The Cranberries – No Need to Argue


Erscheinungsjahr: 1994 | STREAMING | Alternative Rock

Eine Dolby Atmos Streaming Review

NO NEED TO ARGUE ist das zweite Studioalbum der irischen Band The Cranberries und erschien im Oktober 1994. Nach dem Erfolg ihres Debüts musste die Band zeigen, dass sie mehr zu bieten hatte als ein paar schöne, melodische Songs. Produzent Stephen Street, der bereits am ersten Album beteiligt war, verdichtete den typischen Cranberries-Sound und ließ die Songs insgesamt etwas dunkler und härter wirken. Im Mittelpunkt steht dabei Dolores O’Riordan, deren Stimme kaum mit einer anderen Sängerin dieser Zeit zu verwechseln ist.

Genau diese Stimme macht für mich einen großen Teil des Reizes von NO NEED TO ARGUE aus. O’Riordan kann in Ode to My Family, Empty oder Dreaming My Dreams fast zerbrechlich und schwebend klingen, bevor sie ihre Stimme plötzlich aufreißt und wesentlich rauer wird. Ihr Gesang wirkt dabei nie glatt. Der irische Akzent, die ungewöhnlichen Tonhöhenwechsel und ihr teilweise fast jodelnder Gesang geben den Melodien etwas Eigenwilliges. Gerade diese Gegensätze waren damals durchaus umstritten. Ich kann mich an einige kontroverse Diskussionen erinnern.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Alternative Rock, Jangle Pop, Irish Folk, Post-Punk und Dream-Pop. Die Gitarren sind oft hell und melodisch, während Hall und Mollfärbungen den Songs eine melancholische Stimmung geben. Dazwischen stehen Stücke wie Ridiculous Thoughts, die deutlich kräftiger nach vorne gehen. Der große Ausbruch kommt natürlich mit Zombie. Die verzerrten Gitarren und das wuchtige Schlagzeug bilden einen deutlichen Kontrast zu den ruhigeren Songs, während O’Riordans Gesang hier von verletzlich zu wütend und rau wechselt. Der Song entstand nach dem Bombenanschlag von Warrington 1993 und richtet sich gegen die Gewalt des Nordirlandkonflikts.

Für mich funktioniert NO NEED TO ARGUE gerade wegen dieser Wechsel zwischen leisen, beinahe folkartigen Momenten und den härteren Ausbrüchen so gut. Neben Zombie gehören auch Daffodil Lament mit seiner langen, atmosphärischen Entwicklung und das zurückgenommene Dreaming My Dreams zu den Songs, die zeigen, dass die Cranberries ihren Sound nicht auf einen einzigen Stil reduzieren. Das Album wurde zu ihrem größten kommerziellen Erfolg, ohne dass die Band ihren eigenwilligen Charakter dafür komplett aufgeben musste. Nachdem vor einiger Zeit schon das Debüt in Atmos abgemischt wurde, ist auch NO NEED TO ARGUE inzwischen auf den Streamingportalen in Atmos zu hören.

The Cranberries - No Need To Argue Dolby AtmosScreenshot Apple Music App


Tracklist:

 1 Ode to My Family – 4:31
2 I Can’t Be with You – 3:07
3 Twenty One – 3:07
4 Zombie – 5:06
5 Empty – 3:26
6 Everything I Said – 3:52
7 The Icicle Melts – 2:53
8 Disappointment – 4:14
9 Ridiculous Thoughts – 4:31
10 Dreaming My Dreams – 3:36
11 Yeat’s Grave – 2:59
12 Daffodil Lament – 6:14
13 No Need to Argue – 2:57

Gesamtdauer: 50:34


Der Dolby Atmos Mix:

Der ältere Atmos-Mix des Debütalbums ist zwar nicht besonders spektakulär, aber immerhin eine deutliche Weiterentwicklung zum normalen Stereomix. Leider kann man das von NO NEED TO ARGUE nicht behaupten. Der Atmos-Mix ist zum großen Teil enttäuschend ausgefallen und bietet bis auf sehr wenige Ausnahmen kaum einen Mehrwert gegenüber dem Stereomix.

Die meisten Songs bleiben sehr stark auf die Frontkanäle konzentriert. Das Schlagzeug wird teilweise etwas weiter in den Raum gerückt, bei Ode to My Family ist beispielsweise die Hi-Hat oben zu hören, während bei anderen Stücken vor allem der Nachhall des Schlagzeugs etwas weiter hinten landet. Auch die zweite Stimme von Dolores O’Riordan wird immer wieder etwas höher im Raum platziert. Wirklich immersive Momente entstehen dadurch aber nur selten. Bei Zombie wütet der Song weiterhin praktisch komplett in den Frontkanälen, und auch hier gibt es für mich keinen echten Mehrwert zum Stereomix. Bei The Icicle Melts hat man zumindest das Gefühl, dass die Gitarren etwas weiter außen im Raum stehen. Viel mehr passiert aber auch dort nicht.

Ein paar Songs zeigen immerhin, dass es auch anders geht. Empty gehört für mich zu den besseren Beispielen: Die Akustikgitarre steht deutlich weiter im Raum und auch etwas höher, später kommen Tambourine und Streicher aus dem oberen Bereich dazu. Trotzdem bleibt auch hier vieles vorne. Bei Dreaming My Dreams sind Akustikgitarre und Cello vorne, während sich die Percussion etwas im Raum verteilt und Backing Vocals von oben kommen. Daffodil Lament bringt zumindest einige Gitarreneffekte und einen Flanger in die Höhe, später kommt auch etwas Gesang dazu. Die Coda mit den mehrstimmigen Gesängen funktioniert im Raum ganz gut.

Am besten gefällt mir ausgerechnet der Titelsong, der den Abschluss des Albums bildet. Es ist das am wenigsten instrumentierte Stück. Vorne zu hören ist die Kirchenorgel und der Leadgesang mit etwas Hall im Raum, später kommt die zweite Stimme von oben dazu. Dadurch entsteht tatsächlich ein räumlicher Eindruck, den ich mir bei den anderen Songs deutlich häufiger gewünscht hätte. Rein klanglich sind die meisten Stücke durchaus schön und bekommen von mir auch entsprechend gute Werte. Räumlich ist das Ganze aber viel zu zurückhaltend. Am liebsten stelle ich Mixe vor, die richtig gut sind und in die man unbedingt mal reinhören sollte. Dieser gehört eher zu der Sorte, vor der man warnen möchte. This mix is a need to argue.


Anspieltipp:

No Need To Argue, Empty


Fazit:

Bei Mixen wie diesem fragt man sich, wozu man mehr als zwei Lautsprecher angeschlossen hat.

 

WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 60 %

 


Verfügbarkeit:

Streaming: Den Dolby Atmos Mix von NO NEED TO ARGUE gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple Music, Amazon Music Unlimited und Tidal zu hören. 

Stand: 10.10.2026


Links:

Offizielle Webseite von den Cranberries

 

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