Mike Oldfield – Hergest Ridge (Dolby Atmos)
Erscheinungsjahr 1974 | Blu-ray (SDE-Serie) / Streaming | Progressive Rock
Springen zu: Musik | Surroundmix | Albumstart | Bonusmaterial | Fazit | Verfügbarkeit
Von Mike W.K.
HERGEST RIDGE ist das zweite Album, das von Mike Oldfield im Frühjahr 1974 im „The Manor“-Studio aufgenommen und am 28. August 1974 veröffentlicht wurde. Die 50th Anniversary Version liegt nun mit einem Jahr Verspätung als SDE Blu-ray (Limited Edition) mit neuen Mixen vor. David Kosten hat sich erneut der Sache angenommen, wie schon bei TUBULAR BELLS, das im letzten Jahr wiederveröffentlicht wurde, und das ist auch gut so. Im Verlauf dazu mehr.
Das Album wurde nach einem Hügel von ca. 426 m Höhe an der Grenze zwischen England und Wales, am Rande der Welsh Marches, benannt.

Aus den Liner Notes der Blu-ray, Mike Oldfield, 2025, frei übersetzt:
„Nach dem großen Erfolg von TUBULAR BELLS war ich überhaupt nicht gefasst auf die Aufmerksamkeit und die Bedeutung, die mir plötzlich zuteil wurde. Leute schrieben über mich, als hätte ich die Antwort auf alles. Ich war 21 und versuchte, mich selbst zu finden, alleine gelassen, um das zu beantworten. So zog ich mich zurück, physisch und mental, raus nach Kington an die englisch-walisische Grenze und schrieb Musik, welche die Einfachheit und Schönheit der Landschaft reflektiert. Während TUBULAR BELLS in Wohnungen und zwischen Konzerten geschrieben wurde, wurde HERGEST RIDGE in arbeitsfreier Zeit komponiert, die atemberaubende Umgebung und der Wechsel der Jahreszeiten dienten dabei als Inspiration.“
Besser kann ich das überhaupt nicht beschreiben.

David Kosten schrieb außerdem:
„Nach dem technisch herausfordernden TUBULAR BELLS mit dutzenden Edits, die freizulegen und zu rekonstruieren waren, hoffte ich, dass die Wiederherstellung von HERGEST RIDGE für sein 50er Jubiläum hoffentlich weniger nervenaufreibend sein wird.
Und so stellte es sich heraus – eine totale Freude. Ziemlich alles, was ich brauchte, war auf dem Satz Mehrspurbänder, die der ‚immer aufmerksame‘ Jason Repantis aus den Archiven zutage gefördert hat. (…)“
Das Album selbst kenne ich schon sehr lange, denn in meiner Jugend – ich war noch Schüler – bekam ich die 4x-LP-Box BOXED ausgeliehen und habe mir die vier Schallplatten auf zwei Kassetten überspielt. Erst viele Jahrzehnte später las ich, dass diese Box SQ-Quadrophonie-encodierte Quad-Mixe enthält. Ich habe später dann BOXED als 3x-CD gekauft, welche genau den Inhalt der 4x-LP-Box auf drei CDs verteilte. Und wie das halt so ist, die 2010er Deluxe Edition habe ich mit dem leider nur in Dolby Digital vorhandenen 5.1-Mix von Mike Oldfield auch gekauft.

Zu den ursprünglichen Mixen aus den 70ern wird geschrieben:
„Dieses Album hat vier verschiedene Mixe, geschuldet den unüblichen Umständen seiner Entstehung. 1976 hat Mike Oldfield HERGEST RIDGE in SQ-Quadrophonie remixt, und zwar für die 1976 erschienene Box BOXED. Anders als die Remixe von TUBULAR BELLS und OMMADAWN unterscheidet sich der Remix von HERGEST RIDGE wesentlich von der originalen Ausgabe von 1974, weil Oldfield durch den Mischprozess der originalen VÖ durchrauschen musste und fühlte, dass das finale Ergebnis unterdurchschnittlich war. Deswegen hat das Label Virgin den 1976-Remix für alle späteren Wiederveröffentlichungen über alle Formate benutzt, zumal SQ-Quadrophonie eine Kompatibilität sowohl mit Zweikanal- als auch mit Vierkanal-Sound zulässt. Daher können diese Wiederveröffentlichungen in Surround-Klang gehört werden, wenn sie durch einen SQ-Quadrophonic-Decoder geleitet werden.“
Genug von der alten Quadrotechnik, nun zum Album und neuen Atmos-Mix.
Tracklist:
1. Hergest Ridge Part 1 – 21:35
2. Hergest Ridge Part 2 – 18:43
Gesamtdauer: 40:18
Hergest Ridge Part 1+2
Dieses Werk ist eine Fortsetzung dessen, was mit TUBULAR BELLS anfing. Etwas weniger pompös, etwas ruhiger würde ich es beschreiben, was insofern für mich nachvollziehbar ist, hat Oldfield sich doch in ruhige, ländliche Gegenden zurückgezogen, um die Musik zu komponieren. Die Beschreibung aus den Liner Notes dieser neuen VÖ, von Mike Oldfield selbst verfasst, bringt es auf den Punkt.
Teil 1 ist der etwas längere und etwas ruhigere Teil, Teil 2 hat durchaus ein wenig mehr Dynamik und einen Höhepunkt, ähnlich TUBULAR BELLS. Aber nur etwas.
Der Instrumentenmix aus akustischen und elektrischen/elektronischen Instrumenten ist vielschichtig, voller verschiedener Klangfarben, welcher ein spannendes Hörerlebnis bietet.
Es ist ein großartiges Album, welches die gleiche Aufmerksamkeit wie TUBULAR BELLS verdient. Auch hoffe ich, dass David Kosten den Nachfolger OMMADAWN in Atmos mischen darf.
Wertung: 90 %
Besetzung:
Mike Oldfield – alle Instrumente
Electric Guitars, Glockenspiel, Sleigh Bells, Mandolin, Nutcracker (ja, so steht es in den Credits), Timpani, Gong, Acoustic Guitar, Spanish Guitar, Farfisa, Lowrey and Gemini Organ
June Whiting – Oboe
Lindsay Cooper – Oboe
Ted Hobart – Trompete
Chili Charles – Snare Drum
Sally Oldfield – Voice
Clodagh Simmonds – Voice
London Sinfonetta – Streicher
David Bedford: Digigent von Chor und Streichern
Auf https://tubular.net/discography/HergestRidge sind noch mehr interessante Informationen zu lesen.
Produktion:
Aufgenommen von Mike Oldfield, assistiert von Tom Newman.
David Kosten – 2025 Mixe
Es gibt eine Menge Surround-Versionen auf dieser VÖ. Im Wesentlichen bespreche ich den Atmos-Mix von David Kosten. Aber auch der dedizierte 5.1-Mix ist gut.
Der Sound …
… ist sehr viel klarer als bei dem originalen Stereo-Mix von 1974. Er klingt aber nach wie vor wie aus den 70ern, und das ist gut so. Und er klingt auch viel besser als der 5.1-Mix in Dolby Digital von 2010. Erstaunlich, wie gut über 50 Jahre alte Tonbandaufnahmen doch klingen können!
Der Mix …
… von David Kosten orientiert sich am originalen Stereo-Mix von 1974. Er geht hier ähnlich vor wie Steven Wilson: Zuerst wird ein Stereo-Mix rekonstruiert, dann ein 5.1-Mix daraus erstellt und zuletzt wird Atmos daraus. M. E. ein gutes Vorgehen, weil so nebenbei auch noch schöne Stereo- und 5.1-Mixe entstehen, die nicht einfach vom Atmos-Mix irgendwie abgeleitet wurden, welche wiederum sozusagen Abfallprodukte sind (diese fallen i. d. R. qualitativ deutlich ab).

Mike Oldfield hat in seinem 2010er 5.1-Mix andere Instrumente hervorgehoben als David Kosten 2025.
Warum David Kosten sich nicht am besseren 1976er Mix orientierte, mag eventuell daran liegen, dass er ein Quadmix ist. Jedenfalls gebe ich Mike Oldfield recht: Der SQ-encodierte Quad-Mix, als Stereo abgespielt, ist besser als der originale von 1974. Ich habe diesen extra noch einmal für diese Rezension in Stereo angehört, um dies besser beurteilen zu können.
Part 1 beginnt weit und räumlich, der Bass mit ordentlich Low-End ist vorne, Mandoline rechts, Keys links hinten, Bass im Center. Da hier sehr viel passiert, werde ich zusammenfassen: Alle 10 Lautsprecher (in einem 5.1.4-Setting) werden intensiv genutzt und ziemlich diskret verteilt. So können die vielen Instrumente gut herausgehört werden, die in diesem komplexen Arrangement vorkommen.

Part 2 fängt wieder ruhig an. Im Center sind diesmal neben der Bassgitarre auch die akustische Gitarre mit Nylonsaiten zu hören. Der Mix ist sofort sehr immersiv, Mandolinen rechts und links, die beiden weiblichen Gesangsstimmen vorne. Insbesondere ist im Höhepunkt nach etwa 10 min, wo es sehr dicht wird im Mix, die Transparenz durch die vielen Kanäle sehr hoch.
Auffällig war nur:
Etwa nach 10 min im zweiten Teil fällt irgendwie die Lautstärke unerwartet ab, nein, besser beschrieben, macht keinen so heftigen Sprung nach oben, den ich erwartet hatte. Ich höre mir dazu einmal den originalen Stereo-Mix an. Denn ich erinnere mich, dass es hier heftig laut wurde. Ok, ich habe nachgehört: Der 1976er Mix, den ich bisher am meisten gespielt habe über viele Jahre, hat hier an dieser Stelle echt viel Lautstärke, mit deutlichem Sprung. Das ist zum originalen 1974er Mix verschieden. Da sich Kosten am Original orientierte, ist das nachvollziehbar, warum das dann im Atmos-/5.1-Mix auch so ist. Persönlich fehlt mir das, aber das ist auch nur der einzige Mangel, den ich finde.

Fazit:
Das war sehr intensiv und detailreich, so immersiv habe ich das Album noch nie erlebt.
David Kosten hat sich mit diesem Mix in die obere Liga der Atmos-/Surround-Mixer gespielt. Wie bei Steven Wilson und Bruce Soord habe ich noch keinen schwachen Mix von ihm gehört, sondern im Gegenteil: immer bessere. David ist nunmehr auch ein Garant dafür, dass es Spaß macht, seine räumliche Anordnung der Instrumente zu genießen. Also David: OMMADAWN ist dieses Jahr dann dran – ran an die Arbeit!
Wertung: 95 %
Vorhandene Tonformate:
David Kosten 2025:
Dolby Atmos 7.1 TrueHD (48 kHz, 24bit)
DTSHD-MA 5.1 (96 kHz, 24bit)
PCM 2.0 (48 kHz, 24bit)
Binaural (Kopfhörer) PCM 2.0 (96 kHz, 24bit)

Mike Oldfield 2010
PCM 2.0 (48 kHz, 24bit)
DTSHD 5.1 (48 kHz, 16bit)
Mike Oldfield 1976
DTSHD 4.0 (48 kHz, 24bit)
Mike Oldfield 1974
DTSHD 2.0 (48 kHz, 24bit)
Disc einlegen, kurz warten.
2x Play drücken für 2025 David Kosten Atmos Mix.
Komplettes Demo beider Hergest Ridge Teile in Stereo.
Part 1 20:21
Part 2 18:13
Alle Instrumente wurden von Mike Oldfield gespielt.
Außerdem hat David Kosten einen binauralen Kopfhörer Atmos Mix (Stereo Spur) erstellt, so dass das Album auch für Kopfhörer Nutzer einen Mehrwert bietet. Das sollte Standard werden.
Aufwertung: +2 %
Anspieltipp:
Das Album.
Absolut empfehlenswert!
GESAMTWERTUNG: 96 %
Erläuterungen zur Bewertung
Blu-ray: Kostete damals ca. 25 britische Pfund + ca. 12 Pfund Versand, aktuell gebraucht von 58…115€ plus eventuelle MwSt. und Versand.
Streaming: Den Atmos Mix gibt es auch im Streaming. Sinnigerweise findet man ihn bei Apple Music unter der Bezeichnung „The Stereo 2025 Mix“. Nun ja…
Stand: 18.02.2026
Links:
Offizielle Webseite von Mike Oldfield