Ultravox – Vienna


Erscheinungsjahr 1980 | DVD | New Wave

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Dass Steven Wilson nicht nur im Progressive Rock zu Hause ist, sondern auch ein Faible für Musik hat, die gemeinhin als Popmusik bezeichnet wird, dürfte spätestens seit seinem letzten Soloalbum bekannt sein. Aber auch bei seinen Remix-Auftragsarbeiten von Albumklassikern gab es neben den üblichen Verdächtigen, wie Jethro Tull, Yes und ELP auch immer wieder vermeintlich leichtere Kost aus den 80ern. Nun wurde ein weiterer Klassiker aus den 80er Jahren veröffentlicht, den es ab sofort auch in Surround Sound zu hören gibt. Die Rede ist vom Album VIENNA von Ultravox.

VIENNA erschien im Jahr 1980 und feiert in diesem Jahr somit seinen 40. Geburtstag. Zu der Zeit machte die Band eine schwere Phase durch. Frontmann John Foxx hatte die Band verlassen, man war regelrecht pleite und der Plattenvetrag mit Island Records lief aus, ohne das er verlängert wurde. Ultravox stand vor dem Aus. Dennoch konnte bei Chrysalis Records ein neuer Plattenvertrag unterzeichnet werden und mit dem Sänger und Gitarristen Midge Ure fand man einen neuen Mann. Dieser hatte zuvor Gary Moore bei Thin Lizzy für eine Tour vertreten.

Die meisten Songs von VIENNA waren bereits geschrieben und auf der letzten Tour erprobt. Aufgenommen wurde es in London, abgemischt im Studio von Conny Plank in der Nähe von Köln, der VIENNA auch mitproduziert hatte. Dort hatten ULTRAVOX bereits ihr letztes Album aufgenommen. Plank galt damals schon als einer der angesehensten Produzenten im Musikbusiness.

VIENNA wurde der erste richtige Erfolg von Ultravox und schaffte es in UK bis auf Platz 3 der Albumcharts. Zu verdanken hat man das dem Titelstück, welches es ebenfalls in die Top 10 schaffte. Es wurde aber erst 1981 als dritte Singleauskopplung veröffentlicht. Damals konnte man noch mit ungewöhnlichen Songs die Hitparaden bereichern. So weist der Song Vienna einige Tempowechsel auf, sowie unübliche Harmoniewechsel.

Zelebriert wird der Geburtstag mit einer großen Box im LP-Format. Vinyl ist nicht enthalten, aber dafür gibt es zu der DVD, auf der sich der Surroundmix befindet, noch fünf weitere CD’s. Enthalten ist darauf der Originalmix (CD 1), der Steven-Milson-Stereo-Remix (CD 2), Single-Versionen, B-Seiten, Live- und Demoversionen (CD 3 und 4) sowie ein Konzertmitschnitt auf CD 5. Abgerundet wird das Ganze mit einem großformatigen Booklet und Kontaktbögen (1:1 Positivabzüge der Filmnegative) von Fotoaufnahmen der Band.

Ultravox Surround Sound Vienna Boxset


Tracklist:

1 Astradyne – 7:07
2 New Europeans – 4:00
3 Private Lives – 4:06
4 Passing Strangers – 3:49
5 Sleepwalk – 3:10
6 Mr. X – 6:33
7 Western Promise – 5:44
8 Vienna – 4:52
9 All Stood Still – 4:23

10 Waiting – 3:53
11 Passionate Reply – 4:46
12 Alles Klar – 4:56

Gesamtdauer: 57:41


Die Musik:

Musikalisch entfernten sich ULTRAVOX immer mehr vom Punk und Glam-Rock der Anfangstage. VIENNA bestand nun zum großen Teil aus elektronischen Musikinstrumenten. Aber was Ultravox immer noch von anderen Bands unterschied, die damals auf der Synthie-Pop Welle reiteten, war der Einsatz herkömmlicher Instrumente wie einem echten Schlagzeug, Gitarren und Geigen. Interessant: Ich hatte das Album seit einigen Jahren als Vinyl-Ausgabe, aber erst im Surroundmix ist mir richtig klar geworden, das man da durchaus viele echte Instrumente heraushört. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Album eine gewisse Power ausstrahlt. Nicht umsonst hatte Midge Ure die Musik von Ultravox als Heavy Metal mit Synthesizern bezeichnet.

Und ja, wenn man sich beispielsweise den Song All Stood Still anhört, meint man stellenweise, dass das ein Song von Rush sein könnte. Oder Rush ließen sich davon inspirieren, als sie zwei Jahre später ihr Album Signals aufnahmen. Auch Ultravox ließen sich für VIENNA inspirieren. Mister X hätte auch von Kraftwerk sein können. Übrigens gibt es davon auch eine deutschsprachige Version mit dem Namen Herr X, die ebenfalls in dem Box-Set angehört werden kann.

Wertung: 84 %


Besetzung:

Warren Cann – drums, electronic percussion, backing vocals, lead vocals auf Mister X und Herr X
Chris Cross – bass, synthesizers, backing vocals
Billy Currie – piano, synthesizers, viola, violin
Midge Ure – guitars, synthesizers, lead vocals


Der Surroundmix:

Der Surroundmix entspricht in etwa dem, was man von einem Steven-Wilson-Mix erwarten kann. Man ist über fast die gesamte Dauer des Albums umgeben von verschiedenen Sounds, die oft synthetischer Natur sind, aber nicht immer. Wie bereits erwähnt, gibt es auf dem Album auch einige natürliche Sounds zu hören, zumeist Gitarre, Schlagzeug und Geigen.

Gitarren hat Wilson manchmal im Raum schweben lassen, das heißt, sie schwirren hinterm Hörer von links nach rechts oder von hinten nach vorne. Das passiert häufig, wenn man es mit langezogenen Gitarrentönen zu tun hat oder Gitarrenfeedback, was durchaus effektvoll klingt, dem einen oder anderen aber vielleicht etwas zu dick aufgetragen sein könnte. Einprägsame Gitarrenriffs sind dagegen häufig vorne vorzufinden.

Die vielen Keyboard und Synthesizer Sounds wurden von Wilson vorne, seitlich, wie auch hinten gelegt. Bei einigen Stücken passiert es, dass die Musik zunächst etwas frontlastig daherkommt, im späteren Verlauf aber zusätzliche Keyboardspuren den Raum von hinten auffüllen. Beispiele wären hierfür Passing Strangers und Private Lives. Tiefe Sequenzerbässe machen es sich dagegen meist in der Raummitte bequem, sodass die Stücke direkt einen gewissen Druck erzeugen. Auch bei den Synthesizern macht Wilson von umherkreisenden Effekten nicht halt, hier wäre der in Sleepwalk einsetzende Arpeggio-Sound zu nennen, der um den Hörer kreist.

Ultravox Vienna Deluxe Edition

Kleine Abzüge in der B-Note gibt es aber für die Drums und den Drumsound. Gelegentlich kommt mir der Drumsound etwas muffig daher, als ob das Schlagzeug hinter einem Vorhang positioniert wurde, der höhere Frequenzen absorbiert. Hier fehlt es an etwas Brillianz.

Zusammengefasst macht der Surroundmix aber Spaß und lässt ein 40 Jahre altes Album im neuen Licht erscheinen. Der für die 80er Jahre typische Klangbrei wurde hier wieder in seine Bestandteile auseinandergenommen, sodass man alle Zutaten, sprich die Instrumente, wunderbar einzeln heraushören kann.

Zu erwähnen ist noch, das neben dem kompletten Album auch die B-Seiten in Surround Sound abgemischt wurden, bis auf die Ausnahme von der deutschen Version von Mister X. Herr X gibt es nur in Stereo, was aber verschmerzbar ist. Die B-Seiten starten automatisch nach Ende des Albums.

Wertung: 97 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1  (96 kHz / 24 bit)
Dolby Digital 5.1
PCM Stereo

Album starten:

Nach einem Logovorspann (ca. 11 Sekunden) baut sich das Menü auf. Über Enter kann man das Album starten, es erklingt aber in Stereo. Über die Audiotaste kann man auf DTS umschalten. Will man das bereits im Menü tun, geht das über folgende Kombination:

DOWN DOWN ENTER DOWN ENTER

Ultravox Vienna DVD Menu

DOWN > DOWN > ENTER

DOWN > ENTER

 

Abwertung: -2%


Bonusmaterial:

Für Fans sicherlich ein Highlight sind die zum Teil unveröffentlichten Stücke auf den CD’s 3 und 4 und da in erster Linie die Kassettenaufnahmen aus dem Übungsraum. Klanglich natürlich nicht top. Auch der Konzertmitschnitt macht spaß.

Aufwertung: +2 %


Anspieltipp:

Vienna, Passing Strangers


Fazit:

Tolles Deluxe Set, was noch zu einem fairen Preis angeboten wird. Da gibt es Boxen, die deutlich teurer sind und weniger bieten.

Pros / Cons:
+ Sehr guter Surroundmix
+ Bonusmaterial (+2%)
–  Menü mit Stolperfalle beim Albumstart in Surround (-2%)
– Leider nur eine DVD und keine hochauflösende Blu-ray / DVD Audio

 

GESAMTWERTUNG: 93 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Deluxe Edition: Diese Ausgabe erschien im Oktober 2020 und kostet (noch) um die 45 Euro.

Stand: 06.11.2020

 


Links:

Offizielle Webseite von Ultravox

 

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