Esbjörn Svensson Trio – Tuesday Wonderland


Erscheinungsjahr 2006 | SACD | Jazz

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Das schwedische Jazz-Trio Esbjörn Svensson Trio (E.S.T.) machte nach der Jahrtausendwende auf sich aufmerksam und erhielt auch außerhalb der Jazz-Grenzen große Bekanntheit. Ursache hierfür war, dass sie in ihre Stücke auch Einflüsse aus der Rockmusik, des Pop und der Elektronik einstreuten und ihre Musik dadurch frischer und innovativer, andererseits aber auch leichter zugänglich klang.

Zu dieser Zeit wurden viele aktuelle Alben auf den neuen hochauflösenden Datenträgern SACD und DVD-Audio in Surround Sound veröffentlicht, denn man versuchte diese beiden Systeme zu etablieren. Zwei Alben des Esbjörn Svensson Trio haben es zu einer Veröffentlichung auf SACD geschafft, bevor man die Idee der hochauflösenden Datenformate wieder begrub und sich auf Downloads konzentrierte. Diese beiden Alben sind das 2005 erschienene VIATICUM und TUESDAY WONDERLAND, welches ein Jahr später erschienen ist und ich hier näher bespreche.

TUESDAY WONDERLAND sollte das letzte Album werden, dessen Veröffentlichung der Pianist und Bandleader Esbjörn Svensson noch erleben durfte. Am 14. Juni 2008 verunglückte er beim Tauchen im Stockholmer Scherengarten auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die verbliebenen beiden Mitglieder veröffentlichten noch zwei Alben, die im Jahr 2007 bereits eingespielt wurden und ursprünglich als Doppelalbum geplant waren. Das erfolgreiche Kapitel E.S.T. war geschlossen. Vor zwei Jahren taten sich Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström wieder zusammen und gründeten mit dem norwegischen Pianisten Bugge Wessteltoft das Jazztrio Rymden. Rymden beschreitet den Weg weiter, den das Esbjörn Svensson Trio damals geebnet hat: Jazz, der nicht unbedingt typisch nach Jazz-Trio klingt.

Esbjörn Svensson Trio Tuesday Wonderland SACD


Tracklist:

1 Fading Maid Preludium – 4:10
2 Tuesday Wonderland – 6:30
3 The Goldhearted Miner – 4:51
4 Brewery Of Beggars – 8:22
5 Beggar’s Blanket – 2:53
6 Dolores In A Shoestand – 8:52
7 Where We Used To Live – 4:25
8 Eighthundred Streets By Feet – 6:47
9 Goldwrap – 3:59
10 Sipping On The Solid Ground – 4:32
11 Fading Maid Postludium – 5:08

Gesamtdauer: 68:10


Die Musik:

Esbjörn Svensson galt als ein herausragender Pianist seiner Zeit. Sein Stil ist unverkennbar angelehnt an die frühen Aufnahmen von Keith Jarrett. Auch das gelegentliche leise Mitsingen hat er vom amerikanischen Jazz-Pianisten übernommen. Hier und da kann man es leise auf den Aufnahmen von TUESDAY WONDERLAND vernehmen.

Was das Esbjörn Svensson Trio von anderen Jazz-Trio-Formationen unterscheidet, ist der Einsatz von Klangverfremdern. Der Kontrabass ist gelegentlich stark verzerrt und klingt mehr wie eine tiefer gestimmte E-Gitarre, das Schlagzeug hat hier und da Klangfarben eines Drumcomputers und selbst das Klavier klingt nicht immer wie ein Klavier. Auch scheut sich die Band bei ihren Aufnahmen nicht, auch hier und da Overdubs zu verwenden. So kann man auf TUESDAY WONDERLAND gelegentlich auch neben dem normalen Flügel ein E-Piano hören. Der Klang auf dem Album geht somit weit über das typische Gebilde aus Klavier, Bass und Schlagzeug hinaus.

Musikalisch ist das Trio auf dieser Veröffentlichung verspielt wie auch auf den Alben zuvor. Großartige eingängige Melodien wechseln sich ab mit ausufernden Improvisationen. Interessant ist, dass es die Band mit jedem Album schafft, anders zu klingen. Gerade dadurch, dass es nicht durchgehend nach 100% Jazz klingt, macht es auch für alle interessant, die sich mit Jazz noch nicht näher beschäftigt haben, es aber mal beabsichtigen. E.S.T. ist da ein guter Einstieg!

Wertung: 86 %


Besetzung:

 Dan Berglund – double bass
Magnus Öström – drums
Esbjörn Svensson – piano


Der Surroundmix:

Kann eine Surroundabmischung eines Jazz-Trios überhaupt das Medium komplett ausreizen, oder darf man hier lediglich ein erweitertes Stereo mit etwas mehr Tiefenstaffelung erwarten? Dazu muss man wissen, dass E.S.T. kein klassisches Jazz-Trio ist und sich auf den üblichen Klang, bestehend aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug beschränkt. Ich erwähnte bereits, dass Sounds verzerrt werden und man auch nicht vor Overdubs zurückschreckt. Und so kann man die Abmischung auch auf keinen Fall als konservativ betrachten, wie sie vielleicht bei einem klassischen Jazz-Trio wäre.

Man kann sagen, dass die Band es versteht, mit ihrer am Ende doch sparsamen Instrumentierung den ganzen Raum auszufüllen. Oft ist das Klavier prominent in der hinteren Raumhälfte zu hören, während Kontrabass und Schlagzeug vorne für den Rhythmus sorgen. Doch sobald man es mit Klangverfremdungen zu tun hat, tauchen diese auch immer gerne in den Rears auf.

Der verzerrte Kontrabass im ersten Stück Fading Maid Preludium legt das Fundament in die hinteren Kanäle. In Brewery of Beggars bewegt sich eine verfremdete Klavierfigur zunächst von hinten rechts nach links und dann nach vorn, kurz bevor vorne dann Klavier und Schlagzeug zu einem halsbrecherischen Tempo ansetzen. Hier ist es dann der eher ruhig gespielte Bass, der in den Rears für einen Gegenpol sorgt. Gegen Ende hört man auch hier Overdubs aus einem E-Piano, welches in der Stereoabmischung nicht so gegenwärtig ist. Generell habe ich das Gefühl, dass ich in der Surroundabmischung von TUESDAY WONDERLAND mehr heraus hören kann, als ich das in der mir seit über 15 Jahren bekannten Stereoversion konnte. Im Stück Dolores In A Shoestand gibt es am Ende einen kleinen klanglichen Gimmick, bei dem vermeintliche Publikumsgeräusche zu hören sind. In 5.1 sind diese Geräusche weitaus besser identifizierbar und man hört mehr als nur Klatschen heraus. Man hat eher den Eindruck, als wäre man hier plötzlich in einem anderen Raum und E.S.T würden ein Zimmer weiter spielen.

Aber es gibt auch ruhige, sparsame Momente auf dem Album wie Beggars Blanket, welches eigentlich nur aus Klavier und Kontrabass besteht. An diesem Stück zeigt sich, dass man hier nicht auf Gedeih und Verderb auf Räumlichkeit gesetzt hat, sondern immer nur da, wo es auch Sinn macht. So ist es in diesem Stück richtig, dass beide Instrumente weitestgehend frontal gesetzt sind und dort eine Einheit bilden.

Wertung: 93 %


Vorhandene Tonformate:
SACD DSD 5.1
SACD DSD 2.0
CD Audio

Album starten:

Die SACD lässt sich (sofern man dieses so eingestellt hat) automatisch mit dem 5.1 Mix starten.


Bonusmaterial:

Kein Bonus


Anspieltipp:

Brewery of Beggars


Fazit:

E.S.T. waren eine großartige Band. Dieser Surroundmix wird ihr gerecht.

Pros / Cons:
+ Sehr gute Abmischung in Surround
+ Klanglich Top
+ High Resolution (+ 1%)
+ Album lässt sich ohne TV-Hilfsmittel starten

 

 

GESAMTWERTUNG: 92 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

SACD: Die SACD ist 2007 erschienen und lässt sich auch noch heute ohne größere Probleme für ca. 18 Euro erwerben.

Stand: 09.07.2021

 


Links:

Webseite von E.S.T.

Webseite von Rymden (Berglund und Öströms neuem Trio)

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