vergleich zum Vorgänger WASTELAND klingt das neue Album um einiges farbenfroher. WASTELAND war regelrecht düster ausgefallen, was wenige Zeit nach dem tragischen Verlust des guten Freundes und Gitarristen nicht verwunderlich ist. ID.ENTITY klingt für mich dagegen fast als wäre es der direkte Nachfolger von LOVE, FEAR AND THE TIME MACHINE. Es ist auch wieder etwas keyboardlastiger ausgefallen, was direkt beim ersten Track zu erkennen ist. Friend Or Foe geht fast schon in Richtung Synthiepop und erinnert nicht zuletzt durch die recht ähnliche Stimme Dudas an A-ha. Dennoch ist der Song unverkennbar dem Genre Progressive Rock zuzurechnen, wie auch die restlichen Stücke.

Mir kommen auch noch an zwei weitere Bands beim Hören des Albums Erinnerungen hoch. Der längste Track mit über 13 Minuten ist The Place Where I Belong, der mich stark an das erinnert, was Marillion um die Jahrtausendwende produziert hat. Der Song besteht auch aus dem typischen Stückwerk, wofür Marillion bekannt ist. Das letzte Stück Self-Aware kann nur als große Verbeugung vor Rush angesehen werden. Es könnte ohne Probleme auf deren Album SIGNALS von 1982 zu finden sein.

Textlich gesehen könnte man ID.ENTITY als echtes Konzeptalbum bezeichnen. Man wollte dieses Mal nicht wieder über Liebe, Freundschaften und die Flucht in Traumwelten singen, heißt es im Vorwort des Booklets. Stattdessen handeln die Songs von den Sozialen Medien, dem Internet, Verschwörungstheorien, Propaganda, Influencer, Datenschutz und allem anderen, was in den letzten Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Interessant ist dabei der Albumname und die Trennung von Identity mit dem Punkt. Auf der einen Seite die (digitale) ID eines Individuums, auf der anderen Seite das existierende Wesen.

Insgesamt ist den Polen wieder ein sehr gutes Album gelungen, welches aber auf den ersten Blick etwas sperriger ausfällt. Man braucht definitiv einige Durchläufe zur Entfaltung. Die beiden Bonustracks sind ein wenig schwächer. Man hat das Gefühl, als wären diese Kompositionen noch nicht fertig ausgearbeitet worden und dass schlichtweg noch Songtexte fehlen.

Wertung: 81 %


Besetzung:

Mariusz Duda – vocals, basses, electric and acoustic guitars
Piotr Kozieradzki – drums
Michał Łapaj – keyboards and synthesizers, rhodes piano and Hammond organ
Maciej Meller – guitars


Der Surroundmix:

Robert Szydlo hat einen druckvollen Mix erstellt, der allerdings nicht überaus diskret wirkt. In den hinteren Kanälen finden sich durchaus zahlreiche Effektsounds und Synthesizerspuren. Dadurch, dass die dichten Gitarrenwände aber fast ausnahmslos vorne zu finden sind, klingt das alles am Ende doch recht frontlastig. Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass Szydlo nicht so recht wusste, was er mit den Gitarren anstellen sollte, was am Ende aber auch etwas verständlich ist. Wenn man die Gitarren über alle Kanäle legen würde, wäre es wiederum schwieriger geworden, Keyboardsounds genügend hervorstechen zu lassen. Da gehört eine Menge Erfahrung, um die richtige Balance zu finden. Richtig interessant wird der Mix daher auch, wenn es eher ruhiger zu geht und verzerrte Gitarren in den Hintergrund treten. Die letzten Minuten des letzten Songs Self-Aware sind recht spacig und verspielt. Hier wird es dann richtig gut.

Im Dolby Atmos Mix kommen die atmosphärischen Effekte erwartungsgemäß sehr gut rüber. Im Vergleich zum normalen 5.1 Mix hat man das Gefühl, dass etwas mehr um einen herum passiert, das der Raum größer ist. Effektsounds werden gerne auch mal durchs Zimmer geschickt, aber auch Instrumente und Gesang werden vereinzelt auch etwas höher im Raum platziert. Bei Big Tech Brother scheinen Orgel- und Chorpads von der Decke zu kommen. Auch gibt es hier eine kurze Gesangssequenz, die eher über den eigenen Ohren schwebt.

Erfreulich: Auch die beiden Bonustracks von der zweiten CD kann man in Surround hören. Beide werden im Anschluss an das reguläre Album abgespielt. Und es lohnt sich! Vor allem Age of Anger beginnt fast so, wie Self-Aware aufgehört hat. Ruhig, atmosphärisch, mit vielen Sounds um den Hörplatz herum.

Wertung: 89 %


Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS HD Master Audio 5.1
LPCM 2.0 96/24

Album starten:

Der Mix startet per Enter-Taste aus dem Menü direkt in Dolby Atmos (oder der heruntergerechneten Variante Dolby True HD oder Dolby Digital, sollte man keinen Atmos-fähiges Equipment haben).

Wer kein Atmos Equipment hat und das Album in DTS HD Master Audio hören möchte, der kann entweder die Audiotaste betätigen oder im Menü folgende Tastenkombination ausführen:

RUNTER > RUNTER > ENTER > RUNTER > ENTER > ENTER > RUNTER > ENTER


Bonusmaterial:

Zwei Bonustracks auf CD 2, die es auch in Surround gibt, sowie zwei Single-Edits. Insgesamt hat CD 2 eine Spielzeit von knapp einer halben Stunde.

Aufwertung: + 0,5 %


Anspieltipp:

Self-Aware


Fazit:

Wieder einmal ein gutes Album von Riverside mit einem guten Mix. Dieser könnte aber etwas diskreter sein.

Pros / Cons:
+ Surroundmix gut bis sehr gut, aber nicht überaus diskret.
+ Bonuscontent auf CD 2, zwei Stücke Bonusstücke auch in Surround (+ 0,5 %)
+ High-Res Sound (+1 %)

 

GESAMTWERTUNG: 88 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Arbook mit 2 CD’s und einer Blu-ray: Diese Ausgabe ist im Januar 2023 erschienen und ist zu einem Preis von ca. 55 Euro noch erhältlich.

Streaming: Da es zu diesem Album einen Dolby Atmos Mix gibt, sollte dieser bei entsprechendem Abo und Equipment auch bei Apple Music und Tidal zu finden sein.

Stand: 09.02.2023

 


Links:

Offizielle Webseite von Riverside

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert