Kiss – Dressed To Kill
Erscheinungsjahr: 1975 | STREAMING / Blu-ray | Hard Rock
Eine Dolby Atmos Streaming Review
Mit DRESSED TO KILL veröffentlichten Kiss am 19. März 1975 ihr drittes Studioalbum bei Casablanca Records. Nach KISS und HOTTER THAN HELL, die beide 1974 erschienen waren, setzte die Band damit ihre schnelle Veröffentlichungsstrategie fort. Zu diesem Zeitpunkt bestand Kiss aus Paul Stanley, Gene Simmons, Ace Frehley und Peter Criss – jener klassischen Besetzung, die in den folgenden Jahren das Image und den Sound der Gruppe nachhaltig prägen sollte.
Die Entstehungsbedingungen des Albums waren stark von der wirtschaftlichen Situation des Labels beeinflusst. Casablanca Records befand sich finanziell in einer angespannten Lage, sodass kein externer Produzent engagiert werden konnte. Die Produktion übernahmen daher Neil Bogart, Präsident des Labels, und die Band selbst. Die Aufnahmen fanden im Februar 1975 in den Electric Lady Studios in New York statt und wurden Berichten zufolge innerhalb von rund zehn Tagen abgeschlossen. Mit einer Gesamtspielzeit von gerade einmal 30 Minuten ist DRESSED TO KILL bis heute das kürzeste Studioalbum der Band.
Musikalisch zeigt sich das Album kompakt und fokussiert. Mehrere Songs stammen jeweils ausschließlich von Paul Stanley oder Gene Simmons, während Rock and Roll All Nite als Gemeinschaftskomposition entstand. Der Titel wurde auf Wunsch von Neil Bogart gezielt als potenzielle Bandhymne konzipiert. Auch wenn der ganz große kommerzielle Durchbruch erst später mit dem Live-Album ALIVE! gelang, markiert DRESSED TO KILL einen wichtigen Schritt hin zu einem klarer strukturierten, eingängigeren Hard-Rock-Sound.
Das Coverfoto, das die Band in Anzügen und Krawatten an einer Straßenecke in New York zeigt, steht im bewussten Kontrast zur sonstigen Bühnenästhetik. Die Aufnahme entstand an der Ecke 8th Avenue und 23rd Street in Manhattan und gehört heute zu den ikonischen Motiven der frühen Bandphase.
Im eigenen Bandshop kann man eine 300 bis 400 Euro teure Super Deluxe Box erwerben, die den 50. Geburtstag des Albums zelebriert. Diese enthält auch eine Blu-ray mit einem neuen Dolby Atmos Mix. Viel günstiger kann man das Album im Streaming hören.
Screenshot Apple Music App
Tracklist:
1 Room Service – 2:59
2 Two Timer – 2:47
3 Ladies in Waiting – 2:35
4 Getaway – 2:47
5 Rock Bottom – 3:54
6 C’mon and Love Me – 2:57
7 Anything for My Baby – 2:35
8 She – 4:08
9 Love Her All I Can – 2:40
10 Rock and Roll All Nite – 2:49
Gesamtdauer: 30:12
Den Atmos-Mix hat David Frangioni erstellt, der bereits das Debütalbum von Kiss in Atmos abgemischt hat. DESTROYER dagegen wurde von Steven Wilson gemischt. Es braucht ein wenig, bis der Mix richtig in Fahrt kommt. Die ersten Stücke beginnen zunächst etwas verhalten, mit klarem Fokus auf die Frontlautsprecher, wobei die Gitarren bereits durch die seitlichen Lautsprecher ergänzt werden. Sobald jedoch zusätzliche Gitarren oder Chorgesang einsetzen, entfalten diese Stücke ihre Räumlichkeit, indem auch die hinteren Lautsprecher einbezogen werden. Ebenso kommen dann die Höhenlautsprecher merklich zum Einsatz: Chorgesang sowie zusätzliche Gesangseinlagen werden häufig oben positioniert. Der Chorgesang ist dabei in der Regel hinten oben zu vernehmen, während einzelne Zweit- oder Drittstimmen eher vorne oben platziert sind.
Die obere Raumhälfte ist zudem der bevorzugte Platz für Leadgitarren. Praktisch jedes Solo, das auf dem kurzen Album zu hören ist, erklingt über dem Kopf.
Spätestens ab dem vierten Stück (Getaway) wird das Album nahezu durchgehend räumlich. Möglicherweise liegt das daran, dass ab hier die Songs bereits früh mit Overdubs angereichert werden. Das erste absolute Highlight ist dabei Rock Bottom, der trotz seiner Kürze zweigeteilt ist. In der ersten Hälfte handelt es sich um eine instrumentale Nummer mit Akustikgitarren, bevor das Stück in der zweiten Hälfte zur Hard-Rock-Nummer wird. Die Akustikgitarren sind zu Beginn sehr schön im Raum verteilt, sodass man sich mitten in einem kleinen Gitarrenkonzert wähnt. Auch der rockige Teil überzeugt mit zahlreichen Gitarrenschichten aus allen Richtungen. In den Höhen bleibt dabei weiterhin eine Akustikgitarre präsent.
Das anschließende C’mon and Love Me scheint zunächst etwas abzufallen. Im Vergleich zu Rock Bottom wirkt es klanglich etwas kraftloser, und der Mix scheint wieder nur bis zur Raummitte zu reichen. Zeitweise klingt es fast wie ein Upmix. Doch auch hier setzen gegen Ende im hinteren Raum Backing Vocals ein.
Ein weiteres Highlight im Mix ist She, bei dem auch Schlagzeuganteile deutlich in den Raum gesetzt werden. Wieder gibt es zahlreiche Riffs aus allen Richtungen, Gesangselemente in den Höhen sowie ein Solo, das rechts hinten oben im Raum zu hören ist.
Insgesamt ist es ein richtig guter Atmos-Mix, der lediglich bei einigen Liedern etwas Zeit braucht, bis der Raum vollständig genutzt wird.
Anspieltipp:
She, Rock Boottom
Fazit:
Bis auf wenige Ausnahmen ein sehr gelungener Atmos Mix.
WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 91 %
Streaming: Den Dolby Atmos Mix von DRESSED TO KILL gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple Music, Amazon Music Unlimited und Tidal zu hören.
Blu-ray: Wie oben erwähnt, gibt es im bandeigenen Shop eine Deluxe Edition für ca. 300 Euro (CDs und Blu-ray) bzw. 400 Euro (Platten statt CDs). Enthalten sind unzählige Outtakes, Demoversionen, Live-Versionen und ja, ein T-Shirt!
Stand: 28.02.2026
Links:
Offizielle Webseite von Kiss