Genesis – Trespass


Erscheinungsjahr 1970 | SACD + DVD | Progressive Rock

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Wieder gibt es einen runden Geburtstag zu feiern. Vor ziemlich genau 50 Jahren ist das zweite Studioalbum von Genesis erschienen. TRESPASS bedeutete einen riesigen Schritt weit weg von dem Debütalbum der jungen Band, als man noch unter den Fittichen des Produzenten Jonathan King war und nach seinen Vorstellungen Popmusik im Sixties-Flair und reichlich Streicherkleister machen musste.

Aus dem Knebelvertrag kam die Band heraus, weil die Internatsschüler bei der Unterzeichnung noch minderjährig waren. Jetzt ohne Plattenvertrag schien es zunächst so, als wäre das Rockbanddasein nur ein kleines Abenteuer gewesen. Tony Banks begann sogar schon zu studieren. Doch vor allem Anthony Phillips und Mike Rutherford wollten unbedingt weitermachen. So traf man sich als Band wieder zusammen und ließ sich vor allem vom ersten Album von King Crimson inspirieren, welches 1969 erschienen ist. Man gab schließlich erste Konzerte und irgendwann war ein Mann von Charisma Records im Publikum, der bei der Band Potential sah.

TRESPASS sollte das letzte Album in dieser Besetzung werden. Unmittelbar nach den Aufnahmen verließ Anthony Phillips die Band, da er sich wegen immer größeren Lampenfiebers außerstande sah, Konzerte zu geben. Für den Rest ein Schock, denn Phillips war damals die musikalisch treibende Kraft, und das obwohl er das mit Abstand jüngste Mitglied dieser Teenieband war. Auch Schlagzeuger John Mayhew musste gehen, mit dem die Band nicht wirklich zufrieden war und der sich auch nicht kreativ am Schreibprozess beteiligte. Sein Nachfolger wurde Phil Collins, der noch vor der Veröffentlichung von TRESPASS Mitglied bei Genesis wurde. Kurze Zeit später kam mit Steve Hackett der Ersatz für Anthony Phillips. Auf dem Cover der Single zu The Knife waren beide zu sehen, obwohl sie auf der Platte gar nicht zu hören waren. Die sogenannte klassische Besetzung von Genesis war geboren.

In den heimischen Charts konnte sich TRESPASS nicht platzieren. Völlig überraschend kam das Album wenig später in Belgien auf Platz 1, was Genesis die ersten Livekonzerte im Ausland ermöglichte. Damals konnte eigentlich nur eine wohlwollende Radiosendung mit entsprechendem Airplay für den plötzlichen Erfolg sorgen.

Genesis Trespass 5.1 Surround SACD


Tracklist:

1 Looking for Someone – 7:08
2 White Mountain – 6:43
3 Visions of Angels – 6:53
4 Stagnation – 8:49
5 Dusk – 4:14
6 The Knife – 8:56

Gesamtdauer: 42:56


Die Musik:

TRESPASS gilt als das erste Progressive Rock Album der Band. Die Songs wurden merklich länger (nur sechs Titel sind auf dem Album enthalten) und haben alle längere Instrumentalpassagen. Es ist erstaunlich, wie die Band ihren Sound innerhalb weniger Monate komplett umkrempelte. Lediglich der etwas zu lieblich geratene Hintergrundgesang der restlichen Bandmitglieder, den es schon auf dem ersten Album gab, überlebte diese Radikalkur. Auf dem nächsten Album war dieser auch nicht mehr zu hören.

Kern der meisten Songs auf TRESPASS waren die akustischen 12-saitigen Gitarren. Phillips und Rutherford haben diesen Sound über die letzten Monate entwickelt, gelegentlich unterstütze sie Tony Banks auf einer weiteren Gitarre. So ist auf dem Album noch eine gewisse Nähe zum Folk-Rock spürbar. Vieles beginnt ruhig und wird dann mit zunehmender Dauer opulenter und rockiger, ohne aber wirklich aggressiv zu werden. Doch TRESPASS ist ein perfektes Beispiel wie man die Dramaturgie einer ganzen Platte konzipieren kann. Denn während man in den ersten fünf Stücken regelrecht eingelullt wird, kommt mit dem letzten Stück der Vorschlaghammer in seiner ganzen Wucht.

The Knife heißt das letzte Stück und dürfte das härteste Stück Musik sein, dass Genesis je eingespielt haben. Hier dominieren verzerrte E-Gitarren und schwere Riffs, die sich meilenweit von dem romantischem 12-String-Sound der anderen Stücke unterscheiden. Ich glaube, es dürfte einer der ersten Songs sein, wenn nicht gar der erste, der die typischen Maschinengewehr-artigen Gitarrenriffs hat, die in den nächsten Jahrzehnten fast bei jedem Heavy Metal Stück zu hören waren. Ein Song der übrigens aus der Feder von Banks und Gabriel stammen soll, obwohl zu Schulzeiten eher Phillips und Rutherford die Rocker waren.

Wertung: 89 %


Besetzung:

  Peter Gabriel – lead vocals, flute, accordion, tambourine, bass drum
Anthony Phillips – acoustic 12-string guitar, lead electric guitar, dulcimer, vocals
Tony Banks – Hammond organ, piano, Mellotron, acoustic 12-string guitar, vocals
Mike Rutherford – acoustic 12-string guitar, electric bass guitar, nylon guitar, cello, vocals
John Mayhew – drums, percussion, vocals


Der Surroundmix:

Den Surroundmix hat wieder Nick Davis erstellt unter Beaufsichtigung von Tony Banks. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass Nick Davis die Abmischung von TRESPASS als schwierig empfunden hat, da das Album nur auf einem Acht-Spur-Gerät aufgenommen wurde. Andere Quellen behaupten aber, dass man hier bereits mit 16 gearbeitet hat. Sei‘s drum, mein Höreindruck sagt mir, dass der 5.1-Mix von TRESPASS der diskreteste aller Genesis-Surroundmixe sein dürfte.

Es mag daran liegen, dass es hier viele Stellen mit den 12-Saitern gibt, die alle eine Ecke im Raum bekommen und man somit aus allen Richtungen beschallt wird. Zusätzlich dazu kommen irgendwann noch Keyboards von Tony Banks und/oder die Flöte von Peter Gabriel hinzu, die auch gerne mal in die hinteren Kanäle gemischt werden.

Dass Anthony Phillips damals die treibende Kraft war, kann man an dem Surroundmix ganz gut heraushören, da er doch sehr viel Platz mit seinen Instrumenten einnimmt und Tony Banks mit seinen Keyboards noch nicht so eine Vormachtstellung inne hat, wie auf späteren Alben. Was in Stereo nur wenig herauszuhören ist, ist dass die Gitarrensoli gedoppelt sind und vorne, wie auch hinten zu hören sind, mit jeweils leicht unterschiedlichen Melodien.

Orgelakkorde schwappen meist von hinten in den Raum ein. Das Klavier kommt recht häufig hinten rechts zum Einsatz. Peter Gabriels Flötenspiel ist im Verlauf des Albums gefühlt mal überall zu hören. John Mayhews Schlagzeugspiel besteht aus überdurchschnittlich vielem Einsatz der Toms. Nick Davis hat sein Schlagzeug daher oft über das gesamte Stereopanorama vorne und manchmal sogar darüber hinaus gelegt, sodass es sehr weiträumig klingt.

Effekte mit kreisenden Sounds bietet TRESPASS auch. So gibt es im zweiten Song White Mountain gegen Ende eine ruhige Stelle mit Orgel, während Gabriel eine Melodie pfeift. Hier schweben beide Sounds durch den Raum. Das wurde auch schon im Stereomix von links nach rechts hin und her gedreht, in Surround wirkt dies aber um einiges interessanter. In The Knife gibt es zudem verzerrten Gesang, kurz bevor das große Finale beginnt. Auch hier dreht sich die Stimme im Kreis und es kommen weitere Stimmfetzen aus allen Richtungen hinzu. Generell muss gesagt werden, dass Gabriels Gesang nicht immer nur im Center klebt, sondern auch manchmal aus den Rears effektvoll in das Ohr des Hörers singt, wie zum Beispiel im Song Stagnation.

Soundtechnisch merkt man dem Album die 50 Jahre an. Vermutlich hat man damals auch nicht das beste Studioequipment an einer völlig unbekannten Band opfern wollen. Nichtsdestotrotz, TRESPASS hat nie besser geklungen.

Wertung: 98 %


Vorhandene Tonformate:
SACD DSD 5.1
SACD DSD 2.0
CD Audio
DTS 5.1  (96 kHz / 24 bit)
Dolby Digital 5.1

Album starten:

Die SACD lässt sich (sofern man ein SACD kompatibles Gerät hat und dieses so eingestellt hat) automatisch mit dem 5.1 Mix starten. Wer keinen SACD Player sein eigen nennt, kann den Surround-Mix auch von der DVD hören, der da in Dolly Digital und DTS 96/24 vorliegt. Großer Pluspunkt: Das Menü ist so konzipiert, dass man lediglich zweimal Enter drücken muss, um das Album in DTS hören zu können.

 


Bonusmaterial:

Auf der DVD befindet sich neben dem Surroundmix noch ein Interview mit den Bandmitgliedern zur Entstehung des Album. Dieses ist mit über 40 minuten in etwa so lang wie auch das Album. Das ist alles, was es an Bonuscontent gibt. Historische Filmaufnahmen dieser Besetzung gibt es offiziell keine, obwohl es Gerüchte darüber gibt, dass jemand ein Festival gefilmt hat, auf dem neben David Bowie auch Genesis aufgetreten ist.

Aufwertung: +1 %


Anspieltipp:

The Knife


Fazit:

Für viele das eigentlich erste Album von Genesis. Hier zeigt sich bereits eindrucksvoll, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen sollte. Klanglich und vom Surround Sound top.

Pros / Cons:
+ sehr guter Surroundmix für ein 50 Jahre altes Album
+ High Resolution (+ 1%)
+ Album lässt sich blind starten
+ Bonusmaterial auf der DVD (+ 1%)

 

 

GESAMTWERTUNG: 97 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

SACD / DVD: Der 2008 erschienene 5.1 Mix ist Out of Print und nur noch für Preise jenseits von ca. 50 Euro (gebraucht!) zu bekommen. Die grüne Box mit allen Alben von 1970-1975 kostet gar 400 € und mehr.

Stand: 17.11.2020

 


Links:

It – Genesis Fanclub

 

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