The Rolling Stones – Foreign Tongues
Erscheinungsjahr 2026 | Blu-ray Disc / Streaming | Rock
Springen zu: Musik | Surroundmix | Albumstart | Bonusmaterial | Fazit | Verfügbarkeit
Als die Rolling Stones für HACKNEY DIAMONDS ins Studio gingen, entstand offenbar deutlich mehr Material als für ein einzelnes Album benötigt wurde. Ein großer Teil der Songs von FOREIGN TONGUES wurde bereits bei diesen Sessions aufgenommen und anschließend zurückgehalten. Knapp drei Jahre später veröffentlichen die Stones nun also ein Album, dessen Entstehung teilweise noch in die Zeit vor HACKNEY DIAMONDS zurückreicht. Produzent war erneut Andrew Watt, mit dem die Band auch für weitere Aufnahmen in London und Los Angeles zusammenarbeitete.
Für die neuen Stücke holten sich die Stones zudem eine erstaunliche Reihe von Gästen ins Studio. Paul McCartney, Steve Winwood, Robert Smith von The Cure, Bruno Mars und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers sind ebenso dabei wie die langjährigen Mitstreiter Steve Jordan und Darryl Jones. Selbst der 2021 verstorbene Charlie Watts ist auf dem Album noch zu hören.
Musikalisch bleiben die Stones dabei ziemlich eindeutig bei sich selbst. Blues, Rock ’n’ Roll, Country und klassische Stones-Grooves bilden weiterhin das Fundament, wobei die Produktion von Andrew Watt den 14 Songs einen modernen und druckvollen Rahmen gibt. Schon Rough and Twisted als Opener und In the Stars als erste Single machen klar, dass hier keine nostalgische Rückschau auf alte Zeiten versucht wird. Selbst nach mehr als sechs Jahrzehnten Bandgeschichte klingt FOREIGN TONGUES eher nach einer Fortsetzung dessen, was die Stones mit HACKNEY DIAMONDS begonnen haben.
FOREIGN TONGUES erschien am 10. Juli 2026 über Polydor und Capitol Records und bringt es auf 14 Stücke mit einer Spielzeit von gut einer Stunde. Neben zwölf eigenen Songs finden sich mit You Know I’m No Good von Amy Winehouse und Beautiful Delilah von Chuck Berry auch zwei Coverversionen auf dem Album. Damit ist FOREIGN TONGUES nicht nur das 25. Studioalbum der Rolling Stones, sondern auch das bislang jüngste Kapitel einer Band, die offenbar noch nicht fertig hat.

Tracklist:
1 Rough and Twisted – 3:33
2 In the Stars – 4:14
3 Jealous Lover – 3:55
4 Mr. Charm – 4:32
5 Divine Intervention – 4:15
6 Ringing Hollow – 4:30
7 Never Wanna Lose You – 4:02
8 Hit Me in the Head – 3:57
9 You Know I’m No Good – 3:33
10 Some of Us – 4:20
11 Covered in You – 4:03
12 Side Effects – 4:25
13 Back in Your Life – 4:53
14 Beautiful Delilah – 4:21
Gesamtdauer: 62:38
Die Stones wollen es definitiv noch einmal wissen. Nach dem überraschend guten HACKNEY DIAMONDS legen sie in relativ kurzer Zeit ein weiteres Album vor, das sich in ihrer Diskografie keineswegs verstecken muss. Natürlich erfinden sie sich auch auf FOREIGN TONGUES nicht neu und klingen eben wie die Rolling Stones. Das ist hier allerdings eher eine Feststellung als eine Kritik, denn die Mischung aus bluesigem Rock, knackigen Riffs, groovigen Passagen und gelegentlichen Ausflügen in Country oder Disco funktioniert ausgesprochen gut. Songs wie Rough and Twisted und Hit Me in the Head liefern klassische Stones-Energie, während Jealous Lover und Never Wanna Lose You mit ihren Disco-Anleihen für etwas Abwechslung sorgen.
Tatsächlich könnte man sich FOREIGN TONGUES auch gut als Album vorstellen, das irgendwann in den 90ern zwischen VOODOO LOUNGE und BRIDGES TO BABYLON erschienen wäre. Nach den größtenteils durchwachsenen 80ern hatten die Stones damals wieder zu einer Form gefunden, die ihnen einige richtig gute Alben bescherte, und FOREIGN TONGUES fügt sich erstaunlich gut in diese Phase ein. Insgesamt macht das Album beim Anhören Spaß und leistet sich über seine gut einstündige Spielzeit kaum einen wirklichen Durchhänger.
Wertung: 81 %
Besetzung:
Mick Jagger – lead vocals, backing vocals, electric guitar, acoustic guitar, harmonica, percussion
Keith Richards – electric guitar, acoustic guitar, backing vocals, piano, lead vocals
Ronnie Wood – electric guitar, bass guitar, backing vocals
Steve Jordan – drums, percussion
Andrew Watt – electric guitar, backing vocals, percussion, acoustic guitar, piano, synthesizer, bass guitar
Matt Clifford – piano, organ, synthesizer, Rhodes
James King – tenor saxophone, alto saxophone, baritone saxophone
Ben Waters – piano
Benmont Tench – organ, piano
Darryl Jones – bass guitar
Steve Winwood – organ, Rhodes, piano
Naarai Jacobs – backing vocals
Porcha Clay – backing vocals
Robert Smith – electric guitar, backing vocals, synthesizer
Ron Blake – trumpet, flugelhorn
Bruno Mars – cowbell
Charlie Watts – drums
Paul McCartney – bass guitar
Chad Smith – concert bass drum
Nach dem Atmos-Mix von BLACK AND BLUE von Steven Wilson liegt mit FOREIGN TONGUES ein weiterer räumlich sehr schön ausgefallener Stones-Mix vor. Abgemischt wurde er von John Hanes, der bereits zahlreiche aktuelle Produktionen in Atmos umgesetzt hat, unter anderem für Lady Gaga, Katy Perry und Taylor Swift. Besonders die Gitarren werden häufig genutzt, um den Raum aufzuspannen. Sie stehen nicht nur links und rechts, sondern sind immer wieder auch hinten im Raum zu finden. Dadurch entsteht schon allein durch die Gitarrenverteilung ein sehr räumliches Klangbild.
Auch die oberen Kanäle sind regelmäßig im Einsatz. Backing Vocals, Keyboards, Bläser und Harmonika tauchen immer wieder aus erhöhter Position auf, teilweise sind dort auch Gitarren oder Percussion zu hören. Bei Rough and Twisted stehen beispielsweise die Backing Vocals hinten und oben, während Piano und Harmonika ebenfalls aus dem hinteren Bereich kommen. Jealous Lover verteilt die Gitarren über Vorder-, Rück- und Höhenebene und erzeugt dadurch eine sehr transparente Räumlichkeit. Besonders gut gefällt mir Ringing Hollow: Hier steht eine Gitarre vorne links, während die Slidegitarre hinten rechts platziert ist. Dazu kommen Klavier und Orgel aus unterschiedlichen Höhenpositionen, Backing Vocals von hinten und ein Gitarrensolo vorne rechts. Später wandert ein weiteres Solo sogar nach hinten links. Das ist für mich eines der Highlights des gesamten Mixes.

Überhaupt gibt es einige Songs, bei denen die räumliche Aufteilung besonders schön funktioniert. Bei Some of Us stehen die Gitarren ebenfalls an unterschiedlichen Positionen im Raum, dazu kommen weitere Instrumente und das Schlagzeug, das sich teilweise nach oben auszudehnen scheint. Auch Side Effects nutzt die Höhe intensiv mit Chorgesang und Synthesizer, während sich gleichzeitig Gitarren und Piano über den Raum verteilen.
Klanglich gibt es ebenfalls wenig zu meckern. Der Mix ist häufig sehr transparent, sodass sich die einzelnen Instrumente gut voneinander unterscheiden lassen. Die Gitarren wirken schön plastisch und bekommen durch ihre unterschiedlichen Positionen im Raum zusätzliche Präsenz. Bei Divine Intervention ist das Klangbild dagegen etwas kompakter und erinnert eher an eine Wall of Sound, wodurch sich die einzelnen Instrumente nicht ganz so präzise voneinander trennen lassen. Das ist allerdings eine bewusste klangliche Eigenheit des Songs und kein generelles Problem des Mixes.
Insgesamt gefällt mir FOREIGN TONGUES als Atmos-Mix ausgesprochen gut. Die räumliche Wirkung entsteht vor allem durch die Verteilung der Gitarren und die immer wieder eingesetzten Höhenkanäle, ohne dass dafür ständig irgendwelche Effekte demonstrativ aus den Lautsprechern springen. Der klassische Stones-Sound bleibt dabei erhalten und wird durch die zusätzliche räumliche Ebene sinnvoll erweitert.
Obwohl es nirgends auf der Verpackung steht, gibt es auf der Blu-Ray einen eigenständigen 5.1-Mix. Dennoch sollte man auf herkömmlichen Equipment besser auf den Atmos-Downmix setzen, der zwar naturgemäß etwas weniger spektakulär erscheint, aber deutlich besser ist als der 5.1-Mix in DTS-HD.
Wertung: 89 %
Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS-HD Master 5.1
LPCM 96/24 2.0
Das Album startet per Enter Taste aus dem Menü direkt in Dolby Atmos.
Die kleine Box enthält neben der CD, der Blu-ray und dem Booklet noch ein Miniposter und ein Minikunstdruck des schaurigen Covers.
Anspieltipp:
Ringing Hollow, Side Effects
Das Altenheim rockt!
Pros / Cons:
+ Guter Mix in Dolby Atmos, aber im Vergleich zum letzten Wilson-Mix noch etwas Luft nach oben.
+ High Resolution (+1 %)
GESAMTWERTUNG: 88%
Erläuterungen zur Bewertung
CD / Blu-ray: Die Deluxe Edition mit einer CD und der Blu-ray gibt es noch für knapp über 40 Euro.
2LPs / Blu-ray: Auch eine Vinyl-Box gibt es davon, mit zwei Platten und der Blu-ray. Kostet das Doppelte.
Streaming: Den Dolby Atmos Mix gibt es auch im Streaming bei Apple Music, Amazon Unlimited und Tidal zu hören.
Stand: 03.10.2023
Links:
Offizielle Webseite der Rolling Stones