Jethro Tull – The Zealot Gene


Erscheinungsjahr 2022 | Blu-ray | Progressive Rock

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Es war schon eine kleine Überraschung, als im vergangenen Sommer ein neues Jethro Tull Album angekündigt wurde. Die letzte reguläre Veröffentlichung war ein Weihnachtsalbum im Jahr 2003 und bestand zumeist aus altem Material im neuen (weihnachtlichen) Gewand.

In der Zwischenzeit hat Ian Anderson einige Soloalben herausgebracht und es gibt nicht wenige Stimmen, die meinen, dass auch das neue Album THE ZEALOT GENE eigentlich nur ein weiteres Soloalbum von Ian Anderson ist, welches nun unter dem Namen Jethro Tull vermarktet wird. Denn außer ihm hat kein weiterer Musiker auf diesem Album zuvor bei einer Veröffentlichung von Jethro Tull mitgemacht, stattdessen waren alle Mitmusiker Mitglieder seiner Solo-Liveband. So ist das neue Album THE ZEALOT GENE auch das erste Jethro Tull Album seit dem Erstlingswerk THIS WAS von 1968, bei dem Gitarrist Martin Barre nicht dabei ist.

Bei den vielen Wiederveröffentlichungen von Jethro Tull in den letzten Jahren, bei denen bisher alle Studioalben bis zum Album A von 1980 (übrigens ein Album, welches ursprünglich als Soloalbum von Ian Anderson angedacht war) auch in Surround Sound abgemischt wurden, wäre es doch sehr verwunderlich, wenn das neue Album von Jethro Tull nicht auch in Surround veröffentlicht worden wäre. Und so kam es denn letztlich auch, mit dem kleinen Unterschied, dass der Mix dieses Mal nicht von Steven Wilson erstellt wurde, sondern von Jakko Jakszyk. Letzterer war auch schon bei einigen Reissues von Jethro Tull beteiligt, indem er einige Liveauftritte in 5.1 abmischte.

Jethro Tull The Zealot Gene Surround Sound Mix


Tracklist:

1 Mrs. Tibbets – 5:53
2 Jacob’s Tales – 2:12
3 Mine Is the Mountain – 5:40
4 The Zealot Gene – 3:54
5 Shoshana Sleeping – 3:40
6 Sad City Sisters – 3:41
7 Barren Beth, Wild Desert John – 3:38
8 The Betrayal of Joshua Kynde – 4:05
9 Where Did Saturday Go? – 3:52
10 Three Loves, Three – 3:29
11 In Brief Visitation – 3:01
12 The Fisherman of Ephesus – 3:40

Gesamtdauer: 46:45


Die Musik:

Ian Anderson begann bereits 2017 an den ersten Songs zum neuen Album zu arbeiten. Schnell kristallisierte sich heraus, dass diese Songs einiges an Jethro-Tull-Feeling mitbrachten, sodass dies vermutlich dazu führte, dass Anderson die Band wieder aufleben ließ. In der Tat ist ihm ein Album gelungen, welches viel an Jethro Tull erinnert. Vermutlich wurde Anderson hier von seiner eigenen Vergangenheit inspiriert und hier vor allem von den letzten veröffentlichten Reissues von Jethro Tull.

THE ZEALOT GENE erinnert zum großen Teil an die folkigen Alben der Band Ende der 70er. Deren Reissues wurden eben in der Zeit veröffentlicht, als Anderson anfing, an dem Album zu arbeiten. Aber auch das Erstlingswerk THIS WAS und das Album A wurden gewürdigt. So erinnert der erste Song Mrs. Tibbets mit seinen Synthies etwas an die technisierte Neuausrichtung des Albums von 1980 und das zweite Stück erinnert mit seinem Mundharmonikapart an die Blueswurzeln des Erstlingswerks.

Ich war etwas skeptisch, was das neue Album von Jethro Tull angeht. Wenn eine alte Band nach Jahrzehnten plötzlich wieder neue Musik macht, kommt selten etwas wirklich Gutes bei raus. Meistens ist es die eigene Erwartungshaltung, die einem ein Schnippchen schlägt. Man vergleicht es unweigerlich mit den alten Meisterwerken und da hat es, egal um welche Band oder um welchen Musiker es sich handelt, jedes Alterswerk immer sehr schwer. Bei THE ZEALOT GENE bin ich aber positiv überrascht, Ian Anderson und seinen Mitstreitern ist ein schönes Werk mit einigen schönen Melodien gelungen. Natürlich hat man alles schon mal so gehört, aber es stellt sich eine Art Gefühl ein, als würde man einen Ort nach Jahrzehnten das erste Mal wieder besuchen. Es ist schön, wieder einmal hier zu sein und trotz der vielen Jahre ein Gefühl der Vertrautheit zu bekommen. So ist das auch mit diesem Album. Schön mal wieder was von Jethro Tull zu hören.

Wertung: 81 %


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, mandolin, whistle, harmonica
Florian Opahle – electric guitar
David Goodier – bass guitar
John O’Hara – piano, keyboards, accordion, organ
Scott Hammond – drums

Joe Parrish-James – guitar (In Brief Visitation)


Der Surroundmix:

Ich habe das Album zum ersten Mal direkt im Surroundmix gehört und war etwas ernüchternd über den Gesang von Ian Anderson, der etwas leblos und kraftlos klingt, eben so wie ein alter Mann klingt, was er letzten Endes aber ja auch schon ist. Interessant ist aber, dass ich diesen Eindruck später im Stereomix nicht mehr so stark ausgeprägt vorfand. Irgendwas hat Jakko Jakszyk mit der Gesangstimme hier im 5.1-Mix angestellt. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber die Stimme klingt muffiger und für meinen Geschmack etwas zu präsent, als müsse man sie bewusst lauter regeln und komprimieren, um gegen die Instrumente ankämpfen zu können. Ich kam schnell dahinter was das Problem zu sein scheint.

Der Center ist zu laut! Hier erklingt Andersons Gesang hauptsächlich und er fühlt sich in der Mitte regelrecht eingeengt und komprimiert an, man hat nicht das Gefühl, dass sich in der Front ein Panorama bildet, weil alles durch den Gesang in die Mitte gezogen zu werden scheint. Hinzu kommt, dass der Center nicht nur für die Stimme herhalten muss, sondern auch andere Instrumente dort zu hören sind, wie zum Beispiel der ebenfalls etwas zu präsente Bass im ersten Stück. Es ist schon etwas ungewöhnlich, den Bass aus dem Center kommen zu lassen.

Das zieht sich leider weitestgehend durch das gesamte Album. Die Abmischung klingt etwas dumpf, was weitestgehend mit dem Gesang und dessen Klang zusammenhängt. Etwas, was ich auch schon bei Jakko Jakszyks letztem Soloalbum bemängelt habe. Wohlwollend könnte man meinen, das Album klingt warm, für mich fehlt es da eher an Brillanz. Auch der Stereomix klingt nicht wirklich klar. Diesen hat Ian Anderson selbst erstellt und da stellt sich schon die Frage, ob man einem über 70-jährigen Rockmusiker noch ein einwandfreies Gehör zutraut.

Jethro Tull The Zealot Gene Media Book

Allerdings, was die restliche Verteilung der Instrumente im Raum angeht, macht Jakszyk hier wiederum vieles richtig. Denn größtenteils hat man es mit einer sehr diskreten Abmischung zu tun, bei der man in den Rears viele Keyboards und Gitarren zu hören bekommt. Auch Andersons Flöte kommt hier immer wieder mal effektvoll zum Einsatz. Und es gibt sogar ein paar Stellen auf dem Album, bei denen der Gesang dann auch aus den Rears kommt und er dann auch besser klingt als vorne.

Mein Highlight, sowohl musikalisch als auch im Surroundmix ist der vorletzte Song In Brief Visitation. Hier finden sich verschiedene Gitarren in den Rears wieder. Wenn es auch nicht der diskreteste Song auf dem Album ist, so ist es doch sehr effektiv, wenn plötzlich hinten Gitarren einsetzen. Vor allem gefällt es mir hier, wie die E-Gitarre sich in ihren wenigen Einsätzen wie eine Fläche im Zimmer ausbreitet.

Wertung: 86 %


Vorhandene Tonformate:
DTS (96 kHz / 24 bit)  5.1
Dolby Digital  5.1
PCM (96 kHz / 24 bit) Stereo

Album starten:

Das Album startet in Stereo, man muss also bei den ersten Klängen auf Surround umstellen, entweder über die Audiotaste oder über das Menü:

UP > ENTER

Jethro Tull The Zealot Gene Blu-ray Menü

UP > ENTER

Abwertung: – 1 %


Bonusmaterial:

Im Gegensatz zu den anderen Surround-Veröffentlichungen von Jethro Tull hat das Mediabook von THE ZEALOT GENE kein handliches Buchformat, sondern fast LP-Größe. Sieht natürlich etwas schicker aus, man kann es aber schlecht zu den anderen ins Regal stellen. In dem Mediabook enthalten sind Songtexte und sogar Akkorde, dazu die obligatorische Geschichte hinter dem Album, ein Interview mit Ian Andrerson und Erklärungen zu den Songtexten. Auf einer Bonus-CD gibt es etwa eine halbe Stunde lang Demoversionen zu hören. Auf der Blu-ray befindet sich nur das Album im Surround- und Stereomix.

Aufwertung: + 0,5 %


Anspieltipp:

In Brief Visitation


Fazit:

Im großen Ganzen ein Surroundmix, der größtenteils schön diskret ist, mich aber mit dem Gesamtsound nicht überzeugen kann.

Pros / Cons:
+ guter diskreter Surroundmix, der Center aber offensichtlich zu präsent
+ Mediabook und Demoversionen auf Bonus-CD (+0,5 %)
+ High-Res (+1 %)
– DVD-Menü ist auf Stereo voreingestellt (-1 %)
– Beim Gesamtsound Abzüge in der B-Note

 

GESAMTWERTUNG: 85 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Limited Deluxe Artbook: Kostet zwischen 40 und 50 Euro und ist noch ohne Probleme zu bekommen.

Limited Deluxe Edition: Diese Version enthält neben dem Artbook auch noch 3 LP’s in weiß, eine Plattentellermatte und einen Kunstdruck: 90-100 Euro.

Stand: 09.03.2022


Links:

Offizielle Webseite von Jethro Tull

 

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