Mike Oldfield – Crises


Erscheinungsjahr 1983 | DVD | Progressive Rock

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1983 war es exakt zehn Jahre her, dass Mike Oldfield mit seinem Debüt Tubular Bells äußerst erfolgreich auf sich aufmerksam machte. Zum Jubiläum brachte Oldfield sein mittlerweile achtes Studioalbum heraus. Im Jahr zuvor hatte er mit Five Miles Out bereits sein neues Albumkonzept etabliert, welches er fast über die gesamten 80er Jahre durchziehen musste.

Eine Albumseite (damals gab es noch Vinylplatten) war für den experimentierenden Mike Oldfield reserviert. Diese bestand aus einem instrumentalen Track, der die gesamte Plattenseite beanspruchte. Die zweite Seite dagegen war kommerziell orientiert und enthielt eingängige kurze Stücke, die man ohne große Probleme und mit guten Gewinnaussichten als Single veröffentlichen konnte. Dies machte er nicht freiwillig, es war der Druck der Plattenfirma, und hier in erster Linie der Druck von Richard Branson, dem Chef von Virgin Records, der für instrumentale Musik, wie Mike Oldfield sie seit den 70ern machte, keinen Markt sah. So einigte man sich mehr oder weniger auf diesen Kompromiss. Mit CRISES, so der Titel des Albums, hat Mike Oldfield diese zwei Seiten der Medaille perfektioniert.

Entstanden ist CRISES wieder mit seiner Band, die Oldfield seit einiger Zeit im Studio und Live begleitete. Interessanterweise klingt der Vorgänger Five Miles Out wie ein richtiges Bandalbum, CRISES jedoch weitaus weniger. Hier hat man vielmehr das Gefühl, dass man nur Mike Oldfield an seinen unzähligen Instrumenten hört, dazu noch den Schlagzeuger und auf der zweiten Albumseite den jeweiligen Gastsänger. Als Schlagzeuger ist Simon Phillips an Bord, der wohl erst durch seine famose Schlagzeugarbeit auf CRISES in die Liste der Schlagzeuger, die man sich merken muss, aufgenommen wurde. Für den Gesang war wieder Maggie Reilly zuständig, allerdings nur auf zwei Stücken. Die anderen beiden Songs wurden von Yes-Frontman Jon Anderson und Roger Chapman gesungen.

CRISES sollte überaus erfolgreich werden und platzierte sich fast überall in den Top 10, in Deutschland kletterte das Album bis auf Platz 1. Ursache hierfür war nicht der lange instrumentale Titeltrack, sondern der von Maggie Reilly gesungene Song Moonlight Shadows, der heutzutage einer dieser gefühlten 30 Hits ist, die ohne Abwechslung in Lokalradios gespielt werden, weil es anscheinend sonst keine andere Musik gibt.

Zum 30-jährigen Geburtstag erschien 2013 eine Sonderedition von CRISES, die neben dem Album und einem Konzertmitschnitt auch einen neuen von Oldfield erstellten Surroundmix auf DVD enthält. Das Ganze kommt in grünem Karton, der neben des Discs noch ein kleines Begleitbuch enthält.


Tracklist:

1 Crises – 20:38
2 Moonlight Shadow – 4:00
3 In High Places – 3:53
4 Foreign Affair – 4:13
5 Taurus 3 – 2:50
6 Shadow on the Wall – 5:13

Gesamtdauer: 40:42


Die Musik:

Auf CRISES dominieren Keyboards. Oldfield macht hier exzessiven Gebrauch von Synthesizern, die damals das Nonplusultra waren: Dem Roland String Synthesizer, dem Prophet V, dem Oberheim OB-X und vor allem dem Fairlight CMI, dem ersten computerunterstützten Musikinstrument.

Zu Beginn des langen Titelstückes erkennt der aufmerksame Hörer eine Reminiszenz an das Erstlingswerk des Multi-Instrumentalisten. Ein Synthie-Klavier-Arpeggio erinnert an den Anfang von Tubular Bells, ohne dass es als Selbstplagiat wahrgenommen wird, was man Oldfield in den späteren Jahren immer wieder mal vorgeworfen hat.

Das Titelstück besteht aus einer Reihe von musikalischen Teilen, die zu einem Ganzen gefügt wurden und ist im Grunde ein typischer Progressive Rock Long-Track, nur ohne irgendwelchen pathetischen Science-Fiction-Lyrics. Nach dem ziemlich elektronischen Beginn kommt ein unerwarteter Blues-Rock-Part, der dann in einen schnellen Rockstampfer überwechselt. Später gibt es eine eher ruhig gehaltene Passage, bei der Mike Oldfield einige wenige Textzeilen singt: Er besingt das Albumcover der Platte. In diesen Rock-geprägten Stellen sind die Synthesizer eher dezent eingesetzt. Ab der zweiten Hälfte des Stückes übernehmen wieder die Keyboards die Herrschaft, um dann im grandiosen Finale von Simon Phillips Schlagzeugspiel regelrecht überrollt zu werden.

Die zweite Plattenhälfte ist wie bereits erwähnt den kommerziellen Stücken gewidmet. Hier dominieren leicht zugängliche Pop- und Rocksongs, die lediglich durch das Flamenco-artige Instrumental Taurus 3 unterbrochen werden.

Wertung: 90 %


Besetzung:

Mike Oldfield – guitars, Fairlight CMI, Roland string synthesizer, Oberheim OB-Xa synthesizer, Prophet 5 synthesizer, Farfisa organ, piano, bass guitar, harp, mandolin, banjo, Simmons electronic drums, bells, tambourine, shaker, Oberheim DMX drum machine, Oberheim DSX digital polyphonic sequencer, vocals
Simon Phillips – acoustic Tama drums, special effects, shaker, finger-snaps, bells, tambourine and boots
Maggie Reilly – vocals
Jon Anderson – vocals
Roger Chapman – vocals
Ant – guitars
Rick Fenn – guitar
Phil Spalding – bass guitar
Pierre Moerlen – vibraphone


Der Surroundmix:

Mike Oldfield war meine erste musikalische Erfahrung und das Album CRISES kenne ich seit ich etwa sieben oder acht Jahre alt bin. Ich kenne es also ziemlich auswendig. Was Mike Oldfield damit im Surroundmix angestellt hat, kann mir nicht gefallen. Denn dieser unterscheidet sich über weite Strecken vom Originalmix. Es sind andere Parts oder neue Instrumentenspuren enthalten und das Mischungsverhältnis der Instrumente zueinander ist oft nicht das, was man über viele Jahre zu schätzen gelernt hat. Kurz: Er hat daraus ein alternatives Album gemacht. Meiner Meinung nach hat er es deutlich schlechter gemacht.

Im Titelstück beschränken sich die Zunahmen an „neuen Sounds“ weitestgehend auf die Rhythmussektion. In den Rears werden zu Beginn immer mal wieder schnelle Trommelwirbel hinzugefügt, die aber irgendwie fehl am Platze wirken. Noch schlimmer ist es bei der eher ruhigen Passage in der Mitte des Stückes. Die andächtige Stimmung wird hier durch einen penetranten digitalen Shaker regelrecht kaputt gemacht.

Bei den Pop-Stücken auf der ehemaligen B-Seite hat Mike Oldfield ebenfalls deutliche Änderungen vorgenommen. Meistens fangen die Stücke anders an und sind anders abgemischt. Der hypnotische Gesang Maggie Reilly‘s in Foreign Affairs wird durch den plötzlichen Einsatz eines käsigen Akkordeon-Sounds torpediert, der anscheinend dem Lied einen französischen Touch verschaffen soll. Zumindest bei Shadow on the Wall hat er die richtige Wahl getroffen und die meiner Meinung nach viel bessere Extended Version verwendet. Allerdings kenne ich diese zu wenig um garantieren zu können, dass der Surroundmix genau so klingt. Vermutlich nicht.

Aber klingt das Ganze denn nun wenigstens gut im Raum? Die Antwort ist: mehr oder weniger. Größtenteils ist das Album sehr gut räumlich gestaffelt. Die vielen Synthesizer lassen sich prima im Raum heraushören und gerade was die rockigen Teile in Crises angeht, merkt man, dass das Stück doch eine Menge an Gitarrenspuren besitzt. Das Highlight ist dabei das Finale des Long-Tracks. Oldfield hält sich mit seinen dezenten Akkorden auf den Roland Strings in den Rears zurück, während Phillips zumeist in den vorderen Zwei-Dritteln des Raumes um sein Leben spielt. Auch die kurzen Stücke können, was die Verteilung der Instrumente im Raum angeht zumeist überzeugen. Am besten gefallen mir hier die verfremdeten Vibraphone-Sounds des Fairlights in den Rears bei Foreign Affairs, während vorne die restlichen Synthesizer zu hören sind.

Leider gibt es aber auch einige Dinge, die Oldfield verhunzt hat. Was den Sound angeht, kommt das Ganze mitunter ziemlich kraftlos daher. Bereits beim Einsatz von Schlagzeug und Gitarren zu Beginn von Crises ist man überrascht, dass die so nichtssagend in den Hintergrund gemischt wurden, als wäre der Regler am Mischpult nicht komplett hochgezogen oder ein Kompressor zu aggressiv eingestellt worden.

Manchmal scheint aber auch die Verteilung der Instrumente im Raum nicht stimmig zu sein. Vor allem bei Shadow on The Wall fällt dies auf. Die Instrumente spielen für sich, aber nicht gemeinsam, ohne das ich sagen könnte, woran das genau liegt. Ziemlicher Käse – Cheddar on the Wall.

Wertung: 78 %


Vorhandene Tonformate:
Dolby Digital 5.1
DTS 5.1 96/24

Album starten:

Nach einer ausdrücklichen Warnung des FBI’s die DVD nicht zu kopieren und dem anschließend Intro von Universal erscheint das Menü. Hier kann man lediglich zwischen Dolby und DTS wählen, denn auf der zweiten DVD des Sets gibt es nur den Surroundmix. Wer nur Enter klickt, bekommt Dolby Digital, wer einmal runter navigiert und dann entert, bekommt DTS. Der Tonspurwechsel funktioniert auch über die Audiotaste.

Abwertung: – 0,5 %


Bonusmaterial:

Es gibt reichlich Bonusmaterial, unter anderem die nur als Single veröffentlichten Stücke Crime of Passion und Mistake, sowie B-Seiten, Unplugged-Mixe und extended Versions. Auf zwei weiteren CDs findet sich ein Konzertmitschnitt vom Wembley Stadion, einiges davon auch als Video auf der ersten DVD. Dort gibt es auch die Musikvideos des Albums und einen Auftritt der Band im Fernsehen. Ebenfalls enthalten ist ein kleines Hardcover-Buch mit über 30 Seiten.

Aufwertung: +3 %


Anspieltipp:

Crises


Fazit:

Mike Oldfield macht einen auf George Lucas. Das Ergebnis ist entsprechend: Verschlimmbesserung!

Pros / Cons:
+ Größtens guter, räumlicher Surroundmix
+ Bonusmaterial (+3 %)
– Einge audiophile Klopse in der Abmischung
– Die Änderungen. Warum nicht mal der Mona Lisa eine Sonnenbrille verpassen?
– DTS Surround muss separat umgestellt werden (- 0,5 %)

 

 

GESAMTWERTUNG: 84 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

Deluxe Box: Ist leider so gut wie weg vom Fenster. Gebrauchtpreise liegen bei ca 300 Euro! Ob das lohnt?

Stand: 15.06.2019

 


Links:

Offizielle Webseite von Mike Oldfield

 

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