Gentle Giant – Free Hand


Erscheinungsjahr 1975 | Blu-ray | Progressive Rock

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Neu im Bereich der Musik in Surround Sound ist das siebte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Gentle Giant mit dem Titel FREE HAND, welches ursprünglich im Jahr 1975 erschienen ist. Für die Neuabmischung konnte wieder Steven Wilson gewonnen werden, der aufgrund der Corona-Pandemie auf seine Tour verzichten musste und somit nun Zeit für neue Mix-Jobs hatte. Auch die nächsten beiden Alben wurden von ihm abgemischt und sollen in nächster Zeit veröffentlicht werden.

FREE HAND war das erste Album, welches Gentle Giant bei Chrysalis Records veröffentlicht hat. Es gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen der Band und schaffte es als Einziges in die Top 50 der amerikanischen Billboard Charts. Aufgrund der erhöhten Aufmerksamkeit wurde das Album ein Jahr später auch in einer quadrophonischer Abmischung wiederveröffentlicht. Dieser alte Quad-Mix wurde bereits vor einigen Jahren auf einem Reissue auf einer Bonus-DVD herausgebracht, ist aber mittlerweile kaum mehr zu fairen Preisen erhältlich. Das gehört aber mit dieser neuen Veröffentlichung, bestehend aus einer CD und einer Blu-ray, der Vergangenheit an. Denn neben dem neuen Surround Mix von Steven Wilson erhält die Blu-ray auch den 70er-Jahre Quad-Mix.

Gentle Giant Free Hand 5.1 Surround Reissue


Tracklist:


1 Just The Same – 5:33
2 On Reflection – 5:42
3 Free Hand – 6:14
4 Time To Kill – 5:08
5 His Last Voyage – 6:26
6 Talybont – 2:43
7 Mobile – 5:03

Gesamtdauer: 36:50


Die Musik:

Mit FREE HAND haben Gentle Giant ihren Sound etabliert, den sie vor allem auf den ersten Alben noch gesucht haben. Die Verspieltheit, bestehend aus krummen Takten, jazzartigen Ausschweifungen, mehrstimmigen Gesang und weiteren Zutaten, die die Band in ihren Sound einwebt, scheint auf diesem Album perfektioniert worden zu sein. Zudem schafft es Gentle Giant auf FREE HAND etwas zugänglicher zu sein, als auf früheren Alben. Es lässt sich hier bereits leicht erkennen, wo die Reise in den nächsten Jahren gehen sollte, als man beschloss, mehr und mehr dem leichter konsumierbaren Pop die Vorherrschaft zu überlassen.

Der Albumtitel, so heißt es, bezieht sich auf die Beendigung des alten Plattenvertrags mit Vertigo, sodass die Band hoffnungsfroh in die Zukunft blickte und sich mehr Freiheiten in der Kreativität erhoffte. Wobei ich sagen muss, dass ich nie den Eindruck hatte, als würde die alte Plattenfirma zu sehr reinreden wollen. Zu extravagant klang alles, was Gentle Giant bisher gemacht haben. Mit FREE HAND war dies zunächst nicht anders. Auch dies ist ein Album, welches unbedingt öfter gehört werden muss, bis alle Facetten des Songwritings auch erkannt und verstanden werden. Es ist keine Musik zum nebenbei hören. Mir persönlich gefallen aber andere Alben der Band deutlich besser. Gerade gegen Ende finde ich, dass auf FREE HAND etwas die kreative Luft ausgeht.

Wertung: 78 %


Besetzung:

 Gary Green – electric guitar, acoustic guitar, descant recorder, co-lead vocals
Kerry Minnear – piano, Hammond organ, Clavinet, Minimoog, synthesizer, electric piano, harpsichord, Wurlitzer electric piano, honky-tonk piano, celesta, glockenspiel, vibraphone, marimba, tympani, harp, cello, tenor recorder, lead vocals
Derek Shulman – lead vocals, treble recorder, alto saxophones
Ray Shulman – bass, electric violin, violin, viola, co-lead vocals
John Weathers – drums,tambourine, bass drum, tom-tom, snare drum, triangle, cymbal, woodblock, cowbell, frame drums, percussion


Der Surroundmix:

FREE HAND ist das erste Gentle Giant Album, welches Steven Wilson in Dolby Atmos abgemischt hat. Wer kein Atmos-fähiges Equipment hat, findet auf der Blu-ray aber auch einen herkömmlichen 5.1 Mix vor. Musikalisch passt das Album natürlich hervorragend zu einer Abmischung in Surround Sound, egal ob es nun Atmos sein muss oder nicht. Aufgrund der vielfältigen Arrangements (die Mitglieder von Gentle Giant spielen eine Vielzahl an verschiedenen Instrumenten) bleibt im Surroundmix nichts verborgen, was damals in den 70ern auf Tonband aufgenommen wurde.

Steven Wilson versteht es wieder einmal die Instrumente gekonnt im gesamten Raum zu verteilen. Mit anderen Worten, man hat es erneut mit einem sehr diskreten Mix zu tun. Dies fängt an bei dem Fingerschnippen im ersten Stück, welches zu Beginn mal von vorne, mal von hinten erklingt. Das zweite Stück On Reflection ist ein für die Band typischer kanonartig mehrstimmiger Gesang der Mitglieder. Hier kommen die verschiedenen Stimmen aus allen unterschiedlichen Lautsprechern, sodass man gezielt einer bestimmten Stimme und ihrer melodischen Verzierungen lauschen kann.

In den Rears sind neben Backing Vocals, Zweit- und Drittstimmen auch häufig Tasteninstrumente zu hören, gelegentlich auch zusätzliche Gitarrenparts. Meistens wird die Gitarre aber eher weiter vorne wahrgenommen. Die eher unüblichen Instrumente im Rockband-Kontext legt Wilson ebenfalls gerne in die hinteren Kanäle. Zu ihnen gehören Saxophon, Violinen und diverse Schlaginstrumente wie Vibraphon oder Glockenspiel.

Den Mix in Dolby Atmos konnte ich mir auch anhören. Natürlich fängt Steven Wilson hier nicht an, Instrumente bewusst an die Decke zu platzieren. Das würde dann doch etwas merkwürdig klingen. Durch die Möglichkeit bei Dolby Atmos einem Sound auch in der vertikalen Position einen Standpunkt zu geben, erscheint mir der Mix hier etwas luftiger. Beim Gitarrensolo von Just The Same habe ich aber schon das Gefühl, dass die Flächen des String Synthesizers über meinem Kopf schweben, statt dass sie einfach nur im Raum wabern, wie im 5.1 Mix. Verglichen zum herkömmlichen 5.1 Mix kommt mir der Atmos Mix aber etwas weniger diskret vor. Das ist etwas, was ich auch schon bei anderen Mixen in Atmos feststellen musste.

Was den Gesamtsound angeht, klingt FREE HAND besser als der alte Stereomix, man merkt andererseits jedoch auch in der neuen Abmischung das Alter des Albums an. Da gibt es Alben aus den 70ern, die besser klingen.

Der alte Quad-Mix, der ebenfalls auf der Blu-ray aufgerufen werden kann, klingt seltsam. Das liegt aber nicht an einer grundsätzlich schlechten Abmischung, sondern an einem fehlerhaften Mastering. Schon bei der ersten Wiederveröffentlichung auf DVD im Jahr 2012 gab es Meinungen, dass bei einigen Songs die Kanäle vertauscht wurden. Hinten rechts hört man dann den Kanal, der eigentlich vorne rechts hätte sein müssen. So ist der Gesang gelegentlich hinten rechts sehr prominent zu hören, was einerseits sehr diskret klingt, andererseits aber auch eigenartig, wenn dir einer ständig ins rechte Ohr singt. Schade, dass man diesen Fehler auf der Neuveröffentlichung nicht behoben hat. Hier ist die einzig gangbare Lösung: Quad-Mix rippen, Kanäle bei den betreffenden Songs mit geeigneter Software korrigieren, das Ganze in FLAC-Dateien abspeichern und den korrigierten Quad-Mix genießen.

Wertung: 93 %


Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 5.1
LPCM 96/24 2.0

Album starten:

Beim Betätigen der Enter Taste erklingt der Mix direkt in Dolby Atmos, sofern man ein entsprechendes System hat. Ist dies nicht installiert, wird der Core in 5.1 genommen, der der Atmos Spur immer bei liegt. Wenn man schlau beim Authoring war (übrigens ist der Gentle Giant Ray Shulman der Authoring Mensch, dessen Name auf zahllosen DVDs und Blu-rays als dafür Verantwortlicher genannt wird, der Mann hat nach der Band Karriere gemacht!), ist dies der Original 5.1 Mix von Steven Wilson und nicht ein automatisches Downgrade der Atmos Spur. Ich habs nicht überprüft, ob die Mixe identisch sind. Will man aber direkt den 5.1 Mix auswählen, ist dies über das Menü sehr kräftezerrend und geht eigentlich nur über eine visuelle Hilfe. Die Tastenkombination lautet nämlich:

4x DOWN > ENTER > DOWN > ENTER  > LEFT > 2x UP > ENTER

Den 4.0 Quad-Mix wählt man über folgende Tastenkombination aus:

3x UP > ENTER

 

Abwertung: – 2 %


Bonusmaterial:

Zu jedem Song gibt es ein animiertes Video, sodass das Einschalten des Fernsehers durchaus lohnt. Ebenfalls auf der Blu-ray enthalten sind Intrumental-Mixe in Stereo, der Original Stereo-Mix von 1975 und der erwähnte Quad-Mix. Die falschen Kanalzuordnungen beim letzteren trüben die Bonuspunkte ein wenig.

Aufwertung: + 1 %


Anspieltipp:

On Reflection, Free Hand


Fazit:

Reiht sich nahtlos in die früheren Surround-Veröffentlichungen von Gentle Giant ein.

Pros / Cons:
+ sehr guter, diskreter Surroundmix
+ High Resolution (+1%)
+ Enthält auch den Quad-Mix von 1976 und weiteres Bonus-Material (+1%)
– Die vertauschten Kanäle im Quad-Mix wurden nicht korrigiert
– Menü etwas umständlich (-2 %)

 

GESAMTWERTUNG: 89 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD + Blu-ray: Im Juni 2021 veröffentlicht, ist dieses Reissue für humane 20-22 Euro zu bekommen. Wie bereits erwähnt, es enthält auch zusätzlich den alten Quad-Mix, sodass die inzwischen vergriffene CD+DVD Ausgabe von 2012 obsolet ist.

Stand: 25.07.2021


Links:

Offizielle Webseite von Gentle Giant

 

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