The Danish National Symphony Orchestra – The Morricone Duel
Erscheinungsjahr 2022 | Blu-ray Disc | Filmmusik
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THE MORRICONE DUEL ist keine klassische Filmmusik-Zusammenstellung, sondern eine Live-Konzertproduktion des Danish National Symphony Orchestra unter der Leitung von Sarah Hicks. Das Projekt wurde 2017 im DR Koncerthuset in Kopenhagen aufgezeichnet und später in verschiedenen Audio- und Videoformaten veröffentlicht. Im Zentrum steht ein bewusst dramatisch angelegtes Konzept, das ikonische Filmmusiken nicht nur präsentiert, sondern gegeneinanderstellt.
Der Untertitel „The Most Dangerous Concert Ever“ beschreibt dabei weniger ein musikalisches Risiko als vielmehr die Idee eines stilistischen Duells. Musik von Ennio Morricone trifft auf Werke von Nino Rota, Bernard Herrmann und Sonny Bono. Spaghetti-Western, Mafia-Epos, New-Hollywood-Kino und Popkultur werden in direkter Abfolge kombiniert, wodurch starke Kontraste entstehen: Western-Motivik steht neben urbaner Melancholie, orchestrale Weite neben reduzierten, fast intimen Momenten.
Ausgeführt wird dieses Konzept von einer großen Besetzung aus Orchester, Chor und Solisten. Neben dem Danish National Concert Choir treten unter anderem Tuva Semmingsen und Christine Nonbo Andersen als Gesangssolistinnen auf, ergänzt durch charakterprägende Instrumente wie Saxophon und E-Gitarre. Die Arrangements sind klar auf Wirkung ausgelegt, bleiben dabei aber fest im sinfonischen Kontext verankert.
Die hier besprochene Pure Audio Blu-ray enthält einen neu erstellten Dolby-Atmos-Mix, ergänzt durch 5.1- und Stereo-Fassungen. Zusätzlich liegt eine separate Video-Blu-ray mit dem Konzertmitschnitt in DTS-HD 5.1 und Stereo bei. Damit richtet sich THE MORRICONE DUEL sowohl an Filmmusik-Enthusiasten als auch an Hörer, die gezielt nach einer immersiven Live-Produktion im Mehrkanalformat suchen.
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Tracklist:
1 Dopo la Condanna (The Big Gundown, Inglourious Basterds) – 2:25
2 A Fistful of Dollars – 2:57
3 The Hateful Eight – 3:20
4 Once Upon a Time in the West – 8:46
5 Taxi Driver – 8:05
6 The Untouchables – 2:13
7 Suite: The Good, the Bad and the Ugly – 6:00
8 Once Upon a Time in America – 7:50
9 Bang Bang (My Baby Shot Me Down) (Kill Bill) – 2:54
10 The Sicilian Clan – 4:18
11 Suite: The Godfather – 12:07
12 For a Few Dollars More – 3:56
Gesamtdauer: 64:56
Als jemand, der sehr gerne Filme schaut und sein Unterhaltungserlebnis nicht nur in aktuellen Blockbustern sieht, waren mir beim Anhören fast alle Stücke vertraut – auch wenn ich einige der zugehörigen Filme seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen habe.
Wie die Filme selbst sind auch diese Filmmusiken zu Klassikern geworden, die jeder Filmfan kennen dürfte. Man könnte allenfalls darüber diskutieren, warum von Bernard Herrmann ausgerechnet der Soundtrack zu Taxi Driver ausgewählt wurde und nicht eine seiner Arbeiten zu den Hitchcock-Meisterwerken wie Vertigo oder Psycho. Letztlich wäre das jedoch Kritik auf sehr hohem Niveau.
Spätestens beim Hören dieser Stücke wird deutlich, dass Filmmusik weit mehr ist als bloßes Beiwerk, sondern auch für sich allein wirken kann. Faszinierend ist dabei, wie sich unweigerlich Filmszenen vor dem inneren Auge einstellen, sobald diese Musik erklingt.
Wertung: 79 %
Besetzung:
Sarah Hicks – Dirigentin
Tuva Semmingsen – Mezzo-Soprano
Christine Nonbo Andersen – Soprano
Hans Ulrik – Saxophon, Flöte
Mads Kjølby – Gitarre
Danish National Concert Choir
Danish National Symphony Orchestra
Orchesteraufnahmen in Dolby Atmos beziehungsweise Surround abzumischen, ist stets ein Balanceakt. In erster Linie geht es darum, die Atmosphäre des Konzertsaals möglichst authentisch zu übertragen. Das Klangbild soll natürlich wirken und den Höreindruck vor Ort widerspiegeln. Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass auf eine vollständig diskrete Verteilung einzelner Instrumente im Raum verzichtet wird. Würde etwa die erste Geige plötzlich hinten rechts erklingen, wirkte dies weniger authentisch, sondern eher so, als hätte ein Konzertbesucher spontan beschlossen, selbst mitzuspielen. Eine solche Platzierung wäre für den Gesamteindruck eher irritierend.
Auch die hier vorliegende Einspielung verzichtet daher auf die gezielte Platzierung einzelner Instrumente in den hinteren Kanälen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass es sich um einen frontlastigen Mix handelt – im Gegenteil. Der Höreindruck vermittelt vielmehr das Gefühl, mitten im Geschehen zu sitzen, fast wie im Orchestergraben. Das Orchester ist klar gestaffelt und reicht weit in den Raum hinein, sodass auch eine kontinuierliche seitliche Beschallung gegeben ist.
Hinzu kommt der intensive Einsatz der Höhenkanäle. Viele Klanganteile wirken angehoben. Die Chöre sind in der Regel höher positioniert, was ihrer realen Aufstellung im Konzertsaal entspricht, wo sie sich meist auf einer Empore hinter dem Orchester befinden. Darüber hinaus gibt es immer wieder Instrumentengruppen, die gezielt von oben erklingen, häufig Streicher oder Bläser. An diesen Stellen traut sich der Mix, die traditionell authentische, eher frontbetonte Abbildung leicht aufzubrechen. Auch einzelne solistische Instrumente, die weniger in eine klassische Orchesterumgebung eingebettet sind – etwa die E-Gitarre in Once Upon a Time in the West oder die Flöte in Once Upon a Time in America – werden aus der Höhe positioniert.
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Das Set besteht aus zwei Blu-rays. Eine davon enthält die Konzertaufzeichnung im Videoformat aus dem Konzertsaal. Diese ist auch visuell interessant, da sich hier live nachvollziehen lässt, wie einige der eingestreuten Klänge überhaupt erzeugt werden. Zudem wird dem Zuschauer stellenweise bewusst filmische Bildsprache geboten, etwa wenn eine Leiche am Galgen von der Decke des Saales herabbaumelt.
Die zweite Blu-ray ist eine reine Audio-Blu-ray, auf der die Einspielung in Dolby Atmos vorliegt. Hier fehlen die Reaktionen des Publikums. Ob es sich dabei um eine separate Studioaufnahme handelt oder ob die Publikumsgeräusche lediglich herausgemischt wurden, bleibt unklar.
Etwas unglücklich ist die Tatsache, dass der Atmos-Mix ausschließlich auf der Audio-Blu-ray enthalten ist, während beim Ansehen des Konzertvideos lediglich DTS-HD 5.1 zur Verfügung steht. Gerade dieser 5.1-Mix ist deutlich konservativer angelegt und nutzt die Rear-Kanäle vornehmlich zur Unterstützung der Raumakustik. Selbst ein Downmix des Atmos-Tracks dürfte hier für deutlich mehr Aktivität im hinteren Bereich sorgen.
Wertung: 83 %
Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS HD Master 5.1
LPCM 2.0
Mittels Farbtasten auf der Fernbedienung kann man direkt das gewünschte Tonformat wählen (grün = Atmos, rot = DTS, gelb = Stereo). Vergisst man das vorher auszuwählen, wird das Album in Stereo abgespielt.
Abwertung: – 1 %
Schön ist, dass es zur Audio-Blu-ray eine separete Scheibe gibt, die das Video der Aufführung enthält.
Aufwertung: 2 %
Anspieltipp:
Once Upon The Time in America
Schöner Atmos-Mix einer schönen Umsetzung von Filmmusik-Klassikern.
Pros / Cons:
+ guter atmosphärischer Mix in Dolby Atmos
+ High Resolution (+1 %)
– Bonus Blu-ray mit dem Konzert als Video (+1 %)
– immersives Klangformat ist nicht vorausgewählt (- 1 %)
GESAMTWERTUNG: 84 %
Erläuterungen zur Bewertung
Blu-ray: Man muss hier ein wenig aufpassen. Das Konzert gibt es auch als Einzel-Blu-ray mit dem Konzertvideo, dann aber ohne Dolby Atmos. Die sogenannte Studio- und Heimkinoedition enthält sowohl das Konzert als auch die Audio-Blu-ray in Dolby Atmos. Der Preis liegt bei ca. 40 Euro, zu erwerben u.a. im Shop von Pure Audio Recordings.
Stand: 16.01.2026