Chicago – Chicago X (Quad-Mix)
Erscheinungsjahr 1976 | Blu-ray Disc | Jazzrock
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Bevor in den nächsten Wochen in erster Linie aktuelle Veröffentlichungen besprochen werden, soll es hier nochmal um einen Klassiker gehen, der vor fast zehn Jahren auf Blu-ray erschienen ist. Damals brachte Rhino die Blu-ray-Box QUADIO von Chicago heraus, die alle quadrofonischen Veröffentlichungen der amerikanischen Band beinhaltete. Ich habe seitdem fast alle Alben immer wieder mal besprochen, aber CHICAGO X fehlte bisher. Da es in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, will ich das noch schnell nachholen. (Auch CHICAGO IX hatte ich noch nicht besprochen, dieses lasse ich aber außen vor, da es sich um eine Greatest-Hits-Zusammenstellung handelt.)
Mitte der 70er gehörten Chicago längst zu den erfolgreichsten Bands der USA. Die Gruppe hatte eine beeindruckende Serie erfolgreicher Alben veröffentlicht und verband Rock, Jazz, Soul und aufwendige Bläserarrangements zu einem damals unverwechselbaren Sound. Nach den intensiven Jahren zuvor machte die Band jedoch erstmals eine etwas längere Pause, nachdem das letzte Studioalbum CHICAGO VIII unter recht erschöpften Bedingungen entstanden war. Als die Musiker 1976 wieder ins Studio gingen, wirkte die Band deutlich konzentrierter und frischer.

Tracklist:
1 Once or Twice – 3:03
2 You Are on My Mind – 3:24
3 Skin Tight – 3:20
4 If You Leave Me Now – 3:58
5 Together Again – 3:53
6 Another Rainy Day in New York City – 3:01
7 Mama Mama – 3:31
8 Scrapbook – 3:28
9 Gently I’ll Wake You – 3:36
10 You Get It Up – 3:34
11 Hope for Love – 3:03
Gesamtdauer: 37:51
Musikalisch zeigt sich CHICAGO X deutlich kompakter und radiofreundlicher als viele der früheren Werke der Band. Während ältere Alben oft ausgedehnte Songs, komplexe Arrangements und lange Suiten enthielten, konzentriert man sich hier fast ausschließlich auf relativ kurze, eingängige Stücke mit klaren Hooklines. Besonders erfolgreich wurde dabei If You Leave Me Now, die von Peter Cetera geschriebene Ballade, die Chicagos erster Nummer-1-Hit wurde und das öffentliche Bild der Band nachhaltig verändern sollte.
Trotz der stärkeren Pop-Ausrichtung bleibt der typische Chicago-Sound weiterhin erkennbar. Die markanten Bläsersätze sind weiterhin präsent, wirken jedoch meist gezielter und weniger ausufernd eingesetzt als auf den frühen Alben. Dazu kommen funkige Grooves, Soul-Einflüsse und Balladen, die den Sound insgesamt glatter und zugänglicher erscheinen lassen. Stücke wie Skin Tight oder Once or Twice zeigen noch deutlich die rhythmische und jazzige Seite der Band, während Songs wie Mama Mama oder der Schmachtfetzen If You Leave Me Now bereits die spätere, stärker balladenorientierte Entwicklung andeuten. Gerade dieses Album zeigt meiner Meinung nach ganz gut, dass 20 Jahre später eine Band wie Jamiroquai von Chicago stark beeinflusst war.
Wertung: 72 %
Besetzung:
Peter Cetera – bass, lead and backing vocals
Terry Kath – electric guitars and acoustic guitar, lead and backing vocals
Robert Lamm – keyboards, lead and backing vocals
Lee Loughnane – trumpet, backing vocals, lead vocals
James Pankow – trombone, lead vocals, backing vocals
Walter Parazaider – woodwinds, backing vocals
Danny Seraphine – drums, backing vocals
Laudir de Oliveira – percussion, backing vocals
David J. Wolinski – keyboards
James William Guercio – lead and rhythm acoustic guitars, lead acoustic guitars
Vince DeRosa – French horns
David Duke – French horns
Othello Molineaux – steel drums
Leroy Williams – steel drums
Jimmie Haskell – string and brass orchestration, conductor
Ab 1974 begann Chicago damit, ihre Studioalben auch in Quadrophonie zu veröffentlichen, was angesichts des enormen Erfolgs der Band in den USA ein logischer Schritt war. CHICAGO X erschien wohl nahezu zeitgleich sowohl in der regulären Stereo- als auch in der Quad-Version. Für den Quadmix war erneut Wayne Tarnowski verantwortlich, der bereits die beiden vorherigen Chicago-Alben in Quadrophonie abgemischt hatte.
Auch bei diesem Mix zeigt sich sofort das typische Prinzip der damaligen Chicago-Quadmixe. Der Hörer wird regelrecht vom charakteristischen Bandsound umgeben. Im hinteren Bereich des Raumes befinden sich vor allem Keyboards, die Bläser und immer wieder Gitarrenparts. Dazu kommen Percussion-Elemente sowie Chorstimmen, die ebenfalls häufig aus den Rear-Lautsprechern erklingen. Vorne verbleiben überwiegend Leadgesang, Bass und Schlagzeug, wobei einzelne Gitarren auch frontal gemischt wurden. Auffällig bleibt allerdings erneut, dass der Leadgesang für heutige Hörgewohnheiten vergleichsweise leise ausgefallen ist und sich gegen die dichten Arrangements nur schwer behaupten kann. Das zieht sich im Grunde durch nahezu alle klassischen Chicago-Quadmixe.
Natürlich gibt es auch hier einige Ausnahmen in der Verteilung im Raum, besonders bei solierenden Instrumenten. Gitarren- oder Bläsersoli werden fast immer prominent vorne platziert. Im sechsten Stück Another Rainy Day in New York City fällt zudem ein Solo auf der Steel Drum auf, das ebenfalls klar frontal abgemischt wurde. Gleichzeitig finden sich immer wieder interessante Variationen in der Instrumentenverteilung. Besonders gelungen wirkt dabei If You Leave Me Now. Hier erklingen die akustischen Gitarren überwiegend aus dem hinteren Bereich, während die Keyboards eher vorne wahrnehmbar sind. Gemeinsam mit den ebenfalls hinten positionierten Streichern entsteht dadurch eine sehr atmosphärische und eindrucksvolle Raumwirkung. Die Hörner bleiben dagegen weiter vorne und leicht zur Raummitte versetzt. Gerade bei diesem Stück fällt zudem auf, wie viele akustische Gitarren überhaupt im Arrangement enthalten sind, die im weiteren Verlauf teilweise auch frontal hervortreten.
Ein weiteres Highlight des Quadmixes ist für mich Scrapbook. Hier kommen vor allem die Percussion-Elemente im hinteren Bereich hervorragend zur Geltung. Besonders gut gefällt mir dabei die Staffelung des Klangbildes. Es wird eben nicht einfach alles pauschal nach hinten gelegt, sondern die Bläser befinden sich eher vorne beziehungsweise leicht seitlich in Richtung Raummitte. Genau dadurch wirkt der Mix immersiver als manche anderen Stücke des Albums.
Wertung: 91 %
Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master 4.0
DTS HD Master Stereo
Album starten:
Der Quad-Mix startet sofort, nachdem die Blu-ray geladen wurde. Perfekt.
Bonusmaterial:
Auf diesem Album, wie auch auf den anderen Alben der Quadio-Box gibt es keine Extras. Was aber unbedingt erwähnt werden muss, ist die Art der Verpackung des Albums. Es kommt in einem Mini-Vinyl-Cover wie es auch in den 70ern veröffentlicht wurde. Sogar eine Minischutzhülle hat man der Blu-ray spendiert. Zudem beinhalten die Alben noch die Beigaben, die auch die Erstveröffentlichungen damals hatten, wie Textbeilagen, Poster, Bügelbilder und so weiter. Das macht die gesamte Box auch von außen sehr hochwertig. CHICAGO X enthält ein Miniposter.

Anspieltipp:
Scrapbook, If You Leave Me Now
Die gesamte Quadio-Box ist ein Muss für jeden Surround- und Chicago-Fan. Dies gilt auch für CHICAGO X.
Pros / Cons:
+ Gute quadrophonische Abmischung
+ High Resolution (+1 %)
+ Album startet automatisch
– leider keine Downloadcodes enthalten, um das Album auch unterwegs zu hören.
GESAMTWERTUNG: 86 %
Erläuterungen zur Bewertung
Blu-ray: Das Album gibt es nur in der Gesamt Quadio-Box, die schon damals schwer zu bekommen war und heute noch schwieriger zu bekommen ist. Die Gebrauchtpreise gingen zuletzt etwas runter (ca. 350 Euro), was daran liegen könnte, dass einiges bereits in Atmos verfügbar ist. Ich könnte mir vorstellen, dass in diesem Jahr auch noch CHICAGO X in Atmos erscheint, immerhin ist da ihr größter Hit drauf.
Stand: 29.05.2026
Links:
Offizielle Seite von Chicago