Opeth – In Cauda Venenum


Erscheinungsjahr 2019 | Blu-ray Disc | Progressive Metal

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Von Mike W. K.

Das 13. Studioalbum von Opeth heißt IN CAUDA VENENUM. Der lateinische Titel bedeutet: Im Stachel ist (das) Gift. Ein Scorpion fällt mir dazu zum Beispiel ein. Aber an die Scorpions erinnert mich das Album nun ganz und gar nicht. Es erschien am 27. September 2019 und wurde von November 2018 bis Januar 2019 in den Park Studios Stockholm / Schweden aufgenommen. Produziert und gemischt wurde es von Stefan Bomann und Mikael Åkerfeldt zusammen mit Opeth. Das Album ist sowohl in englischer als auch schwedischer Sprache erschienen.

Wie nicht anders erwartet, braucht das Album einige Hördurchgänge um richtig gut zu gefallen. Die Musik von Opeth ist ohnehin eher für aufgeschlossene Hörer, welche ohnehin der Musik Zeit geben, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Die Platte gewinnt mit jedem Anhören, wie so oft …

Das Artwork wurde von Travis Smith erstellt, der häufig für Opeth arbeitet.


Tracklist:

 1 Garden of Earthly Delights – 3:29
2 Dignity – 6:35
3 Heart in Hand – 8:30
4 Next of Kin – 7:08
5 Lovelorn Crime – 6:34
6 Charlatan – 5:29
7 Universal Truth – 7:21
8 The Garroter – 6:44
9 Continuum – 7:23
10 All Things Will Pass – 8:31

Gesamtdauer: 67:44


Die Musik:

Garden of Earthly Delights als Intro ist Keyboard dominiert, mit vielen Retrosounds. Ein gutes Intro, wenn auch für Opeth ungewohnt, vor allem wenn ein Sequencer zum Einsatz kommt. Glockenspiel im Surround bei Dignity … eine interessante Mischung.

Allerdings gibt es auf dem Album reichlich Gitarrensoli und die immer von hoher spielerischer Qualität. Es ist eine typische Opeth-Platte der Neuzeit. Der immer schon typische Wechsel zwischen harten Rockgitarren und akustischen, sowie effektvoll eingesetzten Keyboards, Streichern und Mikaels klarer Gesang machen einen typischen, stimmigen Opeth Sound. Überhaupt ist Åkerfeldt stimmlich gut drauf.

Das Outro von Dignity erinnert mich sehr an Storm Corrosion. Solche Momente kommen immer wieder vor, die können sozusagen als musikalische Zitate gelten. Charlatan ist eher heavy, da hat es gut getan, dem Subwoofer 6dB mehr Pegel zu geben. Überraschenderweise endet der Song ziemlich progressiv mit gregorianischen Chören. Für Opeth sind das neue und ungewohnte Klänge. Aber was typisch Opeth ist, du weißt nie, was als nächstes kommt.

The Garroter klingt etwas jazzy, das Schlagzeug und die weichen E-Gitarren mit Hall prägen diesen Sound. Continuum und All Things Will Pass erinnern mich an Pale Communion und Heritage.

Wertung: 89% (nach einigen Hördurchgängen)


Besetzung:

Mikael Åkerfeldt – lead & backing vocals, guitars and ramblings
Fredrik Åkesson – lead & rhyth guitars, backing vocals, whistles and coughs
Martin Axenrot – drums and percussion
Martín Méndez – assorted bass guitars
Joakim Svalberg – keyboards and backing vocals


Der Surroundmix:

Garden of Earthly Delights fängt mit Mellotron-Chören an, die vorwiegend in die Front gemischt wurden. Weitere Mellotron Sounds kommen dann auf den Rears, aber nicht statisch, sowie eine Retro-Synthi-Sequecer-Line vorne mit gelegentlichem Effektanteil hinten und Soundscapes (u.a. hustet Frederick Åkesson im Surround). Das fängt ja interessant an.

Der Mix ist ein wenig frontlastig, dann meist mit etwas Effekt- und Raumanteil in den Rears. Außerdem sind Soundscapes, Stimmen und ähnliches oft hinten, unter anderem sind die Stimmen von Mikael Åkerfeldts Töchtern Mellinda und Mirjam zu hören. Mein Eindruck: solange im Stereobild genug Platz war, wurden die Instrumente auch nicht weiter im Surroundfeld verteilt. Es muss ja auch nicht krampfhaft alles auf allen Lautsprechern verteilt werden.

Überraschend sind dann die Vocals bei Heart In Hand sehr präsent in den hinteren Lautsprechern. Die Bassgitarre ist auf den vorderen Lautsprechern richtig gut zu vernehmen, sodass ich dadurch veranlasst wurde, doch noch einmal am Center zu hören, ob da auch wirklich nichts herauskommt. Nein, der Center ist und bleibt stumm.

Next of Kin – hier sind die Streicher hinten und die Front bekommt Platz für den Rest, was dem Mix gut tut.

Lovelorn Crime – der Song ist richtig schön gemixt. Streicher hinten, aber auch die Vocals sind überall im Raum.

Die letzten vier Songs haben für mich eine geheimnisvolle Verbindung. The Garroter fällt etwas aus dem Rahmen, da der Mix sich unterscheidet, sind die Instrumente auf den vier Lautsprechern gut verteilt und das Schlagzeug links und nicht wie üblich vorne. Dafür sind die Soundscapes auf den Frontlautsprechern, wie die Lead Vocals auch. Klavier links, Vocals rechts, das ist ja fast wie in den quadrophonischen Mixen der 70er. Continuum startet mit dem Schlagzeug. Auch hier tut der aufgedrehte Subwoofer gut. Insofern ist die m.E. fehlerhafte Lücke zwischen dem vorletzten und letzen Song richtig störend und führt zur Abwertung (s.u.).

Der Mix ist insgesamt anders, so einen in der Art habe ich bisher noch nicht gehört. Durchaus abwechslungsreich und deutlich besser, als der flache 5.1 Mix von Sorceress. Aber an den Steven Wilson Mix von Pale Communion, der m.E. Referenzklasse ist, kommt er nicht heran.

Die Soundscapes sind nicht in Englisch, sondern in Schwedisch.

Wertung: 85 %


Der Sound:

Es ist kein 5.1 Mix, sondern 4.1, kein Center, wobei von dem Subwoofer nicht intensiv Gebrauch gemacht wurde. Also eher ein „klassischer Quad-Mix“. Wobei klassisch nicht zutreffend ist. Mir persönlich fehlt Bass. Ich habe mich mehrfach vergewissert, dass der Subwoofer auch an ist. Außerdem habe ich fünf full-range Lautsprecherboxen, die tief hinuntergehen. Deshalb habe ich den Subwoofer hier aufgedreht. Sorceress (CD) hat definitiv mehr Bass.


Vorhandene Tonformate:
LPCM 4.1 48kHz

Bemerkungen:

Der Übergang zwischen 01. Garden Of … und 02. Dignity ist unterschiedlich zur CD-Version. Es ist irgendwie ein Fade-In bei Dignity, während es auf der CD quasi fließend ist.

Zwischen 09. Continuum und 10. All Things Will Pass ist auf der Blu-ray eine Pause, die da nicht hingehört. Auf der CD fließen die beiden Stücke ineinander über, wie das gehört. Das ist in beiden Sprachversionen so. Da mich dieser Fehler völlig nervt, gibt es Abzug! So etwas muss nicht sein.

Abwertung: – 5 %


Album starten:

Nachdem die Trailer und FSK Hinweis abgespielt wurden, Play drücken. Dann wird die schwedische Fassung abgespielt. 1x Down und Play stattdessen, dann spielt die englische Fassung. Stereo gibt es ja nicht zur Auswahl.


Bonusmaterial:

Keines. Nur die schwedische und englische Surroundversion sind auf der Blu-Ray. Kein Stereo, schade.


Anspieltipp:

Charlatan, Continuum + All Things Will Pass (gehören zusammen)


Fazit:

Erneut eine gelungene Platte. Der ruhige Anteil überwiegt, aber immer mit guten Heavyrock-Einlagen und brillanten Soli. Es gibt hier nur cleanen Gesang. Aber das hat Mikael Åkerfeldt schon zu Heritage angekündigt, dass dies in Zukunft so bleiben soll. Musik, Klang und der Mix sind gut, auch wenn nicht so gut wie Pale Communion (Album Nr. 11).

Pros / Cons:
+ Gute Quadmischung
+ in zwei Sprachen, Schwedisch / Englisch, das ist einmal etwas Neues
+ High-Res (+1 %)
– Fehler im Authoring (-5 %)
– keine Stereo Version auf der Blu-Ray
– Box teuer. Eine separate Doppel-CD mit Blu-Ray wäre m.E. sinnvoller gewesen. Wer Surround hört, braucht meistens kein extra Vinyl

 

GESAMTWERTUNG: 82 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Deluxe Box: Das Werk ist als CD in Englisch oder Schwedisch, sowie als Doppel-CD mit beiden Sprachversionen erschienen, ebenfalls als Doppel-LP in den beiden Sprachen. Das Boxset (limited edition, angeblich 4000 Stück) enthält beide LPs, die Doppel-CD, sowie die Blu-ray mit dem Surroundmix. Diese kostet ca. 65 EUR aufwärts und ist (noch) verfügbar.

Stand: 08.10.2019

 


Links:

Webseite von Opeth

 

 

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