Paul Young – No Parlez
Erscheinungsjahr 1983 | Blu-ray Disc / Streaming | Pop
Springen zu: Musik | Surroundmix | Albumstart | Bonusmaterial | Fazit | Verfügbarkeit
Paul Youngs musikalischer Weg bis zu seinem Solodebüt NO PARLEZ war von mehreren Bandkonstellationen geprägt, die trotz ausgiebiger Live-Aktivität nur begrenzten Erfolg erreichten. Nach frühen Stationen bei Kat Kool & The Kool Kats, Streetband und später bei den Q-Tips galt Young in erster Linie als talentierter Blue-Eyed-Soul-Sänger, der jedoch keine stabile kommerzielle Basis fand. Erst nach dem Ende der Q-Tips 1982 und dem anschließenden Vertragsabschluss mit CBS Records erhielt er die Möglichkeit, ein eigenes musikalisches Profil zu entwickeln.
Die Arbeiten an NO PARLEZ begannen 1982 im The Workhouse Studio in London. Ziel war es, Youngs Soul-orientierte Stimme mit einem zeitgemäßen, stärker Pop- und New-Wave-orientierten Klangbild zu verbinden. Produzent Laurie Latham entwickelte dafür einen markanten Sound, der stark auf rhythmische Elemente, den charakteristischen Fretless-Bass von Pino Palladino und prägnante Backing Vocals setzte. Die Kernbesetzung der Aufnahmen bestand aus dem eingespielten Musikerteam, das von Young selbst als „The Royal Family“ bezeichnet wurde.
Das Album basierte überwiegend auf Fremdkompositionen und verband Soul-Klassiker, weniger bekannte Songs und zeitgenössisches Material. Young beteiligte sich nur an zwei Titeln als Co-Autor. Der internationale Durchbruch gelang schließlich mit der Single Wherever I Lay My Hat (That’s My Home), einer Marvin-Gaye-Coverversion, die 1983 drei Wochen lang an der Spitze der britischen Charts stand. Es folgten weitere erfolgreiche Singles wie Come Back and Stay und Love of the Common People, die die Nachfrage nach Youngs Solomaterial deutlich steigerten. Heute dürfte vor allem Come Back and Stay als ein echter Klassiker aus den 80ern gelten.
NO PARLEZ entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller und prägte den Pop- und Soul-Sound der frühen 1980er Jahre nachhaltig. Der charakteristische Einsatz des Fretless-Bass wurde stilbildend und verhalf Pino Palladino zu weltweiter Bekanntheit. Das Album bleibt das kommerziell erfolgreichste Werk von Paul Young und markiert seinen Übergang vom langjährigen Bandmusiker zum internationalen Pop-Künstler. NO PARLEZ erschien 2024 als Teil 17 der SDE Surround Sound Series auf Blu-ray und ist auch im Streaming in Dolby Atmos verfügbar.

Tracklist:
1 Come Back and Stay – 4:57
2 Love Will Tear Us Apart – 5:01
3 Wherever I Lay My Hat (That’s My Home) – 5:18
4 Ku Ku Kurama – 4:20
5 No Parlez – 4:54
6 Love of the Common People – 4:56
7 Oh Women – 3:34
8 Iron Out the Rough Spots – 4:47
9 Broken Man – 3:55
10 Tender Trap – 4:31
11 Sex – 4:49
12 Behind Your Smile – 4:08
13 I’ve Been Lonely for So Long – 3:37
14 Yours – 5:39
Gesamtdauer: 64:44
NO PARLEZ präsentiert eine Mischung aus Soul, New Wave, Pop-Rock und Funk-Elementen. Das Album verbindet klassischen Soul und R&B mit zeitgenössischen 1980er-Jahre-Produktionsmitteln und erzeugt so einen damals modernen, zugänglichen Sound. Paul Youngs Gesang wird als glatt und soulvoll beschrieben.
Musikalisch zeigt NO PARLEZ eine große Vielfalt. Die Hit-Singles sind eher straightforward, groove-orientierte Soul-Nummern: Wherever I Lay My Hat (That’s My Home) ist eine wärmende Soul-Ballade, getragen von Palladinos charakteristischem Fretless-Bass. Come Back and Stay ist eine lebhafte, funky Pop-Soul-Nummer, bei der die Backing-Vocals von Maz Roberts und Kim Lesley besonders hervortreten. Love of the Common People ist ein kraftvolles, sozial bewusstes Soul-Stück, das an Stevie Wonders Living for the City erinnert.
Später zeigt NO PARLEZ eine experimentelle Seite: Das Titelstück No Parlez kombiniert politische Lyrics mit einem chant-ähnlichen Refrain und einer Drum-Machine-Coda, die thematisch kaum mit dem restlichen Song verbunden ist. Love Will Tear Us Apart ist eine düstere Post-Punk-Coverversion des Joy-Division-Klassikers, inklusive einer französischen Sprachpassage. Behind Your Smile nutzt ungewöhnliche Gesangseffekte, die dem Song eine eigenwillige, fast futuristische Atmosphäre verleihen.
Die Produktion zeichnet sich durch Synthesizer-Effekte, moderne 80er-Jahre-Produktionsästhetik und kreative Backing-Vocals aus, die das Album von typischen Soul-Produktionen abheben. Keyboarder Ian Kewley war maßgeblich für die Instrumentation und die Arrangements verantwortlich.
NO PARLEZ wurde seinerzeit in unterschiedlichen Fassungen veröffentlicht: Die US-Vinyl-Ausgabe kürzte einige Songs, während die CD-Ausgabe längere Versionen enthielt. Für den Dolby Atmos-Mix wurde die UK-Vinyl-Version als Referenz genommen, zusätzlich wurden drei Bonustracks integriert.
Wertung: 78 %
Besetzung:
Paul Young – lead vocals, backing vocals, guitars,
Ian Kewley – acoustic piano, Oberheim OB-X, E-mu Emulator, vocoder, atmospheric sounds, strings, marimbas, bells, backing vocals,
Matt Irving – ARP synthesizer, Roland MC-4 Microcomposer, guitars, bass guitar, backing vocals
Steve Bolton – acoustic piano doodlings, guitars, lap steel guitar
Pino Palladino – bass guitar, Chapman Stick
Mark Pinder – drums, Simmons drums, Roland TR-808, percussion, cowbells
Rico Rodriguez – trombone
Kim Lesley – backing vocals, congas
Marilyn „Maz“ Roberts – backing vocals
Eyethu – backing vocals
Ich glaube, es war dieses Album, das in mir die Erkenntnis wachsen ließ, dass sich Popalben aus den 1980ern besonders gut für eine Dolby-Atmos-Abmischung eignen. David Kosten hatte hier jede Menge Material zum Verteilen. Wie oben erwähnt, ist NO PARLEZ voll von typischen 80er-Jahre-Klängen, und man spürt regelrecht, dass es ihm großen Spaß gemacht haben dürfte, diese Klänge im gesamten Raum zu positionieren.
Das Ergebnis ist ein sehr immersiv abgemischtes Album, bei dem man von allen Richtungen von Klängen umgeben wird. Es gibt zahlreiche Keyboards und Synthesizer, die vorne, hinten und auch über dem Kopf erklingen. Immer wieder tauchen einzelne Klänge auf, sei es nur für wenige Sekunden. Gleiches gilt für Schlagzeug, Drumcomputer und alle anderen perkussiven Elemente. Während das akustische Schlagzeug überwiegend frontal wahrgenommen wird, werden elektronische Percussions immer wieder hinten oder oben im Raum platziert.
Gitarren sind auf dem Album rar, doch wenn sie erklingen, werden sie gern in eine der hinteren Ecken oder seitlich im Raum positioniert. Besonders markant ist das Bassspiel von Pino Palladino, das meist vorne bleibt, aber vom Gefühl her leicht angehoben wirkt, sodass es deutlich hervorsticht.
Der überwiegend weibliche Chorgesang wurde meist hinter dem Hörplatz breit und oft höher positioniert platziert. Gelegentlich gibt es Bewegungen im Raum, die vor allem von elektronisch verfremdeten Sounds erzeugt werden. Auch Stimmeffekte kommen vor, die hin und wieder von hinten nach vorne durch den Raum schweben.
Die Blu-ray enthält zusätzlich einen separaten 5.1-Mix, der sich vom Atmos-Downmix unterscheidet. Meiner Meinung nach klingt er auf einem 5.1-System etwas besser. Auch hier ist der Mix sehr räumlich und vermittelt eine beeindruckende Tiefenstaffelung.
Wertung: 97 %
Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS HD Master 5.1
LPCM 2.0
Das Album startet durch drücken der Enter-Taste direkt in Dolby Atmos
Auf der Blu-ray enthalten sind noch die ursprünglichen Stereo-Fassungen (LP-Fassung und die um 13 Minuten längere CD-Fassung). Außerdem enthalten ist ein Instrumental Mix.
Aufwertung: 1,5 %
Anspieltipp:
Come Back and Stay, Iron The Rough Spots
David Kosten kann nicht nur Mike Oldfield. Sehr gute Atmos-Abmischung!
Pros / Cons:
+ sehr guter Mix in Dolby Atmos
+ High Resolution (+1 %)
+ Bonusmaterial auf der Blu-ray (1,5 %)
GESAMTWERTUNG: 94 %
Erläuterungen zur Bewertung
Blu-ray: Die Blu-ray gab es exklusiv im SDE-Shop und ist nur noch gebraucht zu bekommen. Preise dürften so um 60-80 Euro liegen.
Streaming: Im Streaming kann das Album ebenfalls in Dolby Atmos gehört werden.
Stand: 05.01.2026
Links:
Offizielle Seite von Paul Young