Pink Floyd – A Momentary Lapse Of Reason


Erscheinungsjahr 1987 / 2019 | Blu-ray / DVD | Progressive Rock

Springen zu:  Musik  |  Surroundmix  |  Albumstart  |  Bonusmaterial  |  Fazit  |  Verfügbarkeit

2019 erschien das dicke und teure Boxset THE LATER YEARS von Pink Floyd, welches Material der Band nach Roger Waters Ausstieg enthält. Mit dabei war ein neuer Surroundmix des Albums A MOMENTARY LAPSE OF REASON, welches 1987 erschienen ist. Es hat nun zwei Jahre gedauert, dass dieser Mix in einer (deutlich günstigeren) Einzelveröffentlichung das Licht der Welt erblickte.

Roger Waters erklärte Mitte der 80er nach dem letzten Album THE FINAL CUT Pink Floyd für aufgelöst, sehr zum Missfallen der übrigen Bandmitglieder, die das Ende der Band noch lange nicht für gekommen sahen. Das entwickelte sich zu einem heftigen Rechtsstreit. Letztendlich konnte neue Musik unter dem Label Pink Floyd veröffentlicht werden. Übrig geblieben waren eigentlich nur noch Gitarrist David Gilmour und Schlagzeuger Nick Mason. Keyboarder Rick Wright hatte die Band bereits nach THE WALL verlassen. Letzterer war aber auf dem neuen Album wieder zu hören, wollte aber nur als Gastmusiker aufgeführt werden. Seine Parts halten sich auf dem Album in Grenzen, da das meiste bereits eingespielt war.

Auch Nick Mason konnte dem Album wenig beisteuern, sodass es sich bei dem Werk eigentlich streng genommen um ein Soloalbum David Gilmours handelt, welches unter dem Namen Pink Floyd vertrieben wurde. Mason sah sich außerstande, die Schlagzeugparts einzuspielen, da er zuletzt wenig gespielt hatte. Die meisten Drums wurden von Jim Keltner eingespielt, Nick Mason konzentrierte sich stattdessen mehr um die Produktion und Sound Effects, etwas, womit er auch schon früher viel zu tun hatte.

Im Vergleich zu dem 1987 erschienen Album unterscheidet sich die Neuveröffentlichung von 2019 in einigen Teilen. Denn 32 Jahre später entschied sich Nick Mason dazu, die Drums neu einzuspielen, um dem Album mehr den Bandgeist von Pink Floyd geben zu können. Zusätzlich dazu wurden auch eingespielte Keyboards von Rick Wright prominenter im Mix verteilt, sodass A MOMENTARY LAPSE OF REASON nun so klingt, wie es eigentlich schon 1987 hätte klingen sollen. In den Credits der beteiligten Musiker fehlt nun der Name von Jim Keltner, da er de facto auf dem neuen Mix nicht mehr zu hören ist.

Erschienen ist der neue Mix nun in zwei Ausführungen, einmal als Blu-ray-Variante und einmal mit einer DVD. In einer kleinen Pappschachtel ist noch ein kleines Booklet und eine CD-Version des Albums enthalten. Die Kosten belaufen sich auf jeweils deutlich über 40 Euro, was das Ganze immer noch nicht wirklich günstig macht. Ich entschied mich für die DVD-Version, da es diese kurzfristig für knapp über 30 Euro gab. Im Vergleich zur Originalausgabe von 1987, zeigt diese neue ein alternatives Covermotiv.

Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason Surround


Tracklist:

1 Signs of Life – 4:24
2 Learning to Fly – 4:53
3 The Dogs of War – 6:05
4 One Slip – 5:10
5 On the Turning Away – 5:42
6 Yet Another Movie – 6:18
7 Round and Around – 1:10
8 A New Machine (Part 1)– 1:46
9 Terminal Frost – 6:17
10 A New Machine (Part 2) – 0:38
11 Sorrow – 8:46

Gesamtdauer: 51:09


Die Musik:

A MOMENTARY LAPSE OF REASON wurde von Kritikern vorgeworfen, dass es wie eine auf Hochglanz polierte typische 80er-Jahre Produktion klinge. Das mag eigentlich wenig überraschen, denn Pink Floyd klangen auch in den 70ern hochmodern, waren das Nonplusultra, was aktuelle Studiotechnik angeht. Warum sollten sie in den 80ern dann einen Rückschritt machen und weiterhin wie in den 70ern klingen?

Den Fans gefiel, dass die Band wieder einen sphärischen Sound fand, wie sie ihn Mitte der 70er praktizierte und sich von dem theatralischen Bombastsound des letzten Studioalbums mit Roger Waters THE FINAL CUT distanzierte, welches bei den Fans weniger gut ankam. Was dem Album aber etwas weniger zu Gute kommt, ist das durchschnittliche Songmaterial, welches gegen die großen Stücke aus den 70ern nicht bestehen kann.

Was die Neueinspielung von Nick Mason angeht, fällt die eigentlich gar nicht mal so groß auf. Es ist kein völlig anderes Album geworden, das meiste klingt immer noch so, wie es auch schon 1987 geklungen hat. Um die Unterschiede herauszuhören, muss man schon genau hinhören. Letztendlich ist dies auch eine Gratwanderung, denn viele Fans mögen es nicht, wenn ein Album nach vielen Jahren plötzlich ganz anders klingt.

Wertung: 75 %


Besetzung:


David Gilmour – vocals, guitars, keyboards, drum machine, sequencers
Nick Mason – electronic and acoustic drums, sound effects, spoken vocals
Richard Wright – piano, Kurzweil, Hammond organ, backing vocals

Bob Ezrin – keyboards, percussion, sequencers
Jon Carin – keyboards
Patrick Leonard – synthesizers
Bill Payne – Hammond organ
Michael Landau – guitar
Tony Levin – bass guitar, Chapman Stick
Steve Forman – percussion
Tom Scott – alto saxophone, soprano saxophone
John Helliwell – saxophone
Scott Page – tenor saxophone
Darlene Koldenhoven – backing vocals
Carmen Twillie – backing vocals
Phyllis St. James – backing vocals
Donnie Gerrard – backing vocals


Der Surroundmix:

Was den Gesamtsound angeht, wurde in der neuen Abmischung von A MOMENTARY LAPSE OF REASON einiges an 80er-Jahre Hall entfernt. Allerdings hätte man vor allem im Surround noch etwas mehr Hall rausnehmen können. Meistermischer Steven Wilson sagte mal in einem Interview, dass Hall in Surroundabmischungen problematisch ist und er im Vergleich zur Stereoabmischung weniger hinzufügt, um die Musik transparenter klingen zu lassen. Andy Jackson, der zusammen mit David Gilmour den Remix angefertigt hat, hat es wohl nicht so getan und die Hallanteile gleich gelassen. Es gibt Stellen auf dem Album, in denen das dem Album nicht wirklich zugutekommt und etwas die Brillanz fehlt. Vor allem Terminal Frost trieft noch regelrecht in der Reverb-Suppe.

Das neue Schlagzeug von Nick Mason fügt sich nahtlos in die Musik ein. Wie bereits erwähnt, es klingt nicht viel anders als das, was Jim Keltner damals eingespielt hat. Hier und da sind ein paar Pattern anders, auch vom Klang her klingt es wie in den 80ern aufgenommen. Auch hier hätte ich mir etwas mehr Brillianz gewünscht.

Ich bilde mir ein, dass man die Parts von Rick Wright zumeist hinten rechts im Mix heraushören kann. Hier gibt es relativ häufig Einsätze von Orgel und Klavier. Ob er alles davon damals eingespielt hat, weiß ich nicht, aber das wären laut Booklet seine Hauptinstrumente gewesen. Diese sind im Vergleich zum Originalmix nun deutlicher herauszuhören, dagegen sind die technischen Sequenzer und Synthesizer-Parts etwas dezenter im Mix platziert. Diese sind recht häufig im gesamten Raum zu hören. Vor allem Flächensounds breiten sich wie ein Teppich im gesamten Hörraum aus.

Im großen Ganzen macht der Surroundmix sehr viel Spaß und ist weitestgehend diskret aufgebaut. Neben den Keyboards hört man hinter und neben dem Hörplatz auch gelegentlich Gitarren, Chöre und die vielen Effektsounds, für die Nick Mason verantwortlich war. Highlight dürfte da vor allem der Anfang des Albums sein, wenn ein unbekannter Ruderer sich seinen Weg durch ein Gewässer bahnt und langsam Synthesizer vorne und hinten einsetzen. Auch Sorrow gehört zu den Highlights in der Abmischung. Hier ist das Gitarrensolo Fixpunkt im Stück, sodass es im Surroundmix sehr präsent in die hintere Raumhälfte platziert wird.

Wertung: 93 %


Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master Audio 96/24 5.1 (Blu-ray)
PCM 96/24 5.1 (Blu-ray)
PCM 96/24 Stereo (Blu-ray)
DTS 48/16 5.1 (DVD)
Dolby Digital 5.1 (DVD)
PCM 48/16 Stereo (DVD)

Album starten:

Das Menü auf der DVD ist die reinste Katastrophe! Wie es auf der Blu-ray ist kann ich nicht beurteilen, aber ich vermute, dass es da ähnlich ist. Ist die DVD im Player, bewirkt ein Bestätigen mit der Enter-Taste, dass alles auf der Disc absgespielt wird. Will man nur das Album in Surround hören, muss man zunächst zum „Audio only“-Inhalt navigieren und dort den entsprechenden Eintrag zum Album finden, sprich, den ersten Song Signs Of Life. Allerdings erklingt das Album dann in Stereo. Zumindest kann man über die Audiotaste auf Surround umstellen.

Der Weg zum Album: RIGHT > RIGHT > ENTER > RIGHT > ENTER > AUDIO-Taste

Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason DVD Menu

RIGHT > RIGHT > ENTER

Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason DVD Menu

RIGHT > ENTER > AUDIO

Will man bereits vorher über das Menü auf DTS umstellen, muss man zunächst ins Audio-Menü, dort auf Surround umschalten, entern und nochmal entern, um wieder ins Hauptmenü zu kommen. Zumindest kann man im Hauptmenü den Weg zum Audiomenü über ein „nach links“ abkürzen.

Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason DVD Menu

DOWN > ENTER > ENTER

Der Weg zu DTS und zum Album: LEFT > ENTER > DOWN > ENTER > ENTER > LEFT > ENTER > RIGHT > ENTER

Abwertung: – 4 %


Bonusmaterial:

Auf der DVD gibt es noch das Video zu Learning to Fly, eine Alternativ-Version dazu, drei Screenvideos, die auf den Konzerten auf der runden Mattscheibe über der Bühne spielten, sowie ein kurzes Interview mit David Gilmour und Storm Thorgerson. Außerdem gibt es ein kleines Video, welches das Cover Shooting dokumentiert. Im Zeitalter vor Photoshop wurden hunderte von Betten am Strand aufgestellt. Das sah da genauso aus, wie auf dem Cover. Kein Composing! Abgerundet wird der Inhalt auf der Scheibe mit drei Live-Tracks aus Atlanta aus dem Jahr 1987. Außerdem in der Box enthalten ist ein Booklet und ein paar Aufkleber in einem Umschlag.

Pink Floyd A Momentary Lapse Of Reason Surround

Aufwertung: +2 %


Anspieltipp:

Signs of Life, Sorrow


Fazit:

Sehr guter Mix, aber wegen des 80er-Jahre Halls nicht immer sehr transparent.

Pros / Cons:
+ sehr guter, zumeist diskreter Surroundmix
+ Bonusmaterial (+ 2%)
+ High Res auf der Blu-ray-Ausgabe (+1%)
– Das Menü ist eine Katastrophe (- 4%)
– Klanglich wäre im Mix mehr gegangen

 

GESAMTWERTUNG: 86 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Deluxe Edition mit DVD oder Blu-ray: Die Deluxe Ausgabe gibt es sowohl als DVD Variante, als auch Blu-ray Version. Kosten beide über 40 Euro, die DVD-Version ist zumeist ein paar Euro günstiger.

Boxset „The Later Years“: Das dicke Boxset „The Later Years“, welches die Jahre von 1987-2019 der Geschichte von Pink Floyd verarbeitet, ist mitlerweile nur noch zu überteuerten Preisen jenseits 600 Euro zu bekommen.

Stand: 08.01.2022


Links:

Offizielle Webseite von Pink Floyd

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.