King Crimson – Discipline


Erscheinungsjahr 1981 | DVD-Audio | Progressive Rock

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Anfang der 80er Jahre belebte Gitarrist Robert Fripp seine Band King Crimson wieder, die er 1975 aufgelöst hatte. Zusammen mit Schlagzeuger Bill Bruford wollte er ursprünglich ein neues Bandprojekt mit dem Namen Discipline starten, doch bald einigte man sich darauf, wieder als King Crimson zu musizieren. Die Band komplettierten Bassist Tony Levin, der der Mann der tiefen Töne bei Peter Gabriel war und Gitarrist und Sänger Adrian Belew, der zuvor mit den Talking Heads arbeitete.

Im Gegensatz zu den progressiven King Crimsons der 70er Jahre, die je nach Album mal episch, mal etwas härter klangen, wurde der Sound der Band im neuen Lineup radikal geändert. Alles klang moderner, direkter und kokettierte stark mit dem aufkommenden  New Wave. Man verwendete durchgehend unverzerrte Gitarren, die rasante Arpeggios spielten und zum großen Teil elektronisches Schlagzeug. Tony Levin spielte statt der normalen Bassgitarre häufig den Chapman Stick, der ihm ermöglichte, ungewöhnliche Basslinien zu spielen.

Insgesamt nahmen King Crimson drei Alben in dieser Besetzung auf, bis Robert Fripp die Band 1984 wieder für einige Zeit auflöste. Der vorliegende Surroundmix wurde 2011 von Steven Wilson erstellt, der seit 2009 den Backcatalog zum 40jährigen Bestehen der Band remixte. 2016 kamen schließlich die beiden anderen Alben dieser Ära in 5.1 heraus.

 

Kleine Anmerkung zum Coverartwork: King Crimson haben immer alle drei bis vier Alben ihren Sound grundlegend geändert, was auch an den Covern ihrer Platten zu erkennen ist. Waren die Hüllen auf den ersten Alben aufwendig gestaltet, wurde es in den späteren Phasen immer einfacher. Die drei Alben ab DISCIPLINE haben nur noch ein markantes Element auf den Cover und eine einzige Hintergrundfarbe, auf diesem Album ist es Rot. Das keltische Knotenmuster auf DISCIPLINE unterscheidet sich dabei auf einigen Veröffentlichungen beträchtlich.


Tracklist:

1 Elephant Talk – 4:43
2 Frame By Frame – 5:09
3 Matte Kudasai – 3:47
4 Indiscipline – 4:33
5 Thela Hun Ginjeet – 6:26
6 The Sheltering Sky – 8:22
7 Discipline – 5:13

Gesamtdauer: 38:13


Die Musik:

Im Vergleich zu den King Crimson Stücken der 70er, ist die Musik auf  DISCIPLINE um einiges kompakter und songorientierter. Die Verwandtschaft zum damals aufkeimenden New Wave ist augenscheinlich, wenngleich man nicht behaupten kann, dass es ein Album aus der Pop-Ecke wäre. Schlagzeuger Bruford nutzt kaum die Becken seines Drumkits, da man die hohen Frequenzen den Gitarren reservieren wollte. Dadurch klingt der Sound auf dem Album sehr rein. Auf vielen Stücken wird zudem elektronisches Schlagzeug gespielt und auch Fripp und Belew verwenden synthetische Gitarrensounds, die alles für die damalige Zeit sehr modern erklingen lassen. Powerakkorde und typische verzerrte Gitarrenriffs findet man auf dem Album nicht, stattdessen spielen beide Gitarristen unverzerrte Noten in schneller, sich wiederholender Abfolge, die fast wie aus einem Sequenzer stammen könnten. Bassist Tony Levin sorgt zudem mit seinem Chapman Stick für ungewöhnliche tiefe Töne.

Wertung: 83 %


Besetzung:

Robert Fripp – Guitar, Devices
Adrian Belew – Guitar, Vocals
Bill Bruford – Drums
Tony Levin – Bass, Chapman Stick, Vocals


Der Surroundmix:

Man kann den Surroundmix des Albums mit sehr wenigen Worten recht treffend beschreiben. Was man hier in 5.1 geboten bekommt, ist ein absolut herausragender Mix! Es ist nicht so, dass Steven Wilson hier effekthascherisch alle Kanäle befeuert. Viel mehr ist es der Klang des Albums, der mich begeistert. Alles klingt so unglaublich transparent, so präzise, man hat durchgehend den Eindruck man befindet sich im selben Raum wie die Musiker, die um einen platziert sind und ein Privatkonzert spielen. Man kann absolut jedes Detail raushören. Vor allem die schnellen Gitarrenläufe von Fripp und Belew sind so viel deutlicher herauszuhören und man kann jedes Mal aufs neue überlegen, wem man gerade zuhören will und neue kleine Dinge entdecken.

Der Mix ist größtenteils so aufgebaut, dass Gesang, Bass und Schlagzeug eher von vorne kommen, während auf den Rears die grundlegenden Gitarrenspuren und Backing Vocals liegen. Zusätzliche Leadgitarren, Effekte und rhythmische Bruford-Handarbeit können zudem von allen Seiten kommen, da sind keine Grenzen gesetzt.

Frame by Frame startet mit einem Trommelwirbel der von rechts nach links fliegt, Vocalloops von Belew sind anschließend vernehmbar, die mir vorher nie aufgefallen sind.

Matte Kudasai, ein eher ruhigeres, entspanntes, atmosphärisches Stück hat vorne links eine singende Gitarre, die einem Sirenengesang gleichkommt, deren Ton bis hinter den Hörer schwebt und dort ausklingt.

Die absoluten Highlights des Albums dürften die Stücke Indiscipline und Thela Hun Ginjeet sein. Brufords Schlagzeug ist bei Indiscipline rund um den Hörer aufgebaut. Der Song wechselt sich ab zwischen einem krachenden Instrumentalteil mit Schlagzeuggewitter und wilden Gitarren und plötzlichen ruhigen Passagen, in denen sich die Band deutlich zurücknimmt. Über gesprochene neurotische Passagen von Adrian Belew hört man dezentes Bassgezupfe und atmosphärische Gitarren und Percussion aus den hinteren Lautsprechern.

Gesprochene Passagen gibt es auch bei Thela Hun Ginjeet, was hier aber eher als Untermalung zum Instrumentalpart gedacht ist. Die Gesprächsfetzen klingen wie ein Interview aus einem laufenden Fernseher, die stur von vorne kommen (eben wie aus dem Fernseher), während aus allen Richtungen Gitarren niederprasseln und zusätzliche Schlagzeugspuren hinter dem Hörer kreisen.

Der 5.1-Mix des Albums hat DISCIPLINE ungemein aufgewertet. Ich kenne das Album seit fast 20 Jahren, habe es ein paar Mal gehört, bis es irgendwann im CD-Regal verschwand. Das kann diesem Surroundmix nicht passieren. Dieser Mix brachte mich erst dazu, dieses Album zu verstehen.

Wertung: 97 %


Vorhandene Tonformate:
MLP 5.1
MLP 2.0
DTS 5.1  (48 kHz / 24 bit)
LPCM 2.0

Album starten:

Alle King Crimson Remixe werden als hybride Audio/Video-DVD veröffentlicht (mit der CD als Beigabe). Wer einen DVD-Audio Player besitzt, kann die Alben hochauflösend genießen, allen anderen bleibt die DTS Spur der DVD-Video Version. Ganz gleich welche Version nun vom Player gelesen wird, man kann jedes der Alben einfach per Entertaste starten, nachdem man geduldig ein kurzes Intro und den Aufbau des Menüs abwartet.

 


Bonusmaterial:

Wie üblich bei den Wiederveröffentlichungen der King Crimson Alben ist die DVD voll mit Bonus Material. Hier gibt es noch den ursprünglichen Stereo-Mix (Remastered) von 1981, alternative Mixe und Raritäten, wie den Rough Mix des kompletten Albums in der Song-Reihenfolge, die ursprünglich geplant war. Ich muss aber gestehen, dass ich bis heute nicht alles davon gehört habe. Sehr interessant, wenn auch ziemlich skurril, sind die drei Videos der BBC Kultmusiksendung „The Old Grey Whistle Test“, bei denen die Band ihr neues Album vorstellte. Hier kann man mal sehen, welche Sounds Tony Levin aus seinem Chapman Stick entlocken kann.

Wie alle anderen King Crimson Alben aus dieser Reihe, kommt auch dieses als Digipack daher (siehe Bild oben).

Aufwertung: +1,5 %


Anspieltipp:

Thela Hun Ginjeet


Fazit:

Ein Surroundmix der deutlich macht, wie gut ein Album in 5.1 klingen kann.

Pros / Cons:
+ fantastischer Klang
+ sehr guter Surroundmix
+ High Resolution  (+ 1%)
+ Bonusmaterial (+ 1,5%)

 

GESAMTWERTUNG: 95 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

DVD-Audio: Die 2011 erschienene Ausgabe sollte noch ohne Probleme zu handelsüblichen Preisen (22 Euro) erhältlich sein.

DVD-Audio / Bluray: 2016 ist das Boxset On (and Off) the Road 1981-1984 mit 19 Discs veröffentlicht worden. Enthalten sind alle 3 Studio Alben dieser King Crimson Phase, als CD, DVD-Audio und Bluray und zahlreiche Livemitschnitte in Bild und Ton. Kostenpunkt ca. 130 Euro.

Stand: 02.03.2017

 


Links:

Offizielle Webseite von King Crimson: DGM Live

 

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