Art Garfunkel – Angel Clare (Quad-Mix)


Erscheinungsjahr 1973 | SACD | Soft Rock

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Das bereits in den 90er Jahren gegründete britische Label Dutton Vocalion ist darauf spezialisiert, Musik, die zwischen den 20er und 70er Jahren aufgenommen wurde, auf CD wiederzuveröffentlichen. Seit einiger Zeit hat das Label angefangen, Musik in Surround Sound auf SACD herauszubringen. Dabei dürfte es bei diesen Veröffentlichungen um bereits bestehende, in den 70er Jahren veröffentlichte Quad-Mixe handeln. 2018 kamen nun zwei SACDs mit Alben von Art Garfunkel heraus.

Art Garfunkel ist, wie allen bekannt sein dürfte, die eine Hälfte von Simon & Garfunkel. Während Paul Simon für die musikalische Umsetzung und das Songwriting verantwortlich war, war Art Garfunkels Betätigungsfeld der Umgang mit dem Gesangsmikrofon. Nachdem sich das Duo 1970 getrennt hatte, versuchte Garfunkel zunächst als Schauspieler Fuß zu fassen. Im September 1973 erschien schließlich sein erstes Soloalbum ANGEL CLARE. In Amerika kletterte es bis auf Platz 5 der Charts.

Es sollte sein erfolgreichstes Album werden. Der ganz große Erfolg blieb ihm in seiner Solokarriere verwehrt. Das mag auch daran liegen, dass Art Garfunkel kein Songwriter ist. Die Stücke, die er auf seinen Alben singt, sind ausschließlich Kompositionen anderer, zumeist Coverversionen oder Traditionals.

Für sein Erstlingswerk konnte Garfunkel eine große Anzahl an bekannten Musikern verpflichten, was sicherlich dem Erfolg der Platte zu Gute kam. Mit an Bord ist neben Größen wie J.J.Cale und Jerry Garcia von The Grateful Dead auch ein gewisser Paul Simon. Im Zuge der damaligen Offensive, die Quadrophonie an den Musikfan zu bringen, wurde von dem Album neben der Stereofassung auch ein Quad-Mix erstellt, der nun auf SACD vermutlich mehr Hörer erreicht, als es damals der Fall gewesen sein dürfte.

Die SACD ist eine Hybrid-SACD, die neben der hochauflösenden Ebene mit dem Stereo- und dem Quad-Mix auch eine CD-Ebene besitzt, die von jedem CD-Player gelesen werden kann. In dem Fall gibt’s natürlich auch nur Stereo zu hören. Verpackt wird das Ganze in ein übliches (schnell kaputtgehbares) Jewel Case (wurde schon so geliefert, war ich nicht!!!):


Tracklist:

1 Traveling Boy – 4:55
2 Down in the Willow Garden -3:54
3 I Shall Sing – 3:30
4 Old Man – 3:20
5 Feuilles-Oh/Do Space Men Pass Dead Souls on Their Way to the Moon? – 3:07
6 All I Know – 3:43
7 Mary Was An Only Child – 3:26
8 Woyaya – 3:15
9 Barbara Allen – 5:22
10 Another Lullaby – 3:29

Gesamtdauer: 38:36


Die Musik:

Die Musik von Art Garfunkel ist mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Den Namen assoziiert man fast ausschließlich mit dem 60er Jahre Folk-Duo und selbst da genießt der Name Paul Simon eine größere Stahlkraft. Ich selbst habe mich mit dem späteren Werk von Art Garfunkel nie richtig beschäftigt, sondern habe mehr die Karriere von Paul Simon verfolgt, was zum großen Teil an der Musik liegen dürfte. Simon hatte, nachdem er in den 70ern größtenteils Folk, Soul und Pop gemacht hat, in den 80ern mit seinem von afrikanischer Musik beeinflussten Album Graceland ein großes Album veröffentlicht. Garfunkel ist für mich eher der Inbegriff für sanften, fast klebrig süßen Pop, sozusagen ein Bridge over Troubled Water, aber um einiges kitschiger. Das dürfte meist an seinem Gesang liegen, der sehr sanft vorgetragen wird.

Egal, die beiden SACDs habe ich mir trotzdem geholt. Was es zum Sound von ANGEL CLARE zu sagen gibt, steht weiter unten. Was das musikalische angeht, fühle ich mich fast bestätigt. Ja, es gibt viele Balladen, viele Streicher, süßlicher Gesang, dass es fast nach Katjes riecht, aber irgendwie tut man dem Mann auch unrecht. Denn die Arrangements der Lieder auf dem Album sind alle ganz großes Kino. Die Stücke sind allesamt sehr aufwendig arrangiert worden, man hört unzählige Instrumente. Manchmal erklingen Klangfarben auch nur für einen Bruchteil im Song, wie eine einzelne Gitarrennote oder ein Orgel-Akkord, der plötzlich wie ein Farbtupfer für etwas Dramatik sorgt. Man hat unweigerlich das Bild eines Triangel-Spielers im Symphonieorchester vor Augen, der 10 Minuten geduldig auf seinen Einsatz wartet.

Neben den folkigen Balladen, gibt es im Übrigen auch hier schon viele Jahre vor Graceland Anleihen an die Weltmusik. Der Van Morrison Song I Shall Sing ist ein Calypso und weiteren karibischen Flair versprüht Feuilles-Oh, der zudem im Mittelteil einen Schlenker zu Johann-Sebastian Bach macht. Außerdem wird mit Woyaya afrikanischer Pop zelebriert.

Wertung: 78 %


Besetzung:

  Art Garfunkel – vocals
J.J. Cale – guitar
Jerry Garcia – guitar
Paul Simon – guitar, vocals
Jules Broussard – saxophone
Larry Carlton – guitar
Peter Matz – strings
Fred Carter, Jr. – guitar
Louie Shelton – guitar
Jim Gordon – drums
Hal Blaine – drums
Stuart Canin – violin
Ernie Freeman – strings
Mark Friedman – recorder
Jimmie Haskell – strings
Milt Holland – percussion
Larry Knechtel – keyboards
Jorge Milchberg – percussion, charango
Dorothy Morrison – vocals
Michael Omartian – keyboards
Joe Osborn – bass
Dean Parks – guitar
Carl Radle – bass
Jack Schroer – saxophone
St Mary’s Choir – vocals
Sally Stevens – vocals
Tommy Tedesco – bouzouki, mandolin
Jackie Ward Singers – vocals


Der Surroundmix:

Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und sage Folgendes: Art Garfunkels ANGEL CLARE ist der bester Quad-Mix, der jemals erstellt wurde. Ich bin begeistert! Die immense Spielfreude der Musiker und die reichhaltigen, fantasievollen Arrangements kommen in der quadrophonischen Abmischung unglaublich gut zur Geltung.

Zu Aller erst wird die allgemeine Soundqualität des Albums deutlich. Die langjährige CD-Stereoausgabe soll angeblich ziemlich schlimm geklungen haben. Doch diese mir vorliegende Surroundversion auf der SACD klingt für ein Album, das immerhin schon über 45 Jahre alt ist, überaus klar und sehr nuanciert. Lediglich die Bläser in I Shall Sing klingen etwas spitz, aber das war wohl so gewollt, die so aufzunehmen und abzumischen. Ansonsten klingt alles so, als wäre es von fähigen Leuten erst letzte Woche aufgenommen. Die Streicher klingen frisch und lassen die anderen Instrumente atmen und kleistern mit ihren Frequenzen nicht alles zu. Der Bass ist ausgewogen ausbalanciert und Art Garfunkels Stimme sehr klar. An keiner Stelle wird man sich zudem bewusst, dass der Center stumm bleibt.

Die Anordnung der Instrumente im Raum wurde ohne Rücksicht auf Verluste vollzogen. Jeder Lautsprecher ist gleich wichtig! Der Gesang ist, wie das bei Alben von Sängern nicht unüblich ist, sozusagen in der Raummitte zu finden und sehr präsent, jedoch ohne dass er die restlichen Instrumente überdeckt. Hintergrundgesang kommt weitestgehend von hinten und den Seiten. Ein Kinderchor im Stück Woyaya scheint dicht im Kreis um den Hörer aufgebaut worden zu sein.

Die Streicherpassagen werden ebenfalls im gesamten Raum verteilt, hinten sind meist Violinen angeordnet, während die tieferen Streicher dann weiter vorne zu finden sind. Man kann sie wirklich gut voneinander getrennt heraushören. Es ist keinen Streichermischmasch, der nur einen Streichersound erzeugen soll, sondern eigenständige Instrumente.

Ebenfalls begeistern kann die Anordnung der perkussiven Gerätschaften. Es gibt auf dem Album eine Menge an Percussions, die auch wieder fein getrennt von einander aus allen Richtungen erklingen und trotzdem eine Einheit bilden, vor allem was den Calypso-Song I Shall Sing angeht. Gitarren und Keyboards finden überall ihren Platz. Begleitende Akustikgitarren sind zumeist hinten zu hören, auch kurze Zwischenspiele auf E-Gitarren finden meist hinten ihren Platz, können aber auch leicht schwebend durch den Raum ziehen, wie bei Down in the Willow Garden.

Wertung: 99 %


Vorhandene Tonformate:
SACD DSD 5.1
SACD DSD 2.0
CD Audio

Album starten:

Die SACD lässt sich (sofern man dieses so eingestellt hat) automatisch mit dem 5.1 Mix starten.


Bonusmaterial:

Auf Bonus hat man hier verzichtet, es gibt lediglich im Booklet ein paar warme Worte.


Anspieltipp:

I Shall Sing


Fazit:

Der Mix ist für 1973 schlicht ein Weltwunder! Die Musik ist nicht jedermanns Sache, aber man sollte zumindest mal reinhören.

Pros / Cons:
+ Ein Quad-Mix, wie er seinesgleichen sucht
+ High Resolution (+ 1%)
+ Album lässt sich ohne TV-Hilfsmittel starten
– Verpackung im Jewel-Case sieht relativ billig aus, dafür kostet das Teil aber auch nicht so viel

 

GESAMTWERTUNG: 93 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

SACD: Die SACD ist vor einigen Monaten erst veröffentlicht worden und sollte noch ohne Probleme zu bekommen sein. Der Preis ist sehr fair und entspricht einer normalen CD-Veröffentlichung: 16 Euro.

Stand: 12.03.2019

 


Links:

Webseite von Art Garfunkel

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