Robert Reed – Sanctuary III


Erscheinungsjahr 2018 | DVD | Progressive Rock

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Seit einigen Jahren arbeitet der britische Multiinstrumentalist Robert Reed an seiner SANCTUARY-Reihe. In diesem Jahr ist nun SANCTUARY III veröffentlicht worden. Das besondere an dieser Serie ist die Art der Musik und genau daran scheiden sich die Geister. SANCTUARY ist eine Hommage an die frühen Werke von Mike Oldfield, also an Tubular Bells, Ommadawn, Hergest Ridge und Incantations. Die einen halten Robert Reed für einen schamlosen Plagiator und Kopierer ohne eigene Ideen, die anderen sind dankbar, dass es auf diesem Planeten noch jemand anderen gibt, der diese eigenwillige Musik produziert, wenn es schon der Original-Oldfield selbst nicht mehr macht. Und wer weiß, vielleicht war es ja eben SANCTUARY, das Mike Oldfield dazu brachte ein Return to Ommadawn zu produzieren.

Ich selber hatte vor einigen Jahren davon gehört, dass es da einen Ersatz-Oldfield geben sollte, hatte aber kein großes Interesse mich damit zu beschäftigen. Bis ich irgendwann hörte, dass Robert Reed seine Alben auch in Surround Sound abmischt. Ich muss schon zugeben, er macht das richtig gut. Man könnte meinen, man hört ein Album des wahren Meisters, sogar der E-Gitarren-Sound ist sehr gut nachempfunden worden. Die Art der instrumentalen Musik, die Mike Oldfield in den 70er Jahren gemacht hat, ist schon sehr eigen und speziell, von daher ist es fast logisch, dass die auf ähnliche Weise arrangierte Musik von Robert Reed gewisse Wiedererkennungseffekte bietet. Aber hat man die bei Rock, Blues und Jazz nicht?

SANCTUARY ist übrigens eine Art Soloprojekt von Robert Reed. Er hat mit der Band Magenta noch ein weiteres Betätigungsfeld. Mit dieser macht er Progressive Rock im Stille von Genesis und Yes und auch hier mischt er die Alben stets in Surround Sound ab.

SANCTUARY III erschien als Vinyl und als umfangreiche CD-Ausgabe, die eine zweite CD mit weiteren Tracks beinhaltet und eine DVD mit dem Surroundmix. Auf der Bonus CD ist mit der Moonsinger Suite ein Stück enthalten, das eher nach dem späteren, elektronischen Oldfield klingt. Als Gäste wirken unter anderem Schlagzeuger Simon Phillips mit, der Oldfield in den 80ern begleitet hat und Tom Newman, der die ersten Alben von Oldfield produzierte. Auf der zweiten CD sind zudem die beiden Stücke von SANCTUARY III als von Tom Newman abgemischte Alternativ-Versionen zu finden.


Tracklist:

1 Part 1 – 21:08
2 Part 2 – 20:42

Gesamtdauer: 41:50


Die Musik:

SANCTUARY III besteht aus zwei Stücken die jeweils um die 20 Minuten dauern. Es ist nicht rein instrumental. Zum einen wird zu Beginn ein Gedicht rezitiert und es finden sich auch afrikanische Chorgesänge wieder, die Oldfield unter anderem bei Ommadawn und Amarok verwendet hat. Außerdem gibt es Abschnitte mit echtem Gesang, was bei Oldfield eher erst in den 80ern durch Maggie Reilly etabliert wurde. Auch das immer wiederkehrende Schlagzeugspiel von Simon Phillips hat man so auf den ersten Alben Oldfields nicht gehört. Allein dadurch hat SANCTUARY III mehr Groove und klingt so etwas gleichmäßiger. Robert Reed hat sich somit nicht nur auf die ersten Alben seines Vorbildes beschränkt, sondern entwickelte den Sound weiter und fügte auch Elemente ein, die Oldfield erst viel später für sich entdeckt hatte.

Robert Reed spielt auf dem Album über 24 Instrumente. Das sind neben zahlreichen Saiteninstrumenten wie unzähligen Akustik- und E-Gitarren, Mandolinen und Banjos auch viele Tasteninstrumente dabei: Klavier, Orgel, alte analoge Synthesizer. Glockenspiele, Vibraphone, Marimbas und Flöten sind auch mit dabei. Allein an der Fülle der verschiedenen Instrumente lässt sich erahnen, dass der Klangkosmos sich um einiges von der Radiomusik im 4/4-Takt unterscheidet.

Den Geist von Mike Oldfield spürt man dabei an vielen Stellen. Dennoch bieten beide Teile auch Momente, die deutlich die Handschrift Robert Reeds tragen und eigenständiger wirken. Spätestens mit diesem Album versucht er den Sound weiterzuentwickeln. Unter anderem sind dezente Synthesizer-Arpeggios herauszuhören, mit denen der bekannte Oldfield‘sche Sound erweitert wurde. Außerdem gibt es auch Parts, die man eher von Ennio Morricone und seinen Soundtracks für Italowestern kennt. Diese umschiffen noch einigermaßen den Abgrund zum Kitsch.

Wertung: 88 %


Besetzung:

Robert Reed – Grand Piano, Electric Guitars, Acoustic Guitar, Nylon Guitar, Twelve-String Guitar, Bass Guitar, Mandolin, Glockenspiel, Vibraphone, Marimba, Timpani, Banjo, Gong, African Drums, Snare Drum, Sleigh Bells, Melodica, Recorder, Farfisa Organ, Solina String Ensemble, Roland SH-2000, Table, Bodhrán, Tubular Bells
Simon Phillips – Drums
Tom Newman – Bodhrán
Les Penning – Recorder, Narrator
Gethin Liddington – Trumpet
Troy Donockley – Uilleann Pipes, Whistle
Angharad Brinn – Lead Vocals
Synergy Vocals – Vocal Chants
Shan Cothi – Opera Vocal


Der Surroundmix:

Eins bleibt festzuhalten: Robert Reed kann Surround Sound abmischen. Wenn man mal diesen Surroundmix mit denen von Mike Oldfield erstellten Mixen vergleicht (vor allem Tubular Bells), so fragt man sich, wer hier eigentlich Meister und wer Lehrling ist.

SANCTUARY III klingt einfach traumhaft. Mal abgesehen davon, dass diese reichhaltig arrangierte Musik nahezu nach einer umfangreichen Surroundabmischung schreit, fällt auf, dass vor allem der Klang perfekt ist. Jedes Instrument klingt so klar und plastisch, als würde es live im Zimmer vorgetragen. Dabei hat man es hier nicht einmal mit einem der sogenannten audiophilen Tonformate zu tun, sondern lediglich mit DTS (oder Dolby Digital), die beide auch schon komprimiert sind. Das fällt überhaupt nicht ins Gewicht. Stattdessen wird man sich bewusst, wie gut die heimische Anlage klingen kann, wenn etwas perfekt abgemischt wurde. Nicht wahr, Herr Oldfield?!?

Auch was die Verteilung der Instrumente im Raum angeht, gibt es hier kaum was zu meckern. Jeder Quadratmeter des Raumes wird nahezu gleichmäßig beschallt. Die unzähligen Instrumentenspuren werden geschmackvoll überall im Raum verteilt. So lässt sich jede Nuance heraushören, kein Instrument geht in der Fülle der gleichzeitig hörenden Klänge unter. Allenfalls im zweiten Teil gibt es kurz eine Stelle, die minimal weniger räumlich klingt.

Interessant ist die Verteilung des Gesangs. In der Regel wird Gesang eher frontal abgemischt, weil er in der allgemeinen, radiotauglichen Musik das zentrale Element eines Musikstückes ist. Bei SANCTUARY III ist der Gesang jedoch einfach nur ein weiterer Klang. Und dementsprechend wird er auch im Mix behandelt. Hier scheint er meist aus den hinteren Kanälen zu kommen, was überhaupt nicht als störend empfunden wird, wie es bei Pop- oder Rockstücken leicht passieren könnte.

Wertung: 99 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1
Dolby Digital 5.1

Album starten:

Auf der DVD gibt es nur den Surroundmix, keinen Stereomix. Beim doppeltes Drücken der Entertaste erklingt somit das Album in Surround Sound. Allerdings in Dolby Digital. Über die Audio-Taste lässt es sich in DTS umschalten. Direkt über das Menü ist die Prozedur etwas komplizierter:

RECHTS > ENTER > LINKS > ENTER

ENTER

RECHTS > ENTER > LINKS > ENTER

Abwertung: -1 %


Bonusmaterial:

Das Bonusmaterial ist reichhaltig. Zum einen gibt es die Bonus CD mit weiteren Stücken, sowie die alternativen Mixe von Tom Newman. Richtig interessant wird es aber mit dem zusätzlichen Videocontent auf der DVD, der eine Gesamtdauer von 90 Minuten hat. Hier analysiert Robert Reed seine Komposition am Klavier, was sehr interessant ist. Zudem spielt er hier nahezu das komplette Album als Piano Solo Stück, was überraschend gut funktioniert. In einem weiteren Video zeigt er anhand einer Sequenz von Sanctuary III aus wievielen Spuren und Instrumenten das Stück besteht und spielt diese Parts live im Studio nacheinander erneut ein. Abgerundet wird das Ganze mit insgesamt 4 kleinen Promovideos.

Aufwertung: +3 %


Anspieltipp:

Alles


Fazit:

Für Mike Oldfield Fans ein Muss und für Freunde von exzellenten Surround Sound Abmischungen erst recht.

Pros / Cons:
+ Ein perfekter Surround Mix, der nicht besser hätte werden können
+ traumhafter Klang
+ Üppiges Bonusmaterial (+3 %)
– startet zunächst nur in Dolby Digital, statt im besseren DTS (-1 %)

 

 

GESAMTWERTUNG: 98 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD / DVD: Zugreifen! Gibt es noch ohne Probleme für ca 22 Euro

Stand: 20.11.2018

 


Links:

Offizielle Webseite von Robert Reed

 

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