Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase.


Erscheinungsjahr 2015 | Blu-ray Disc | Progressive Rock

Springen zu:  Musik  |  Surroundmix  |  Albumstart  |  Bonusmaterial  |  Fazit  |  Verfügbarkeit

Es ist wenig verwunderlich, dass das vierte Soloalbum des ehemaligen Porcupine Tree Kopfes Steven Wilson neben der Stereofassung auch in 5.1 veröffentlicht wurde. Wilson hält, was Surroundmixe von Klassikern angeht, in den letzten Jahren die Fahne hoch. Ihm ist es zu verdanken, dass man mittlerweile vieles von King Crimson, Jethro Tull, Yes, XTC und so weiter in Surround Sound genießen kann. Zwischendurch hat er immer mal Zeit, auch eigene Musik zu machen.

HAND. CANNOT. ERASE. erschien im Februar 2015 und kletterte in Deutschland bis auf Platz 3. Es ist der Nachfolger des von vielen Fans stark abgefeierten Albums The Raven That Refused To Sing, welches zwei Jahre zuvor veröffentlicht wurde und ein typisches Progressive Rock Album alter Schule ist. Mit HAND. CANNOT. ERASE. dagegen brachte Steven Wilson seinem Klangkosmos ein wenig den Sound der Neuzeit bei. Dieses klingt elektronischer und moderner. Als Mitstreiter versammelte Wilson wieder die Musiker, die auf dem Vorgänger mitgewirkt hatten. Zudem überraschte er mit einer Gastsängerin aus Israel, Ninet Tayeb, die auf zweien der Songs ihre Stimme lieh.

Veröffentlicht wurde der Surround Mix von HAND. CANNOT. ERASE. zum einen als teure Deluxe Version mit Buch, die schnell ausverkauft war und zum anderen als Stand-Alone Blu-ray Variante in typischer Blu-ray-Hülle (siehe Foto).


Tracklist:

 1  First Regret – 2:01
2 3 Years Older – 10:18
3 Hand Cannot Erase – 4:17
4 Perfect Life – 4:46
5 Routine – 8:58
6 Home Invasion – 6:24
7 Regret #9 – 5:00
8 Transience – 2:43
9 Ancestral – 13:30
10 Happy Returns – 6:00
11 Ascendant Here On… – 1:54

Gesamtdauer: 65:44


Die Musik:

Das Album könnte man als Konzeptalbum bezeichnen, da es von einer Geschichte inspiriert ist, die vor einigen Jahren in England passiert ist. Im Januar 2006 wurde in London die Leiche einer jungen Frau gefunden, die über zwei Jahre tot in ihrer Wohnung lag. Sie hatte Familie und Freunde und doch schien sie niemand vermisst zu haben. So handelt auch das Album von einer Frau und ihrem Leben und dem Tod in ihrer Wohnung, wobei nicht eindeutig ist, ob wirklich alle der Songtexte zu dieser Geschichte gehören.

Musikalisch ist das Album eingängiger und vielfältiger, als es der Vorgänger war. Der Sound ist moderner und Wilson macht auch nicht halt vor elektronischen Spielereien. Hier und da erkennt man Wilson Verneigung vor Kate Bush. Neben Drumcomputer und Synthesizern tauchen an einigen Stellen wieder brachiale Gitarrenwände mit längeren Instrumentaldarbietungen auf. Mit dem Titelstück hat es Steven Wilson zudem geschafft, einen sehr eingängigen Popsong zu kreieren.

Wertung: 85 %


Besetzung:

  Steven Wilson – lead vocals, mellotron, keyboards, guitars, bass, banjo , hammered dulcimer, programming, shaker, effects
Guthrie Govan – guitar, lead guitar
Nick Beggs – bass, Chapman Stick, backing vocals
Adam Holzman – piano, Hammond organ, celesta, Fender Rhodes, Wurlitzer, Moog Voyager synthesizer
Marco Minnemann – drums
Dave Gregory – guitars
Chad Wackerman – drums
Ninet Tayeb – vocals
Theo Travis – flute and baritone saxophone
Katherine Begley – spoken word
Leo Blair – solo vocal
Schola Cantorum of the Cardinal Vaughan Memorial School – choir
London Session Orchestra – strings


Der Surroundmix:

Bei den Klassikern aus den 70ern, die Steven Wilson gerne mal in 5.1 abmischt, ist der Klang der analogen Aufnahmen naturgemäß immer ein wenig angestaubt. Seine eigenen Alben zeigen, was Wilson mit kristallklarem Sound anstellen kann. Es lassen sich alle Nuancen, die im Studio aufgenommen wurden heraushören.

Interessant ist – und das ist mir schon öfter bei Surroundmixen aus dem Hause Wilson aufgefallen – dass Steven Wilson sich anscheinend immer etwas warm mixen muss. Auch auf HAND. CANNOT. ERASE. habe ich dieses Gefühl. Die ersten beiden Stücke scheinen mir ein wenig auf Sparflamme im Raumklang zu sein, man hat den Eindruck, dass da etwas mehr gegangen wäre. Zwar hört man in First Regret links und rechts dezente Synthesizer und zudem diverse Hintergrundgeräusche aufpoppen, sowie im späteren Verlauf ein Klavier, aber es haut einen nicht vom Hocker. Etwas negativ fällt mir der Schlagzeugsound im zweiten Stück 3 Years Older auf, dieser klingt nämlich merkwürdig steril und kalt.

Das Titelstück fängt anschließend frontal an mit einem dünnen schnellen Schlagzeugbeat, der aus einem kleinen Bluetoothlautsprecher zu stammen scheint. Doch bald gesellen sich im kompletten Raum die restlichen Instrumente dazu und alles wird sehr viel druckvoller. Ab hier entfaltet sich der Surroundmix des Albums zu einem Referenzmix, der aufzeigt, wie gut ein Album in 5.1 klingen kann.

Vor allem die elektronischen Spielereien lassen das Album sehr atmosphärisch wirken. Perfect Life, dass wie eine Mischung aus Peter Gabriel zu Up-Zeiten und Björk klingt, ist für mich am eindrucksvollsten, wenn immer wieder diverse Sounds um den Hörer aufpoppen und der Song mit zunehmender Dauer voluminöser wird.

Steven Wilson macht keine Unterschiede, wo welcher Lautsprecher steht. Zwar kommen Lead Vocals, Bass und Schlagzeug wie üblich weitestgehend von vorne oder zentral, die restlichen Instrumente und Klangfarben werden aber überall im Raum verteilt, sodass man einen Mix zu hören bekommt, bei dem man bei jedem neuen Hördurchgang was Neues entdecken kann.

Wertung: 97 %


Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 5.1
LPCM 96/24 2.0
 

Album starten:

Einfach die Enter Taste drücken, sobald das Menü geladen hat.


Bonusmaterial:

Die einzelne Blu-ray bietet eine kurzweilige halbstündige Dokumentation zu den Albumaufnahmen (keine Untertitel), sowie eine Reihe an alternativen Mixen der Songs (in Stereo). Das komplette Album kann man auch als Instrumental-Version hören.

Aufwertung: + 1,5 %


Anspieltipp:

Perfect Life


Fazit:

Wo Steven Wilson steht ist auch Steven Wilson drin. Fantastischer Mix und auch musikalisch bietet das Album viel Abwechslung.

Pros / Cons:
+ sehr gute Abmischung
+ High Resolution (+1 %)
+ Album startet ohne Stolperfallen im Menü
+ Doku und weitere alternative Versionen als Extras (+ 1,5 %)
+ Inklusive Download-Code

GESAMTWERTUNG: 96 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Blu-ray: Ist noch ohne Probleme zu bekommen und kostet nicht mehr als eine CD. Gelegentlich ist sie auch für unter 12 Euro zu finden.

Stand: 10.02.2019


Links:

Offizielle Seite von Steven Wilson

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.