Reflection Club – Still Thick As A Brick


Erscheinungsjahr 2021 | DVD | Progressive Rock

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Das scheint ja ein neuer Trend zu werden! Wo man sich früher als Coverband vor seinen großen Vorbildern verneigt hat, indem man versuchte, die lieb gewonnenen Songs möglichst authentisch nachzuspielen, werden nun eigene Songs so gespielt, als wären es vergessene Stücke von den großen Vorbildern.

Robert Reed hat mit seiner Sanctuary Reihe angefangen und Alben produziert, die so klingen, als hätte sie Mike Oldfield in den 70ern aufgenommen und nicht veröffentlicht. In diesem Jahr macht nun ein Deutscher mit einem Projekt auf sich aufmerksam, welches der Musik von Jethro Tull huldigt. Lutz Meinert ist Musiker und Multiinstrumentalist aus Berlin, der vor einigen Jahren bereits mit der Band Margin aufhorchen ließ. Diese war ebenfalls dem Progressive Rock verwurzelt und erinnerte durch seine psychedelischen Zwischenspiele stark an Pink Floyd. Nun also Jethro Tull!

Unschwer am Titel erkennbar ist, dass man sich hier vor allem das 1972 erschienene Album Thick As A Brick als Blaupause genommen hat. In einem Interview berichtete Meinert davon, dass dieser Longplayer damals sein Einstieg in die Musik war. Jahre später war er gespannt, wie wohl der zweite Teil des Albums klingen würde, den Ian Anderson als Soloalbum 2012 veröffentlichte. Dieser war aber anders, als er sich persönlich eine Fortsetzung vorgestellt hatte, sodass irgendwann der Gedanke kam, dass er dann eben selber eine machen müsse.

Den kreativen Output dessen veröffentlichte Meinert nun als Band Reflection Club. Wie schon Margin davor ist auch der Reflection Club weitestgehend ein Soloprojekt Meinerts. Die meisten Instrumente spielte er selber ein, ließ sich lediglich bei Gitarre, Flöte und dem Gesang unterstützen.

Passend zu den derzeitigen Reissues von Jethro Tull im Buchformat kam STILL THICK AS A BRICK, so der Titel des Albums, auch in einer entsprechenden Deluxe Ausgabe heraus, siehe Foto unten. Neben einer CD ist eine DVD enthalten, die einen von Lutz Meinert erstellten Surroundmix enthält. Anders als bei Jethro Tull lohnt sich hier auch das Einschalten des Fernsehers. Denn während man dem Surroundmix lauschen kann, kann man außerdem eine Diashow auf dem Fernseher sehen, passend zu den Lyrics des Albums. Ähnliches hatten ja auch Genesis schon auf der Tour zur The Lamb Lies Down On Broadway gemacht und später, als auch dieses Album in Surround gehört werden konnte, auf DVD als Bonus zur Verfügung gestellt.

Das Booklet in der Deluxe-Ausgabe ist eine liebevoll zusammengestellte Ausgabe des imaginären Musikmagazins Rellington Stone, in dem die (imaginäre) Geschichte des Reflections Clubs nacherzählt wird. Mir etwas unverständlich ist jedoch, warum dieses „Magazin“ in zwei Layouts gleich zweimal abgedruckt wurde.

Reflection Club Still Thick as A Brick Deluxe Edition


Tracklist:

1 Prelude – 2.00
2 Time Out – 4.03
3 Years On The Fast Track – 3.31
4 Rellington Town – 6.17
5 The Club Of Hopeful Opinions – 3.47
6 The Foray Of The Sharks – 5.45
7 Sentimental Depreciation – 5.19
8 Nervesoothers – 3.09
9 The Great Dance Around The Golden Calf – 3.36
10 Bedlam – 5.48
11 Look Across the Sea – 4.24

Gesamtdauer: 47:39


Die Musik:

Die Illusion ist nahezu perfekt! Man hat sofort den Eindruck, als würde man ein altes Jethro Tull Album zum ersten Mal hören. Vor allem ich, der die Band eigentlich erst durch diese Reissues kennengelernt hat. Dies liegt weniger an der Musik und dem Arrangement. Das alles klingt vertraut nach Jethro Tull, keine Frage. Es ist aber die Stimme von Sänger Paul Forrest, die den Unterschied macht. Sie hat eine starke Ähnlichkeit zum Gesang von Ian Anderson. Forrest ist ein in den USA lebender Brite und dort mit der Coverband The Jethro Tull Experience bekannt.

Musikalisch ist STILL THICK AS A BRICK ein Konzeptalbum. Im Gegensatz zum Original gibt es hier aber nicht zwei lange Stücke, die sich jeweils über die gesamte LP-Seite erstrecken, statt dessen kürzere Titel, die aber alle in einander übergehen. Hier und da tauchen Themen auch immer wieder in abgewandelter Art auf, so wie man das eben von Konzeptalben kennt. Meinert sind einige richtig gute Melodien eingefallen, die sofort im Ohr bleiben und auch schon beim allerersten Hördurchgang wiedererkannt werden.

Was das Album außerdem interessant macht, ist, dass es nicht stur Musik im Stile Jethro Tulls anno 1972 enthält, sondern diesen Sound auch weiterentwickelt. So gibt es auf diesem Album auch kleine Ausflüge in den Jazz, die von Jethro Tull in der Art unbekannt sind. Ein richtig gutes Album!

Wertung: 85 %


Besetzung:

Lutz Meinert – Keyboards, Drums, Bass, Percussion, Background Vocals
Paul Forrest – Vocals, Flute, accoustic Guitar
Nils Conrad – E-Guitar
Ulla Harmuth – Flute


Der Surroundmix:

Der Surroundmix von STILL THICK AS A BRICK ist jetzt nicht das Diskreteste, was mir untergekommen ist. Die Songs beginnen meist recht frontlastig. Erst im Laufe der Zeit entfalten sie sich auch in die hinteren Kanäle und es findet eine gewisse Staffelung der Instrumente statt. Ich vermute, dass Lutz Meinert hier noch etwas verhalten an den Reglern war und es nicht zu sehr übertreiben wollte. Einmal tut er das dann doch. Im Stück Sentimental Depreciation gibt es kurz ein wildes Panning des Gesangs durch alle Kanäle, was etwas seltsam klingt.

Was die Verteilung von Instrumenten in die Rearkanäle angeht, macht hier Meinert keine Unterschiede. Sowohl Gitarren, Keyboards als auch die Flöte und Percussion lässt er gelegentlich auch in den hinteren Kanälen zu Wort kommen. Wie bereits gesagt, ein einheitliches Verteilen im gesamten Raum statt eines gelegentlichen Aufpoppens wäre mir persönlich lieber gewesen. Klanglich ist das Album aber sehr gut hörbar und überaus transparent. Man kann alle Nuancen sehr gut heraushören. Lediglich das Schlagzeug finde ich hier und da etwas zu dominant. Das ist aber schon Meckern auf hohem Niveau.

Am meisten können mich im Surroundmix die Parts 4 und 5 überzeugen, in denen die Verteilung der Instrumente im Raum am besten gelingt. Im Stück Rellington Town (Part 4) unterstützen zum Beispiel auch Tablas aus den Rears die Rhythmik des Stückes, was sich auch wiederum schön vom bekannten Jethro Tull Klangkosmos abhebt.

Wertung: 89 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1
Dolby Digital 5.1
Stereo PCM 96/24

Album starten:

Das Album startet in Stereo wenn man nach dem Einlegen lediglich auf die Enter-Taste drückt. Über die Audio-Taste kann man auf 5.1 umschalten. Will man das vorher über das Menü machen, sollte man schon den Fernseher eingeschaltet haben, da dies im Blindflug kaum zu bewältigen ist:

RECHTS > RECHTS > ENTER > LINKS > LINKS > ENTER > RECHTS > RECHTS > ENTER

DVD Menü Reflection Club

RECHTS > RECHTS > ENTER

DVD Menü Reflection Club

LINKS > LINKS > ENTER

Anschließend wieder vom Menüeintrag AUDIO SETUP zurück auf FULL ALBUM springen und entern.

Abwertung: -3 %


Bonusmaterial:

Über das gesamte Album kann man eine Bilderschau passend zu den Lyrics ansehen.

Aufwertung: +1 %


Anspieltipp:

Rellington Town


Fazit:

Für mich die Entdeckung des Jahres. Lohnt!

Pros / Cons:
+ sehr guter Klang und guter Surround Mix
+ Bonusmaterial (+1%)
– Albumstart in Surround etwas umständlich (- 3%)

 

 

GESAMTWERTUNG: 86 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD / DVD: Gibt es noch ohne Probleme für ca. 20 Euro plus Versand auf der Webseite von Lutz Meinert (siehe unten), bei Bandcamp, aber auch bei Amazon und Co. zu kaufen.

FLAC Download: Das Album in Surround als FLAC-Download gibt es bei surroundmusic.one für 10 Euro.

Stand: 24.06.2021

 


Links:

Offizielle Webseite zu Reflection Club

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