The Rolling Stones – Black and Blue
Erscheinungsjahr 1976 | Blu-ray Disc / Streaming | Rock
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Mit BLACK AND BLUE befanden sich die Rolling Stones Mitte der 1970er-Jahre in einer Übergangsphase, die ihre Existenz als Band zeitweise infrage stellte. Nach dem kommerziellen und künstlerischen Höhepunkt der frühen Siebziger war das interne Gefüge angeschlagen: Drogenprobleme, kreative Spannungen und vor allem der überraschende Ausstieg von Mick Taylor im Dezember 1974 hinterließen eine Lücke, die nicht nur personell, sondern auch musikalisch gravierend war.
Taylor hatte seit 1969 maßgeblich zum Sound der Band beigetragen und prägte Alben wie STICKY FINGERS, EXILE ON MAIN ST. und GOATS HEAD SOUP entscheidend mit. Sein Abgang zwang die Stones, ihre Arbeitsweise grundlegend zu verändern. Anstatt einen festen Nachfolger zu präsentieren, begannen sie mit einer Reihe von Gitarren-Auditions, die sich direkt in den Aufnahmen zu BLACK AND BLUE widerspiegelten.
Die Aufnahmen erstreckten sich über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von mehr als 14 Monaten und fanden in mehreren europäischen Studios sowie in New York statt. Diese fragmentierte Produktionsweise war Ausdruck der unsicheren Situation innerhalb der Band, ermöglichte aber zugleich ein offenes, experimentelles Arbeiten. Mick Jagger und Keith Richards fungierten erneut als Produzenten unter dem Pseudonym „The Glimmer Twins“.
Formell markiert BLACK AND BLUE einen doppelten Einschnitt: Es ist das letzte Album, das noch im Schatten von Mick Taylors Ära entstand, und zugleich der Beginn der Ronnie-Wood-Zeit. Wood war während der Aufnahmen zunächst nur als Gast beteiligt, wurde aber kurz darauf offiziell Mitglied der Band und sollte den Sound der Stones für die kommenden Jahrzehnte prägen.
Zum 50. Geburtstag wurde BLACK AND BLUE mit einer Deluxe Box wiederveröffentlicht. Neben reichlich Bonusmaterial auf drei weiteren CDs enthält die Box eine Blu-ray. Auf dieser befindet sich ein Konzertvideo aus Paris und der Earls-Court-Mitschnitt, der auch auf den CDs enthalten ist. Abgerundet wird das Ganze mit einem Dolby Atmos Mix des Albums von Steven Wilson.
Etwas eigenartig ist die Tatsache, dass sowohl auf dem obligatorischen Aufkleber der Verpackungsfolie als auch in der Box selber nirgends ein Hinweis auf Dolby Atmos zu finden ist. Dort ist nur von einem neuen Stereo Mix die Rede. Dabei liegt nicht nur das Album in Atmos vor, sondern auch das Konzertvideo und der Auftritt in Earls Court. Die Live-Mitschnitte dürften aber nicht von Steven Wilson abgemischt worden sein.

Tracklist:
1 Hot Stuff – 5:21
2 Hand of Fate – 4:28
3 Cherry Oh Baby – 3:54
4 Memory Motel – 7:06
5 Hey Negrita – 4:59
6 Melody – 5:47
7 Fool to Cry – 5:03
8 Crazy Mama – 4:35
Gesamtdauer: 41:09
Musikalisch unterscheidet sich BLACK AND BLUE deutlich von den Stones-Alben der unmittelbaren Vorgängerjahre. Während frühere Werke stark von Bluesrock, Country-Elementen und ausgedehnten Gitarrenpassagen geprägt waren, rücken hier Groove, Rhythmus und Klangfarbe stärker in den Vordergrund. Reggae-, Funk- und Soul-Einflüsse sind nicht nur punktuell, sondern strukturell in den Songs verankert.
Diese Verschiebung zeigt sich auch in der Instrumentierung. Keyboards und Percussion erhalten mehr Raum, insbesondere durch den prägenden Beitrag von Billy Preston. Gitarren agieren weniger dominant und sind oft in den Dienst des Grooves gestellt, statt lange melodische Bögen oder ausgedehnte Soli zu entwickeln. Im Vergleich zu der melodischen Offenheit von EXILE ON MAIN ST. oder der Gitarrenarbeit auf STICKY FINGERS wirkt BLACK AND BLUE kompakter und rhythmisch fokussierter.
Es ist ein Album, welches rückblickend etwas ungewöhnlich für die Rolling Stones ist, aber vielleicht gerade deshalb neben STICKY FINGERS zu meinen favorisierten Stones-Alben zählt.
Wertung: 86 %
Besetzung:
Mick Jagger – lead vocals, backing vocals, percussion, piano, electric piano, electric guitar
Keith Richards – electric guitar, backing vocals, electric piano, bass guitar and piano
Ronnie Wood – electric guitar, backing vocals
Bill Wyman – bass guitar, percussion
Charlie Watts – drums , percussion
Billy Preston – piano, organ, ARP String Ensemble, percussion, backing vocals
Nicky Hopkins – organ, piano and string synthesiser
Harvey Mandel – electric guitar
Wayne Perkins – electric guitar, acoustic guitar
Ollie E. Brown – percussion
Ian Stewart – percussion
Arif Mardin – horn arrangement
Wenn Steven Wilson sich eines Albums der Rolling Stones annimmt, um es in Dolby Atmos neu abzumischen, braucht es nicht viel Fantasie, um zu vermuten, dass hier einer der bislang überzeugendsten Atmos-Mixe der Band entstehen könnte. Genau das ist bei BLACK AND BLUE auch der Fall.
Das Album ist mit Abstand der räumlichste Atmos-Mix eines Stones-Albums bisher. Wie für Wilsons Arbeitsweise typisch, wird der Raum konsequent und vielfältig genutzt. Gleichzeitig folgt der Mix keinem starren oder vorhersehbaren Schema. Gitarren sind in einem Stück vorrangig vorne platziert, tauchen im nächsten überwiegend im hinteren Bereich auf. Gleiches gilt für die Tasteninstrumente. Klavier erscheint mal im vorderen, mal im hinteren Raum. Das E-Piano ist bei Memory Motel deutlich hinten rechts verortet, während es bei Fool to Cry vorne links positioniert wird. Diese wechselnde Platzierung sorgt für Abwechslung und passt gut zum Charakter des Albums, das sich stilistisch ohnehin deutlich vom klassischen Stones-Sound entfernt und mit unterschiedlichen musikalischen Ansätzen arbeitet.
Auch die Höhenkanäle werden sehr intensiv genutzt. Percussion-Elemente und Teile des Schlagzeugs sind immer wieder erhöht positioniert, ebenso der Gesang. Insgesamt entsteht häufig der Eindruck, dass Mick Jaggers Stimme leicht über der üblichen Hörposition angesiedelt ist, fast so, als würde er dauerhaft vor dem Hörer stehen, während man selbst sitzt. In einzelnen Momenten wird der Gesang noch deutlicher nach oben gezogen, etwa in der zweiten Hälfte von Hot Stuff. Auch bei Melody setzt der Gesang später sehr hoch an, was ausgesprochen stimmig wirkt. Der Hintergrundgesang ist zudem breit im Raum verteilt und ebenfalls überwiegend erhöht positioniert.

Klanglich hinterlässt der Atmos-Mix einen sehr überzeugenden Eindruck. Alles ist klar voneinander getrennt, fein aufgelöst und ausgesprochen plastisch dargestellt. Die räumliche Abbildung ist so präzise, dass man beinahe den Eindruck hat, die Instrumente greifen zu können. Zudem treten Details hervor, die zuvor kaum wahrnehmbar waren. Dass im letzten Stück fast poppig wirkende Synthesizer-Basslinien enthalten sind, ist mir in früheren Versionen beispielsweise nie aufgefallen. Trotz der starken räumlichen Auflösung bleibt das Gesamtbild jedoch jederzeit geschlossen. Im Atmos-Mix von BLACK AND BLUE hört man stets eine Band als Einheit, nichts wirkt zerfallen oder künstlich auseinandergezogen.
Im Vergleich zum Atmos Mix fällt die herkömmliche Abmischung in 5.1 etwas ab. Wilson hat hier zwar auch für die übliche diskrete Verteilung gesorgt, die Abmischung in Atmos hinterlässt aber einen deutlich beeindruckenderen Eindruck.
Wertung: 97 %
Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 2.0
Durch Drücken der Enter-Taste erklingt das Album direkt in Dolby Atmos
Die Deluxe-Edition enthält ein dickes Buch mit vielen Fotos und Texten zur Albumentstehung. Auf der zweiten CDs gibt es Non-Album-Tracks und Jams (unter anderem mit Jeff Beck). Das Earls Court Konzert befindet sich auf den beiden anderen CDs und auf der Blu-ray. Toll, dass es auf der Blu-ray ebenfalls in Dolby Atmos vorliegt. Auch das Konzertvideo aus Paris wurde in Dolby Atmos abgemischt.
Aufwertung: 3 %
Anspieltipp:
Memory Motel, Cherry Oh Baby
Wer immer das im Stones-Umfeld war, der entschieden hat, dass ein Album von Wilson in Dolby Atmos abgemischt werden sollte, der verdient eine Gehaltserhöhung!
Pros / Cons:
+ Sehr guter Mix in Dolby Atmos von Steven Wilson
+ High Resolution (+1 %)
+ viel Bonusmaterial, auch in Atmos (+3 %)
+ muss nicht im Menü umständlich auf Atmos umgestellt werden
GESAMTWERTUNG: 98%
Erläuterungen zur Bewertung
Deluxe Edition: Die Deluxe Edition gibt es für knapp über 100 Euro zu kaufen.
Streaming: Den Dolby Atmos Mix gibt es auch im Streaming bei Apple Music, Amazon Unlimited und Tidal zu hören.
Stand: 06.02.2026
Links:
Offizielle Webseite von Rolling Stones