Gentle Giant – In A Glass House


Erscheinungsjahr 1973 | Blu-ray | Progressive Rock

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Mit IN A GLASS HOUSE schlugen Gentle Giant 1973 ein weiteres Kapitel ihrer ungewöhnlichen Prog-Rock-Geschichte auf. Das am 21. September veröffentlichte Album entstand nach dem Ausstieg von Phil Shulman erstmals als Quintett und wurde im Juli desselben Jahres in den Advision Studios in London aufgenommen. An der musikalischen Komplexität änderte sich dadurch allerdings wenig. Im Gegenteil: Mit ihrem großen Instrumentarium und den verschachtelten Kompositionen gingen Gentle Giant weiterhin ihren eigenen Weg.

Der Titel nimmt Bezug auf das Sprichwort „Those who live in glass houses shouldn’t throw stones“. Passend dazu beginnt und endet das Album mit dem Geräusch zerbrechenden Glases. In den USA wurde IN A GLASS HOUSE von Columbia zunächst als „uncommercial“ abgelehnt und dort nicht offiziell veröffentlicht. Als Import fand das Album trotzdem viele Käufer.

2026 erschien schließlich eine neue Stereo-, 5.1- und Dolby-Atmos-Abmischung von Eber Pinheiro und Derek Shulman. Da die ursprünglichen Mehrspur-Bänder nicht mehr zur Verfügung standen, kam dabei KI-basierte Stem-Separation zum Einsatz. Dabei werden aus einer vorhandenen Stereoaufnahme einzelne Klangbestandteile wie Gesang, Schlagzeug oder Instrumente voneinander getrennt, um sie anschließend neu abmischen zu können.

Gentle Giant In A Glass House Dolby Atmos


Tracklist:

1 The Runaway – 7:16
2 An Inmate’s Lullaby – 4:40
3 Way of Life – 8:04
4 Experience – 7:50
5 A Reunion – 2:12
6 In a Glass House – 8:09

Gesamtdauer: 36:25


Die Musik:

Musikalisch ist IN A GLASS HOUSE ein sehr dichtes und anspruchsvolles Progressive-Rock-Album. Ungerade Taktarten, häufige Tempowechsel, mehrstimmiger Gesang und verschachtelte Strukturen gehören ebenso dazu wie Einflüsse aus klassischer Musik, Jazz sowie mittelalterlicher und Renaissance-Musik. Trotz der fünfköpfigen Besetzung bleibt das Klangbild ausgesprochen vielfältig, denn die Musiker greifen auf eine große Zahl verschiedener Instrumente zurück.

Schon The Runaway macht deutlich, wohin die Reise geht: Auf das zerbrechende Glas folgt ein schnelles, rhythmisch komplexes Stück mit markanten Marimba- und Keyboard-Passagen. An Inmate’s Lullaby nimmt danach deutlich Tempo heraus und wirkt fast meditativ, bevor Way of Life wieder mit dichtem Instrumentalspiel und wechselnden Strukturen einsetzt. Auch Experience arbeitet mit mehrteiligen Arrangements und komplexen Gesangspassagen. A Reunion fällt mit seiner kurzen, ruhigeren Anlage etwas aus dem Rahmen, während der achtminütige Titeltrack verschiedene musikalische Motive des Albums abschließend in einer Collage zusammenführt.

Wertung: 83 %


Besetzung:

Derek Shulman – vocals, alto and soprano saxophones, recorder
Gary Green – six and twelve-string guitars, mandolin, percussion, alto recorder
Kerry Minnear – keyboards, tuned percussion, recorder, vocals
Ray Shulman – bass guitar, violin, acoustic guitar, percussion, backing vocals
John Weathers – drums, percussion


Der Surroundmix:

Der Dolby-Atmos-Mix von IN A GLASS HOUSE verteilt die Instrumente über den gesamten Raum. Die Glasscherben am Anfang drehen sich um den Hörer, während Gitarren, Keyboards, Flöten, Streicher und Percussion aus unterschiedlichen Richtungen und Höhenpositionen kommen. Dabei haben die Instrumente keine festen Plätze, sondern werden von Song zu Song immer wieder anders angeordnet. Lediglich Schlagzeug und Bass bleiben durchgehend vorne. Das sorgt für einen sehr immersiven Mix, bei dem es viel zu entdecken gibt. Klanglich muss man allerdings einige Kompromisse eingehen. Der Sound wirkt stellenweise etwas harsch und höhenlastig, auch der Hall fällt teilweise recht deutlich aus.

Als ich diesen Atmos-Mix zum ersten Mal gehört habe, wurde mir klar, dass sich dank KI-basierter Stem-Separation inzwischen wohl nahezu jedes Album für Dolby Atmos bearbeiten lässt, auch wenn keine Mehrspuraufnahmen mehr vorhanden sind. Die Software kann versuchen, Instrumente und Stimmen aus einem Stereomix herauszulösen, sodass sie anschließend neu im Raum verteilt werden können. Das sollte man nicht mit einem herkömmlichen Upmix verwechseln, bei dem das Stereosignal lediglich räumlich erweitert wird. Ein solcher KI-Mix kann durchaus mit einer Abmischung auf Basis der originalen Mehrspurbänder mithalten, auch wenn er für mich nicht ganz gleichberechtigt ist. Denn was im ursprünglichen Stereomix bereits klanglich nicht optimal war, wird durch die Separation nicht besser. Dazu kommt, dass Hall die Trennung der Instrumente erschweren kann. Bei IN A GLASS HOUSE funktioniert die räumliche Gestaltung sehr gut, auch wenn der Mix klanglich nicht ganz an eine Abmischung von Mehrspuren herankommt.

Gentle Giant In A Glass House Dolby Atmos

Der Mix von IN A GLASS HOUSE hat mich jedenfalls so überrascht und auch begeistert, dass ich inzwischen selbst damit angefangen habe, Lieblingsalben per KI-Separation in Dolby Atmos abzumischen, die vermutlich nie eine offizielle Atmos-Version bekommen werden. Mach es dir selbst, ist die Devise! So kompliziert ist das Ganze gar nicht, und teure Software braucht man dafür auch nicht unbedingt. Vielleicht veröffentliche ich in den nächsten Wochen einmal einen kleinen Bericht darüber, wie das funktioniert.

Wertung: 94 %


Vorhandene Tonformate:
Dolby Atmos
DTS-HD Master Audio 96/24 5.1
PCM 96/24 Stereo

Album starten:

Das Album startet in 5.1, wenn man die Introanimation abwartet und anschließend zweimal auf Enter drückt. Will man das Album in Dolby Atmos hören, muss man entweder die Audiotaste drücken oder vorher über das Blu-ray-Menü tätig werden:

DOWN > ENTER > ENTER

Abwertung: – 0,5 %


Bonusmaterial:

Auf der Blu-ray befindet sich nur das Album in drei verschiedenen Tonformaten. Es gibt aber die obligatorischen Animationen zu jedem Stück, die bei Gentle Giant Veröffentlichungen in Surround schon fast Tradition sind, sodass es sich durchaus lohnt, auch mal den Fernseher eingeschaltet zu lassen.

Aufwertung: 1 %


Anspieltipp:

Experience, In A Glass House


Fazit:

Schön, dass es nun auch dieses Album in Mehrkanalton gibt, was vor einigen Jahren noch als unmöglich galt.

Pros / Cons:
+ Ein sehr guter Dolby Atmos Mix angesicht der Tatsache, dass die Mehrspurbänder fehlen
+ High-Resolution Sound auf Blu-ray (+1%)
+ Animationen zu jedem Stück als Bonus (+1 %)
– Startet zunächst im normalen 5.1 (-0,5%)

 

 

GESAMTWERTUNG: 93 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD + Blu-ray: Die Ausgabe gibt es für etwa 23 Euro im Handel.

Streaming: Den Atmos Mix gibt es auch bei Apple, Tidal und wahrscheinlich auch Amazon Music zu hören.

Stand: 18.10.2026


Links:

Offizielle Webseite von Gentle Giant

 

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