Frankie Goes to Hollywood – Welcome to The Pleasuredome


Erscheinungsjahr: 1984 | Blu-ray / Streaming | Pop

Eine Dolby Atmos Streaming Review

Als WELCOME TO THE PLEASUREDOME im Oktober 1984 erschien, hatten Frankie Goes to Hollywood bereits erreicht, wovon die meisten Bands nur träumen konnten. Mit Relax und Two Tribes standen bereits zwei Nummer-1-Hits zu Buche, begleitet von massiver Medienpräsenz, kontroversen Diskussionen und einer Marketingkampagne, die das von Trevor Horn und Paul Morley geführte Label ZTT meisterhaft orchestrierte. Das Debütalbum erschien daher nicht als unbekannter Erstling, sondern als eines der meist erwarteten Pop-Alben des Jahres.

Entdeckt worden war die Band um Sänger Holly Johnson ein Jahr zuvor von Trevor Horn, nachdem Frankie Goes to Hollywood ihren späteren Hit Relax in der Fernsehsendung The Tube präsentiert hatten. Horn nahm die Gruppe umgehend unter Vertrag und machte sie zum Aushängeschild seines Labels. Der Erfolg von Relax, das trotz eines BBC-Sendeverbots zum Millionenhit wurde, und der Nachfolgesingle Two Tribes sorgten dafür, dass WELCOME TO THE PLEASUREDOME bereits vor seiner Veröffentlichung mehr als eine Million Vorbestellungen verzeichnete und direkt Platz 1 der britischen Charts erreichte.

Gleichzeitig verkörpert das Album wie kaum ein anderes Werk seiner Zeit den Produktionsmaximalismus der 80er-Jahre. Trevor Horn investierte enorme Mengen an Zeit und Studioressourcen in die Aufnahmen und nutzte die damals modernste Technik, darunter den Fairlight, Sequencer und zahllose Overdubs. Besonders der über 13 Minuten lange Titeltrack entwickelte sich zu einer Mammutproduktion, an der über Monate gearbeitet wurde. Das Ergebnis ist ein opulent ausgestattetes Doppelalbum, das Synth-Pop, Rock, Disco, Soundeffekte, Spoken-Word-Passagen und aufwendige Studioproduktion zu einem ebenso ambitionierten wie kontrovers diskutierten Gesamtwerk verbindet.

Fast die Hälfte der Laufzeit besteht aus Übergängen, Soundcollagen, Intros, Outros und teils recht experimentellen Passagen. Dadurch erinnert die Struktur stellenweise fast eher an ein Konzeptalbum von Art-Pop- oder Prog-Bands als an ein typisches Mainstream-Popalbum der 1980er-Jahre. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass kein Geringerer als Steven Wilson beim Erstellen des Atmos-Mixes seine Finger im Spiel hatte.

Franky Goes To Hollywood Welcome to The Pleasuredome Dolby AtmosScreenshot Tidal Music App


Tracklist:

 1 Well… / The World Is My Oyster – 1:59
2 Snatch of Fury (Stay) / Welcome to the Pleasuredome – 13:41
3 Relax (Come Fighting) – 3:57
4 War (…and Hide) – 6:14
5 Two Tribes – 3:28
6 For the Victims of Ravishment (Tag) – 0:35
7 Ferry (Go) – 1:49
8 Born to Run – 3:59
9 San José (The Way) – 3:10
10 Wish (The Lads Were Here) – 2:49
11 The Ballad of 32 – 4:49
12 Krisco Kisses – 2:59
13 Black Night White Light – 4:09
14 The Only Star in Heaven – 4:16
15 The Power of Love – 5:32
16 Bang – 1:09

Gesamtdauer: 64:25


Der Dolby Atmos Mix:

Steven Wilson hat mit WELCOME TO THE PLEASUREDOME einmal mehr einen Dolby-Atmos-Mix abgeliefert, der eindrucksvoll demonstriert, was mit diesem Format möglich ist. Zugegeben: Das Ausgangsmaterial kommt ihm dabei auch entgegen. Bereits das Originalalbum war für seine aufwendigen Arrangements, zahllosen Overdubs und die damals hochmoderne Studioproduktion bekannt. Trevor Horn nutzte Mitte der 80er-Jahre nahezu alle technischen Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, um ein möglichst opulentes Klangbild zu erschaffen. Genau diese Detailfülle überträgt Wilson nun in die dritte Dimension.

Besonders eindrucksvoll gelingt dies bereits im über 13 Minuten langen Titelstück. Schon die eröffnende Klangkulisse mit Naturgeräuschen, Vogelstimmen und umherschwirrenden Effekten verteilt sich weit über den gesamten Hörraum. Sobald die eigentliche Band einsetzt, gibt es kaum einen Lautsprecher, der nicht beschäftigt wird. Keyboards, Gitarren, Percussion und Hintergrundgesänge erscheinen gleichzeitig aus unterschiedlichen Richtungen. Immer wieder erklingen Instrumente hinter dem Hörplatz oder aus den Höhenkanälen, während zahlreiche Effekte durch den Raum wandern. Das Resultat ist ein außergewöhnlich dichtes und lebendiges Klangbild, das den Hörer förmlich umschließt.

Nahtlos geht diese Klangfülle in Relax über, das ebenfalls zu den spektakulärsten Momenten des Albums zählt. Überhaupt profitiert die Musik enorm davon, dass die Arrangements bereits im Original so reichhaltig angelegt wurden. Die zahlreichen Synthesizer, Percussion-Spuren, Chöre und Gitarren liefern Wilson reichlich Material, um den Raum konsequent auszunutzen. Besonders die Höhenkanäle werden intensiv eingebunden, ohne dabei jemals aufgesetzt zu wirken. Hinzu kommen immer wieder dezente Bewegungen einzelner Klänge, die den Eindruck eines ständig in Bewegung befindlichen Klangfeldes erzeugen.

Allerdings setzt das Album die Messlatte mit seinen ersten Titeln auch außergewöhnlich hoch. Im weiteren Verlauf gibt es immer wieder Stücke, die etwas zurückhaltender gemischt wurden oder deren Arrangements weniger spektakuläre Möglichkeiten bieten. Das Springsteen-Cover Born to Run ist hierfür ein gutes Beispiel. Zwar werden auch hier sämtliche Lautsprecherebenen genutzt, nach den zuvor gehörten Klangfeuerwerken wirkt die Präsentation jedoch beinahe schon zurückgenommen. Tatsächlich dürfte dies aber eher eine bewusste, dem jeweiligen Song dienende Entscheidung sein als ein Mangel an Kreativität.

Insgesamt gehört WELCOME TO THE PLEASUREDOME ohne Frage zu den beeindruckendsten Atmos-Veröffentlichungen der letzten Jahre. Der Mix schöpft die Möglichkeiten des Formats konsequent aus, ohne dabei den musikalischen Zusammenhang aus den Augen zu verlieren. Es gibt zwar vereinzelte Momente, in denen Hörer und Lautsprecher etwas durchatmen dürfen, insgesamt befindet sich jedoch nahezu ständig etwas in Bewegung oder an ungewohnten Positionen im Raum. Interessanterweise schließt sich damit auch ein Kreis: Bereits 1984 galt das Album als Vorzeigeproduktion für die damals modernste Studiotechnik. Vier Jahrzehnte später erfüllt der Atmos-Mix eine ganz ähnliche Funktion und demonstriert eindrucksvoll, was mit den heutigen Möglichkeiten immersiver Audiotechnik machbar ist.


Anspieltipp:

Welcome To The Pleasuredome, Relax


Fazit:

Ein Atmos-Mix in Referenzqualität.

 

WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 98 %

 


Verfügbarkeit:

Deluxe Edition: Ende Oktober 2025 wurde eine Deluxe Edition mit 7 CDs und einer Blu-ray veröffentlicht. Diese sollte noch erhältlich sein. Kostenpunkt ca. 120 Euro. 

SDE-Shop Blu-ray: Ebenfalls veröffentlicht wurde eine Einzel-Blu-ray über Superdeluxeedition.com. Diese kann nur noch gebraucht erworben werden, in der Regel für weit über 50 Euro.

Streaming: Den Dolby Atmos Mix von WELCOME TO THE PLEASUREDOME gibt es bei entsprechendem Abo bei Tidal zu hören. Bei Apple Music konnte ich das Album nicht finden. Ob es bei Amzon Music zu finden ist, kann ich nicht sagen.

Stand: 29.06.2026


Links:

Offizielle Webseite von Frankie Goes To Hollywood

 

Eine Antwort auf „Frankie Goes to Hollywood – Welcome to The Pleasuredome“

  1. Insgesamt ist anzuerkennen, dass S. Wilson, der in der Fachwelt häufig überbewertet wird, seit seinem Atmos-Remix von „Songs from the Big Chair“ (Tears for Fears) zunehmend erkannt hat, welches gestalterische Potenzial in Bewegungen von Instrumenten und Stimmen liegt. Solche räumlichen Verschiebungen lenken die Aufmerksamkeit des Hörers und lassen sich im objektbasierten Atmos-Format als eigenständiges Ausdrucksmittel nutzen. Das steht im Gegensatz zu seiner früheren Herangehensweise, bei der Surround-Versionen vor allem so aus den Einzelspuren aufgebaut wurden, dass sie dem Stereo-Original in Gesamteindruck und Positionierung möglichst nahekommen.
    Diese Entwicklung ist grundsätzlich erfreulich, auch wenn sie Jahre auf sich warten ließ. In dieser Zeit sind leider zahlreiche Surround-Alben von diesem Workoholic entstanden, die trotz handwerklicher Sorgfalt eher konservativ, teilweise sogar langweilig und altbacken klangen.
    Und genau hier liegt der Kern der Diskussion: Sollte man sich möglichst eng am Stereo-Original orientieren, um den mitsummenden Hörer nicht zu irritieren oder sollte man die erweiterten Möglichkeiten von Atmos konsequenter nutzen, um das Material klanglich aufzuwerten und neu zu interpretieren? Aus meiner Sicht rechtfertigt gerade dieses objektbasierte Format einen spürbaren Mehrwert gegenüber der herkömmlichen Stereo-CD.

    Bleibt abzuwarten, ob sich dieser positivere Ansatz weiter durchsetzt oder ob Wilson wieder in frühere Muster zurückfällt – möglicherweise auch unter dem Einfluss einschränkender Vorgaben seitens der Labels.

    Kritisch bleibt allerdings seine anhaltende Vorliebe für „EQ flat“. Dadurch wirkt etwa „Rage Hard“ (5.1-SACD) aus heutiger Hörperspektive deutlich kräftiger und bassbetonter, als diese zurückhaltende Atmos-Abstimmung.

    Bei dieser 2025-Veröffentlichung ist zudem vieles misslungen. Zunächst verzögerte sich die Auslieferung aufgrund von Produktionsproblemen. Beim Hören zeigt sich dann, dass einige Titel Fehler oder Abweichungen enthalten. Offenbar waren etliche Elemente beziehungsweise Takes nicht mehr auffindbar, sodass Alternativtakes verwendet oder Passagen ganz weggelassen wurden. Betroffen sind unter anderem „Welcome to the Pleasure Dome“, „War“ (hier fehlen die Drumgewitter bei 23:56, 24:17 und 24:22 …, wie bereits auf der „Rage Hard“-5.1-SACD, „Two Tribes“, wo im Intro große Teile der Ronald-Reagan-Speech fehlen, „Ballad of 32“, bei dem das Stöhnen zwar erhalten blieb, die Worte „Push, push“ jedoch fehlen, sowie „The Power of Love“, in dem einige Stimmen leicht verändert erscheinen.

    Auch bei der Atmos-Umsetzung selbst stellen sich Fragen. Warum rauschen die Rolltor-Sounds in „Black Night, White Light“ zwischen den Heights von einer Seite zur anderen, statt sauber von den Heights nach unten in die 5.1-Ebene geführt zu werden? Der Eindruck entsteht, dass hier ein eigenwilliger kreativer Ansatz verfolgt wurde, der aber seltsam anmutet. Ebenso irritierend ist, dass Wilson nicht dort ansetzt, wo T. Horn 2001 aufgehört hat. Mehrere Surround-Ideen Horns sind im Atmos-Mix nicht mehr vorhanden, etwa kreisende Instrumentenbewegungen, alternative Track-Grundlagen oder bestimmte Remix-Ansätze bei „Ferry Cross the Mersey“ und „The Power of Love“. Zusammen mit den fehlenden Tracks und Stimmen im aktuellen Atmos-Mix bleibt der Gesamteindruck leider enttäuschend.

    Fazit:
    Die aufwertenden Atmos-Umsätzungen sind vorhanden.
    Wer von den konservativen Beschneidungen Wilsons und den offensichtlich fehlenden Elementen absehen kann, darf hiermit zufrieden sein.
    Allerdings halte ich die 5.1-SACD immernoch als die beste Produktion von FGTH, wenn auch keine objekt-basierten Soundflüge in den Hights stattfinden.

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