Robert Fripp – Exposure


Erscheinungsjahr 1979 | DVD | New Wave

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Bei EXPOSURE handelt es sich um das Debüt-Album von Robert Fripp, dem Gitarristen und Bandleader von King Crimson. Es wurde 1979 veröffentlicht und erreichte Platz 79 in den USA. Die meisten Texte stammen von der Dichterin und Texterin Joanna Walton, die 1988 beim Lockerbie Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Nachdem Robert Fripp King Crimson nach dem Album RED für beendet erklärte, half er Peter Gabriel dabei, seine Solokarriere zu starten. Später arbeitete er mit Daryl Hall und David Bowie zusammen und sorgte beim Letzteren für den berühmten Gitarrensound auf dessen Song Heroes. Zwischenzeitlich war Robert Fripp nach New York gezogen und sog die dortige musikalische Neuorientierung auf.

Fripp produzierte und wirkte an den Alben SACRED SONGS von Daryl Hall und PETER GABRIEL II mit und wollte mit diesen Kollaborationen das Wesen des Popsongs erforschen, etwas was seiner alten Band King Crimson völlig fremd war. Sein erstes Soloalbum sollte dabei Teil einer Trilogie mit diesen beiden von ihm produzierten Alben bilden und LAST OF THE GREAT NEW YORK HEARTTHROBS heißen. Allerdings hat er die Rechnung ohne Halls Management gemacht, denn dieses wollte seinen Künstler nicht als Aushängeschild auf dem Album eines anderen Künstlers wissen. Hall der ursprünglich der Hauptsänger auf EXPOSURE werden sollte, erhielt letztendlich nur zwei Stücke zum Einsingen. Für den Rest gewann er Peter Hammill von Van Der Graaf Generator und die Sängerin Terre Roche. Auch Peter Gabriel übernahm ein Stück, und zwar sein Eigenes. Here Comes The Flood, welches bereits auf seinem ersten Soloalbum veröffentlicht war, erhielt auf EXPOSURE eine Neuinterpretation, die fast so wurde, wie Peter Gabriel sie anschließend auf seinen Konzerten spielte: als Pianoballade.

Die Gäste, die Robert Fripp auf EXPOSURE auftreten ließ, lesen sich wie eine Allstarband der späten 70er-Jahre. Neben den Sängern Hall, Hammill und Gabriel wirkten auf dem Album auch Phil Collins, Brian Eno, Tony Levin, Barry Andrews (XTC) und Jerry Marotta mit.

So richtig zufrieden scheint Robert Fripp aber mit seinem ersten Soloalbum nicht zu sein. Denn bereits 1983 wurde es neu abgemischt und wiederveröffentlicht. 2006 war auch diese Version nicht mehr gut genug, sodass eine dritte her musste. Die jetzige Version, die von Steven Wilson gemischt wurde, heißt nun konsequenterweise „Fourth Edition“. Anders als dies bei den Wiederveröffentlichungen von King Crimson noch üblich war, ist in der Einzelausgabe von EXPOSURE keine DVD-Audio mehr enthalten, sondern nur noch eine DVD.

Robert Fripp Exposure Surround


Tracklist:

1 Preface – 1:16
2 You Burn Me Up I’m a Cigarette – 2:24
3 Breathless – 4:43
4 Disengage – 2:46
5 North Star – 3:06
6 Chicago – 2:12
7 NY3 – 2:16
8 Mary – 2:06
9 Exposure – 4:25
10 Hååden Two – 2:53
11 Urban Landscape – 2:35
12 I May Not Have Had Enough of Me but I’ve Had Enough of You – 3:50
13 First Inaugural Address to the I.A.C.E. Sherborne House – 0:07
14 Water Music I – 1:27
15 Here Comes the Flood – 4:01
16 Water Music II – 4:16
17 Postscript – 0:40

Gesamtdauer: 45:28


Die Musik:

New York war das Zentrum von Punk Rock und kurz drauf dem New Wave und es ist klar, dass diese Einflüsse auf EXPOSURE zu hören sind. Generell ist Robert Fripp ein sehr abwechslungsreiches Album gelungen, dass zwar viele kurze 3-Minuten Songs enthält, andererseits aber nicht wirklich eingängig klingt. Es gibt mehrere Nummern, die die eindeutige Handschrift des Punks haben, aber auch instrumentale Songs, die auch noch aus der letzten Phase von King Crimson hätten stammen können. Dazwischen gibt es viel Experimentierfreude mit Samples und Geräuschen.

Zu der Zeit experimentierte Fripp viel mit Bandmaschinen und Loops. Gemeinsam mit Brian Eno entwickelte er die Frippertronics. Verwendet wurden hier zwei Bandmaschinen, auf der ein Band gespannt war. Die erste Bandmaschine nahm ein Signal auf, die zweite gab das soeben aufgezeichnete Signal unmittelbar danach wieder. In Zusammenarbeit mit einem Mischpult ergab dies einen besonderen Gitarrensound mit langen Gitarrenschleifen, die sich gegenseitig weiter aufbauten. Auf EXPOSURE sind diese Frippertronics immer wieder mal zu hören.

Bemerkenswert ist das kurze rockige Stück NY3. Bei diesem spielte Fripp Samples eines Familienstreits immer wieder passend zur Musik ab und ließ die Schnipsel wie Sprechgesang wirken und das zu einer Zeit, als es Hilfsmittel wie den Fairlight noch nicht gab und man dort einfach die entsprechende Keyboardtaste hätte drücken müssen.

Wertung: 67 %


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, Frippertronics, vocal on „Exposure“
Daryl Hall – vocals on „Preface“, „You Burn Me Up“, „North Star“, piano on „You Burn Me Up“ and „Chicago“
Terre Roche – vocals on „Mary“, „Exposure“, „I’ve Had Enough of You“,
Peter Hammill – vocals on „Disengage“, „Chicago“, „I’ve Had Enough of You“,
Peter Gabriel – vocals and piano on „Here Comes the Flood“; voice on „Preface“
Brian Eno – synthesizer on „North Star“, „Here Comes the Flood“ voice on „Preface“, „Hååden Two“, „Postscript“
Barry Andrews – organ on „Disengage“, „NY3“, „I’ve Had Enough of You“
Sid McGinnis – rhythm guitar on „Exposure“; pedal steel guitar on „North Star“
Tony Levin – bass
Jerry Marotta – drums on „You Burn Me Up“, „Chicago“, „Exposure“, „Hååden Two“
Narada Michael Walden – drums on „Breathless“, „NY3“, „I’ve Had Enough of You“
Phil Collins – drums on „Disengage“, „North Star“
Edith Fripp – speaking voice on introduction to „Disengage“
Evelyn Harris – voice
J.G. Bennett – voice on „Exposure“, „Hååden Two“, „First Inaugural Address“, „Water Music I“
Shivapuri Baba – voice on „You Burn Me Up“


Der Surroundmix:

Die Stücke auf EXPOSURE könnte man grob in zwei Kategorien einteilen. Zum einen gibt es Stücke, die einen dichten Gesamtsound haben, vor allem durch viele verzerrte Gitarren. Andererseits gibt es Stücke, die deutlich luftiger ausgelegt sind. Hier lassen sich vor allem die ruhigen Stücke und jene dazurechnen, die mit Robert Fripps Frippertronics bestückt sind.

Im Surroundmix bedeutet dies, dass die Stücke mit dem dichten Sound objektiv gesehen etwas weniger diskret klingen. Bei diesen Stücken, wie den rockigen You Burn Me Up oder NY3, ist es nicht einfach, gezielt Instrumente hinter der Sitzposition auszumachen. Natürlich hat Steven Wilson auch da Spuren hingelegt, dort sind viele Gitarren zu hören, aber die gibt es eben auch vorne. Und so ist man einerseits umzingelt von Gitarren, ohne dass hier der typische diskrete Höreindruck entsteht.

Ganz anders ist es aber bei den eingangs erwähnten luftigen Stücken. Ob zusätzliche Gitarrenspuren oder Frippertronic-Sounds, Klavier oder Synthesizer, vieles wird hier von Steven Wilson in die hinteren Kanäle gelegt, sodass sich diese Instrumente von Gesang, Schlagzeug und Bass, die größtenteils vorne bleiben, abheben können. Gerade die unterlegten Frippertronics kommen hier fabelhaft zur Geltung und schwirren teilweise auch durch den Raum. Vor allem im Stück Here Comes The Flood hat mir das besonders gefallen, welches sehr sparsam instrumentiert ist. Es besteht lediglich aus Klavier und Gesang von Peter Gabriel und Robert Fripps Begleitung auf der Gitarre. Gabriel ist hier mit seiner Stimme und dem Klavier vorne zu finden, Fripp mit seinen schwebenden Sounds hinten, was den Song um einiges aufwertet. Im Stereobild sind diese Gitarrensounds in den Hintergrund gemischt und wirken fast wie ein Störfaktor. In Surround dagegen klingt das viel stimmiger.

Neben dem Studioalbum gibt es noch fünf Bonustracks in Surround, die direkt im Anschluss automatisch abgespielt werden. Hierbei handelt es sich um die Frühversionen der Stücke, die Daryl Hall bereits eingesungen hatte, bevor sein Management auf die Barrikaden ging. Neben dem unterschiedlichen Gesang gibt es noch hier und da leichte Änderungen im Arrangement. Das Stück NY3 hat hier sogar richtige Lyrics, die von Hall gesungen werden und keine Streitsamples aus dem Ghetto.

Wertung: 96 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1 96/24
LPCM 2.0

Album starten:

Früher wurden die King Crimson Alben mit DVD-Audios veröffentlicht. EXPOSURE hat hier aber nur eine normale DVD, auf der sich der Surroundmix befindet. Für den Start des Albums bedeutet dies, dass es sich durch zweimaliges Drücken der Enter-Taste nach dem Discipline Global Mobile Logo starten lässt, aber dann erstmal nur in Stereo spielt. Über die Audiotaste kann man auf DTS umstellen. Will man das vorher im Menü machen, gilt diese Kombination.

ENTER > DOWN > DOWN > ENTER > DOWN > ENTER > ENTER

Robert Fripp Exposure Surround DVD Menu

ENTER

DOWN > DOWN > ENTER

DOWN > ENTER > ENTER

 

Abwertung: -2 %


Bonusmaterial:

Es gibt die zuvor erwähnten fünf Bonustracks in Surround. In Stereo gibt es auf der DVD zudem die dritte Version des Albums und noch das unveröffentlichte Album LAST OF THE GREAT NEW YORK HEARTTHROBS, also die Ursprungsversion von EXPOSURE, wie sie eigentlich 1978 hätte veröffentlicht werden sollen.

Aufwertung: +1,5 %


Anspieltipp:

Here Comes The Flood, Mary


Fazit:

Sehr guter Surroundmix, die Musik benötigt einige Hördurchläufe.

Pros / Cons:
+ sehr guter Surroundmix
+ Bonusmaterial (+ 1,5%)
– Start des Surroundmixes etwas umständlich (- 2%)

 

GESAMTWERTUNG: 89 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD/DVD: Diese im Sommer 2022 erschienene Ausgabe sollte noch ohne Probleme bei normalen Konditionen um die 20 Euro erhältlich sein.

Boxset mit DVDs und Blurays: EXPOSURE ist außerdem in einer exklusiven Sonderedition veröffentlicht worden mit 25 CDs, 3 DVDs, 4 Blurays und einem großen Buch. Es enthält nicht nur das Album EXPOSURE, sondern alle Studio und Liveaufnahmen von Robert Fripp aus den Jahren 1977-1983. Neben EXPOSURE gibt es in dieser Box noch fünf oder sechs weitere Surroundmixe (teilweise auch in Dolby Atmos), wovon (bisher) nur WASHINGTON SQUARE CHURCH einzeln veröffentlicht wurde. Auf zwei Blurays gibt es 68 Stunden voller Frippertronic Aufnahmen. Vermutlich zuviel, um es in einem ganzen Leben durchzuhören. Bei der Fülle an Material sind die knapp 200 Euro für diese Box fast ein Schnäppchen.

Stand: 29.07.2022

 


Links:

Offizielle Webseite von King Crimson: DGM Live

 

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