Jeff Buckley – Grace


Erscheinungsjahr 1994 | STREAMING | Alternative Rock

Eine Dolby Atmos Streaming Review

Im Dezember erschien GRACE von Jeff Buckley überraschend in einer Dolby-Atmos-Fassung im Streaming. Kurz darauf wurde bekannt, dass der neue räumliche Mix von Steven Wilson stammt, was schnell für Begeisterungsstürme sorgte.

GRACE wurde 1994 veröffentlicht und blieb das einzige vollständig realisierte Studioalbum Jeff Buckleys. Entstanden in den Bearsville Studios in Woodstock sowie weiteren Studios in New York und New Jersey, dokumentiert das Album eine intensive, oft schwierige Produktionsphase. Buckley verstand das Studio nicht als bloßen Aufnahmeort, sondern als kreativen Raum, in dem Klang bewusst geformt und fixiert wird. Produzent Andy Wallace hatte dabei die Aufgabe, Buckleys weitreichende musikalische Vorstellungen in eine konsistente Albumform zu überführen.

Musikalisch bewegt sich GRACE zwischen Rock und Folk. Neben sieben Eigenkompositionen enthält das Album drei Coverversionen, die sich deutlich vom Originalmaterial lösen und zu eigenständigen Interpretationen wurden. Besonders Hallelujah entwickelte sich erst Jahre nach Buckleys Tod zu einem zentralen Bezugspunkt seines Werks. Die Mischung aus intimer Instrumentierung, dynamischen Spannungsbögen und Buckleys außergewöhnlicher Stimme prägt das Album bis heute.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung blieb der kommerzielle Erfolg zunächst überschaubar, ebenso die unmittelbare kritische Resonanz. Erst nach Buckleys Tod 1997 setzte eine umfassende Neubewertung ein, in deren Verlauf GRACE in zahlreichen Bestenlisten weit oben platziert wurde. Das Album gilt inzwischen als eines der einflussreichsten Debüts der 1990er-Jahre und als zentrale Referenz für eine ganze Generation von Musikern. David Bowie bezeichnete es als eines seiner liebsten Alben. Auch Jimmy Page und Robert Plant waren angetan, was Buckley bestimmt gefallen hätte, gehörte Led Zeppelin doch zu seinem Lieblingsbands.

Jeff Buckley - Grace - Dolby AtmosScreenshot Apple Music App


Tracklist:

1 Mojo Pin – 5:42
2 Grace – 5:22
3 Last Goodbye – 4:35
4 Lilac Wine – 4:32
5 So Real – 4:43
6 Hallelujah – 6:53
7 Lover, You Should’ve Come Over – 6:43
8 Corpus Christi Carol – 2:56
9 Eternal Life – 4:52
10 Dream Brother – 5:26
11 Forget Her – 5:14

Gesamtdauer: 57:09


Der Dolby Atmos Mix:

Der Atmos-Mix von GRACE ist einmal mehr ein Mix, bei dem man aus einem scheinbar in- und auswendig bekannten Album neue Details heraushört. Unweigerlich fragt man sich, ob man das Album zuvor vielleicht nie wirklich aufmerksam gehört hat. Ich war zumindest überrascht, wie viel mehr Gitarrenarbeit ich beim Hören wahrgenommen habe, als ich in Erinnerung hatte. Für mich war das Album eigentlich immer eher spärlich instrumentiert. Dieser Eindruck mag allerdings auch an den drei Stücken liegen, bei denen Jeff Buckley zu großen Teilen solo mit Gitarre agiert.

Sofort aufgefallen sind mir die zahlreichen Gitarreneffekte. Gitarrenfeedback, langgezogene Gitarrentöne oder hauchzarte Saitenstreichler, die man sehr häufig irgendwo im Raum wahrnimmt und die meist mit dezenten Bewegungen versehen sind. Diese waren in der Stereofassung zwar ebenfalls vorhanden, treten hier jedoch erstmals wirklich deutlich in den Vordergrund.

GRACE ist ein echtes Gitarrenalbum. Ob Akustik-, elektrische oder Leadgitarren – sie alle werden von Steven Wilson in einem weiten Panorama um den Hörer platziert. Teilweise nimmt man Sounds wahr, die scheinbar seitlich außerhalb des Raumes entstehen. Auch oben und hinten gibt es immer wieder diskrete Momente der Saiteninstrumente. In den Höhen sind es vor allem Sologitarren, die erklingen. Keyboards und Streicher werden in der Regel ebenfalls oben oder hinter dem Hörer positioniert.

Auch im Gesang gibt es einige Positionsverschiebungen. Dieser verbleibt zwar zumeist vorne, doch es gibt immer wieder Momente, in denen Jeff Buckleys Stimme zusätzlich von oben erklingt oder durch den Raum schwebt. Besonders zu Beginn des Albums, im ersten Stück Mojo Pin, ist dies ein sehr schöner Effekt: Seine Stimme zieht von oben nach unten, fast so, als würde er noch einmal aus himmlischen Gefilden in die irdische Welt hinabgleiten, um dieses Album einzusingen. Zudem gibt es vereinzelt Passagen, in denen Solostimmen hinten oder Backing Vocals oben platziert sind. Alles geschieht wohldosiert und ohne Übertreibung, verleiht dem Grundcharakter des Albums jedoch eine leicht psychedelische Note, die gut zur Musik passt.

Wie bereits erwähnt, gibt es drei Stücke, die sparsamer instrumentiert sind, klanglich aber nicht weniger immersiv wirken. Hier überzeugt der Mix vor allem durch lange Hallfahnen, die sich im restlichen Raum ausbreiten, während Jeff Buckley mit seiner Gitarre eher im Frontbereich verbleibt.

Auch vom Gesamtsound her klingt das Album sehr gut und kristallklar, wobei die Frage erlaubt sein dürfte, ob eine mögliche Blu-ray-Veröffentlichung mit deutlich höherer Datenrate klanglich noch einen weiteren Zugewinn bringen könnte. Lediglich beim Bonustrack Forget Her, der damals buchstäblich in letzter Minute gegen den neuen Song So Real ausgetauscht wurde, hatte ich den Eindruck, dass der Klang minimal schwächer ausfällt.


Anspieltipp:

Grace, So Real


Fazit:

Das ist mal eine Überraschung, Grace in Dolby Atmos! Und dann auch noch in einem sehr schönen Mix!

 

WERTUNG DOLBY ATMOS MIX: 95 %

 


Verfügbarkeit:

Streaming: Den Dolby Atmos Mix von GRACE gibt es bei entsprechendem Abo bei Apple Music, Amazon Music Unlimited und Tidal zu hören. 

Stand: 11.01.2026


Links:

Offizielle Webseite von Jeff Buckley

 

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