The Velvet Underground – The Velvet Underground & Nico
Erscheinungsjahr: 1967 | STREAMING | Art-Rock
Eine Dolby Atmos Streaming Review
Die gelbe Banane auf weißem Grund gehört zu den bekanntesten Albumcovern der Musikgeschichte. Entworfen wurde sie von Andy Warhol, der The Velvet Underground nicht nur als Künstler begleitete, sondern auch als Mentor unterstützte. Hinter dem Cover von THE VELVET UNDERGROUND & NICO steckt Musik, die 1967 vieles von dem auf den Kopf stellte, was man damals von einer Rockplatte erwartete.
Die Band um Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison und Maureen Tucker verbindet eingängige Melodien mit schroffen Gitarren, monotonen Rhythmen und experimentellen Klangflächen. Während Sunday Morning und I’ll Be Your Mirror eine fast zerbrechliche Seite zeigen, führen Venus in Furs und Heroin in deutlich dunklere Gefilde. Auf drei Songs ist Nico als Sängerin zu hören. Bei der Veröffentlichung blieb das Album kommerziell erfolglos, sein Einfluss auf die Entwicklung der Rockmusik wuchs allerdings über die folgenden Jahrzehnte.
Nico, die mit bürgerlichem Namen Christa Päffgen hieß und aus Köln stammte, war damals vor allem als Model und Schauspielerin bekannt. Sie hatte bereits in Federico Fellinis Film La Dolce Vita mitgespielt und gehörte zu Andy Warhols Umfeld in New York. Warhol brachte sie mit The Velvet Underground zusammen und wollte sie als Sängerin in das Projekt einbinden. Für die Plattenfirma war ihre Beteiligung ein wichtiger Grund, der bis dahin wenig bekannten Band einen Plattenvertrag zu geben. Auf dem Album singt Nico drei Stücke: Femme Fatale, All Tomorrow’s Parties und I’ll Be Your Mirror. Ihr Name im Albumtitel war also durchaus mehr als eine Gastnennung: Sie war Teil von Warhols Konzept und spielte eine wichtige Rolle dabei, die Band überhaupt ins Studio zu bringen.
Seit einiger Zeit gibt es THE VELVET UNDERGROUND & NICO auf Streamingportalen auch in Dolby Atmos zu hören. Alben aus der Mitte der 60er-Jahre bieten aufgrund der damaligen Produktionstechniken oft nur wenig Spielraum für immersive Mixe. Wie sieht das bei einem Album aus, das als Inbegriff psychedelischer Grenzerfahrungen gilt?
Screenshot Apple Music App
Tracklist:
1 Sunday Morning – 2:53
2 I’m Waiting for the Man – 4:37
3 Femme Fatale – 2:35
4 Venus in Furs – 5:07
5 Run Run Run – 4:18
6 All Tomorrow’s Parties – 5:55
7 Heroin – 7:05
8 There She Goes Again – 2:30
9 I’ll Be Your Mirror – 2:16
10 The Black Angel’s Death Song – 3:10
11 European Son – 7:40
Gesamtdauer: 48:57
Da freut man sich, einen absoluten Klassiker wie THE VELVET UNDERGROUND & NICO in Dolby Atmos zu hören, und dann bekommt man das vorgesetzt. Der Mix entpuppt sich weitestgehend als ein Festival der Frontlautsprecher. Es wird so gut wie nichts wirklich im Raum verteilt. Die Rear-Lautsprecher geben nur homöopathische Dosen von Instrumenten wieder, die eigentlich vorne zu hören sind. Dadurch wird die Klangbühne zwar etwas weiter in den Raum geschoben, ein wirklich immersives Erlebnis entsteht aber nicht.
Ab und zu gibt es einen etwas räumlicheren Eindruck, wenn einzelne Instrumente oder Backingvocals ganz nach außen gepannt werden – vorne, versteht sich. Hier kommen vermutlich die Wide-Kanäle ins Spiel, die in größeren Atmos-Konfigurationen wie 9.1.6 zum Einsatz kommen. Ansonsten bleibt das Geschehen weitgehend auf den vorderen Bereich beschränkt. Auch die Höhenkanäle werden eher sparsam genutzt. Hier und da hatte ich den Eindruck, dass Nicos oder Lou Reeds Gesang etwas höher positioniert sind. Ähnliches gilt für John Cales Violine. Eine echte Überraschung gibt es dennoch im sechsten Stück All Tomorrow’s Parties: Plötzlich ist Nico kurz hinten rechts zu hören. Da habe ich mich regelrecht erschrocken. Auch bei The Black Angel’s Death Song sind die Gitarren links und rechts etwas weiter im Raum wahrnehmbar.
Insgesamt ist der Atmos-Mix des Bananenalbums kaum der Rede wert. Mir ist klar, dass bei den Aufnahmen damals wahrscheinlich nur vier Spuren verwendet wurden und sich die Instrumente deshalb nicht ohne Weiteres voneinander trennen lassen. Trotzdem ist das Ergebnis enttäuschend. Hoffen wir, dass es irgendwann ein Update mit moderner Stem-Separation gibt. Diese psychedelische, avantgardistische Musik ohne Grenzen hätte einen Atmos-Mix verdient, der ihr auch räumlich gerecht wird.
Anspieltipp:
All Tomorrow’s Parties
Fazit:
Kein Upgrade zu Stereo.
WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 59 %
Streaming: Den Dolby Atmos Mix von THE VELVET UNDERGROUND & NICO gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple Music, Amazon Music Unlimited und Tidal zu hören.
Stand: 27.10.2026
Links:
Offizielle Webseite von The Velvet Underground