Steve Hackett – At The Edge Of Light


Erscheinungsjahr 2019 | Blu-ray | Progressive Rock

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Es gibt drei Sorten von alternden Musikern. Die, die musikalisch nichts mehr machen, irgendwo abgeschieden leben und vielleicht Rosen züchten. Dann gibt es die Musiker, die gefühlt ständig auf Tour sind und vor einem ebenfalls in die Jahre gekommenen Publikum ihre alten Hits spielen. Neue Hits haben sie nicht mehr, da sie das letzte Mal ein Album veröffentlicht haben, als das Internet noch Neuland war. Und dann gibt es noch die Musiker, die, obwohl sie das Rentenalter bereits erreicht haben, nicht ans Aufhören denken und weiterhin regelmäßig ein neues Album herausbringen und anschließend auf Tour gehen. Zu dieser letzten Gruppe von alternden Musikern gehört Steve Hackett, der im Januar sein mittlerweile 26. Studioalbum veröffentlichte.

Der 69 Jahre alte Gitarrist denkt nicht ans Aufhören, wie er kürzlich in einem Interview erzählte. Dafür liebt er die Musik zu sehr. Solange ihn seine Finger neue musikalische Welten erkunden lassen, will er weitermachen. Dabei ist es beachtlich, dass er immer noch scheinbar mühelos schnelle Solodarbietungen auf der Gitarre spielen kann, als wäre er immer noch in seinen 20ern. Als ehemaliger Leadgitarrist des Progressiven Rock-Dinosauriers Genesis ist Hackett der Einzige, der das nicht gerade einfache musikalische Material seiner ehemaligen Band überhaupt noch spielen kann. Vermutlich ist das der Grund, warum die seit Jahren von Fans herbeigesehnte Reunion in der Fünfer-Besetzung mit Peter Gabriel niemals stattfinden wird.

Von allen britischen Musikern die seit den 70er Jahren im Geschäft sind, dürfte Steve Hackett einer der Wenigen sein, der ständig mit irgendwas beschäftigt ist, sei es eine Tour oder ein neues Album, wodurch er in den letzten Jahren ein wenig ins Rampenlicht gerückt ist. Konzerte sind relativ schnell ausverkauft und seine neuen Alben verirren sich mittlerweile in die Charts. Das neue Album AT THE EDGE OF LIGHT schaffte es in Deutschland bis auf Platz 13, was die beste Platzierung von Steve Hackett in diesem, unserem Lande bedeutet. Besser platziert war er damals nicht einmal mit Genesis. Diese hohe Platzierung zeigt aber auch, dass fast nur noch Musik von alternden Musikern (und Fans) gekauft wird, der Rest versucht im Streaming seine Cents zusammenzusammeln.

Wie auch schon bei den letzten Alben, wurde auch AT THE EDGE OF LIGHT in einer Sonderausgabe veröffentlicht, die in einem schicken Mediabook neben der CD noch einen Datenträger enthält, auf dem der Surround Sound Mix des Album enthalten ist. Dieses Mal ist es eine DVD geworden. Für den Surroundmix war einmal mehr Steve Hacketts rechte Hand Roger King verantwortlich.


Tracklist:

1 Fallen Walls and Pedestals – 2:17
2 Beasts in Our Time – 6:20
3 Under the Eye of the Sun – 7:06
4 Underground Railroad – 6:22
5 Those Golden Wings – 11:09
6 Shadow and Flame – 4:22
7 Hungry Years – 4:34
8 Descent – 4:20
9 Conflict – 2:36
10 Peace – 5:03

Gesamtdauer: 54:22


Die Musik:

Musikalisch reiht sich das Album an die Art Musik an, die Steve Hackett seit 10-15 Jahren macht. Kritisch könnte man bemängeln, dass ihm die Weiterentwicklung abhanden gekommen ist. Was waren das noch für Zeiten in den 70ern, 80ern und 90ern, als man bei einem neuen Hackett-Album nie wirklich wusste, was einen erwartet. Heutzutage weiß man es dagegen mit guter Sicherheit: Es ist der etwas eigenwillige Mix aus Rock, Filmmusik und Weltmusik, bei dem die verschiedenen musikalischen Ideen munter durcheinander gewirbelt werden. Es ist auf eine Art Progressive Rock, aber irgendwie hat Steve Hackett auch sein eigenes Musikgenre kreiert, einen Musikstil, den außer ihm kein anderer macht.

Das Album ist wieder ein vorhersehbares unvorhersehbares Album geworden, um es mal auf den Punkt zu bringen. Jeder Song fängt mit einem Intro an und erhält in seinen darauffolgenden 5-10 Minuten unzählige musikalische Brüche und Stilwechsel. Man weiß nicht, wie der Song in einer halben Minute klingt, aber man weiß, dass er anders klingen wird. Und als Kenner der letzten Hackett-Alben kann man mittlerweile erahnen, wie er in etwa klingen wird.

Soll nicht heißen, dass das Album keine großen Momente hat. Underground Railroad mit seinem Bluesig-gospeligen Intro ist großartig, auch Those Golden Wings hat seine tollen Momente (und ein tolles Gitarrensolo!). Mit Hungry Years ist Steve Hackett ein ziemlicher Ohrwurm gelungen, der einigen Beatlesesken Flair versprüht und mit Peace wird das Album von einer tollen Hymne abgeschlossen. An einer Stelle überrascht Hackett dann doch: Das Instrumental Descent erfährt in seinen knapp vier Minuten keine Änderungen. Hier baut sich langsam ein Bolero-artiger Rhythmus auf und es ändert sich nichts, es klingt in einer halben Minuten noch genauso wie zuvor. Auf eine groteske Art und Weise wirkt das auf dem Album fast wie ein Fremdkörper.

Wertung: 82 %


Besetzung:

Steve Hackett – electric & acoustic guitars, 12 string guitar, dobro, bass guitar, harmonica, vocals
Roger King – keyboards, programming, orchestral arrangements
Amanda Lehmann – vocals on „Under the Eye of the Sun“, „Underground Railroad“, „Those Golden Wings“, „Hungry Years“ and „Peace“
Rob Townsend – tenor saxophone, flute, duduk, bass clarinet on „Beasts in Our Time“ and „Under the Eye of the Sun“
John Hackett – flute on „Beasts in Our Time“, „Under the Eye of the Sun“, „Those Golden Wings“ and „Conflict“
Jonas Reingold – bass guitar on „Beasts in Our Time“, „Under the Eye of the Sun“ and „Hungry Years“
Sheema Mukherjee – sitar on „Shadow and Flame“
Malik Mansurov – tar on „Fallen Walls and Pedestals“
Paul Stillwell – didgeridoo on „Under the Eye of the Sun“
Benedict Fenner – keyboards, programming on „Hungry Years“ and „Descent“
Dick Driver – double bass on „Under the Eye of the Sun“ and „Hungry Years“
Christine Townsend – violin, viola on „Those Golden Wings“
Gary O’Toole – drums on „Fallen Walls and Pedestals“
Gulli Briem – drums, percussion on „Under the Eye of the Sun“
Nick D’Virgilio – drums on „Those Golden Wings“
Simon Phillips – drums on „Hungry Years“
Durga McBroom – vocals on „Underground Railroad“
Lorelei McBroom – vocals on „Underground Railroad“


Der Surroundmix:

Was kann man dieses Mal von Roger King an den Surround Reglern erwarten? Er gilt nicht gerade als Koryphäe auf diesem Gebiet und hinterließ in der Vergangenheit einige enttäuschte Gesichter in den Wohnzimmern dieser Welt.

Zum Albumsound eines Hackett-Albums muss man wissen, dass diese generell nicht als audiophile Abmischungen angesehen werden. Die Abmischungen sind meist diffus mit reichlich Hall versetzt, die Drums klingen wenig präzise und eher wenig druckvoll, sondern meist wie einfach mal dazugemischt. Dazu muss man wissen, dass vieles, was man auf einem Hackett Album der Neuzeit an Schlagzeug hört von Roger King virtuell eingespielt wurde, da die Aufnahmen fast alle im Hause Hackett stattfinden. Man muss zugeben, dass King das richtig gut macht. Auf dem Album kann man das echte Schlagzeug von programmierten Drumsamples nicht unterscheiden. Am Ende bleiben jedoch Schlagzeugspuren, die eher nur als Hintergrundberieselung für Hacketts Gitarren und Kings Keyboards dienen.

Im Surroundsound Mix muss man demnach auch einige Abstriche machen, was die Klangqualität angeht. Was die räumliche Anordnung der Instrumente im Mix angeht, scheint sich Roger King aber durchaus weiterentwickelt zu haben. Hier bleibt festzuhalten, dass es bisher Kings bester Mix ist und die reichhaltig arrangierten Songs im Surroundmix stellenweise sehr luftig daherkommen.

Auch auf diesem Album gibt es wieder eine Menge an orchestralen Streicherparts, die zum großen Teil wieder durch Einsatz einer virtuellen Sound Library von King eingespielt wurden. Die Streicher verteilen sich gut im Raum, sind meistens hinten angeordnet und klingen überraschend wenig nach Mischmasch sondern wie im Raum angeordnete Streicher, bei denen man die einzelnen beteiligten Instrumente heraushören kann.

In den hinteren Kanälen passiert relativ viel. Gitarrenparts sind hier anzufinden, ebenso wie diverse Keyboardpassagen und auch andere Instrumente, die hier und da als Farbtupfer verwendet werden, wie Blasinstrumente, Harmonikas, Flöten oder indische Sitars. Hierbei handelt es sich übrigens dann um echte Instrumente und nicht wieder um Roger King mit seiner Sound Library. Auch begleitender Gesang wird gerne über die Rears ausgegeben. Manchmal wird man sogar davon überrascht, dass Klänge durch den Raum fliegen. Surround-Soundtechnisch ist dieses Album richtig gut gelungen. Für eine richtig gute Benotung müsste Roger King aber noch einen guten, halbwegs audiophilen Sound entwickeln. Man darf auf das nächste Album gespannt sein.

Wertung: 86 %


Vorhandene Tonformate:
DTS  5.1
Dolby Digital 5.1
LPCM (48 kHz / 24 bit) Stereo

Album starten:

War auf dem letzten Album das Menü noch fehlerfrei (im Sinne von „Enter“, sonst nichts) konzipiert, muss man nun einmal die Downtast drücken, bevor man doppelt entert.

DOWN > ENTER > ENTER

DOWN > ENTER

ENTER

Abwertung: – 1%


Bonusmaterial:

Als Bonusmaterial gibt es wieder eine kleine Behind the Scenes Doku, die die Aufnahmen des Albums beleuchtet. Nicht wirklich anders, als die Dokus auf den früheren Alben: Hackett spielt im Wohnzimmer Gitarre, King mischt, Gastmusiker kommen dazu, King mischt und so weiter.

Aufwertung: + 0,5%


Anspieltipp:

Those Golden Wings


Fazit:

In der Qualität des Surround Mix gibt es mehr Weiterentwicklung als im musikalischen des Albums.

Pros / Cons:
+ guter Surroundmix
+ Wo Hackett draufsteht, ist Hackett drin
+ Making Of
– Albumstart mit leichten Problemen (-1%)
– Roger King sein Klang

 

GESAMTWERTUNG: 84 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD / DVD: Ist ohne Probleme für wirtschaftliche 20 Euro zu bekommen.

Stand: 15.05.2019

 


Links:

Offizielle Webseite von Steve Hackett

 

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