
Van der Graaf Generator – World Record
Erscheinungsjahr 1976 | Blu-ray Disc | Progressive Rock
Springen zu: Musik | Surroundmix | Albumstart | Bonusmaterial | Fazit | Verfügbarkeit
Als Van der Graaf Generator im Mai 1976 WORLD RECORD in den Rockfield Studios aufnahmen, arbeitete die Band auf einen inneren Bruch zu. Noch während der anschließenden Tour verließen mit Hugh Banton und David Jackson zwei Gründungsmitglieder die Gruppe. Peter Hammill beschrieb die Aufnahmen später als einen Moment, in dem allen Beteiligten klar wurde, dass sich die Dynamik der Band grundlegend veränderte. Diese Erkenntnis fließt in die Musik ein: WORLD RECORD wirkt verdichtet, spannungsgeladen und zugleich suchend. Das Album gehört zu den introspektivsten Arbeiten der Band.
Gemeinsam mit den vorausgegangenen Alben GODBLUFF und STILL LIFE bildet WORLD RECORD eine inhaltlich wie stilistisch eng verbundene Werkgruppe. Dabei fällt WORLD RECORD durch eine stärkere Betonung von Hammills elektrischer Gitarre auf, insbesondere im fast 21-minütigen Meurglys III (The Songwriter’s Guild). Diese neue Klangfarbe verweist bereits auf spätere Solopfade Hammills und erweitert das Spektrum des Bandklangs.
In kommerzieller Hinsicht blieb der große Erfolg auch mit diesem Album aus. Dennoch wurde WORLD RECORD innerhalb der Prog-Szene geschätzt und rückblickend als eines der ambitioniertesten Werke der Band bewertet, wenngleich Hammils Gitarrenspiel oft auch als amateurhaft bezeichnet wurde.
Stephen W Tayler erstellte vor kurzem einen neuen 5.1-Mix von diesem Album. In dem Boxset THE CHARISMA YEARS 1970-1978, das vor ein paar Jahren erschien, fehlte der Surroundmix aus Budgetgründen. Auch demnächst wird wieder etwas von Tayler erscheinen. In den Startlöchern steht ein Boxset mit den Soloalben von Peter Hamill. Zwei davon wird es in 5.1 auf Blu-ray geben.
Tracklist:
1 When She Comes – 8:02
2 A Place to Survive -10:05
3 Masks – 7:01
4 Meurglys III, The Songwriter’s Guild – 20:50
5 Wondering – 6:33
Gesamtdauer: 52:19
WORLD RECORD steht exemplarisch für den komplexen, introspektiven Progressive Rock von Van der Graaf Generator. Die Songs sind geprägt von wechselnden Taktarten, plötzlichen Tempowechseln und einer insgesamt düsteren Klangfarbe. Peter Hammills expressiver Gesang steht im Mittelpunkt und verleiht den Stücken emotionale Tiefe, während das Zusammenspiel von Orgel, Saxofon und Gitarre eine dichte, oft spannungsgeladene Atmosphäre erzeugt.
Das Album zeigt eine große stilistische Bandbreite. Wondering wirkt hymnisch und fast versöhnlich, während A Place to Survive mit drängender Energie und kämpferischem Gestus beinahe punkartig erscheint. Masks thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen äußeren Rollen und innerem Selbst, musikalisch gespiegelt durch den Kontrast zwischen zurückhaltenden Passagen und eruptiven Ausbrüchen. Den Mittelpunkt bildet Meurglys III (The Songwriter’s Guild), ein über 20 Minuten langer Zyklus, der Gitarrensoli, Reggae-Elemente und Art-Rock-Fragmentierungen miteinander verbindet. Der Titel des Stücks bezieht sich dabei auf den Namen von Hamills Gitarre.
Inhaltlich kreisen die Texte um Themen wie Selbstbehauptung, künstlerische Identität, Abschied und Suche nach Sinn. WORLD RECORD dokumentiert eine Band im Übergang, zwischen kollektiver Virtuosität und individueller Neuorientierung. Das Album wirkt dadurch konzentriert und zerrissen zugleich, kompromisslos im Ausdruck und vielschichtig in seiner musikalischen Sprache.
Im Vergleich zu den früheren Alben der Band empfinde ich WORLD RECORD insgesamt als zugänglicher und melodischer. Überraschend finde ich, dass es stellenweise sogar richtig groovt. Besonders angetan bin ich von Hammills „amateurhaftem“ Gitarrenspiel. Genau dieses Unperfekte macht für mich den Reiz des Albums aus und zeigt, dass zwischen Progressive Rock und Punk keine klare Trennlinie verlaufen muss.
Wertung: 86 %
Besetzung:
Peter Hammill – vocals, guitar, piano
David Jackson – tenor, alto and soprano saxophones, flute
Hugh Banton – Hammond organ, bass pedals, Mellotron
Guy Evans – drums, percussion, cymbal
Die Musik von Van der Graaf Generator ist in der Regel nicht so umfangreich arrangiert, dass sich in einem Surroundmix besonders viele Elemente im Raum verteilen ließen. Meist besteht die Besetzung aus Orgel, Saxofon, Schlagzeug und Gesang. Peter Hammill übernimmt neben dem Gesang gelegentlich auch Gitarre oder Klavier. Merkliche Overdubs halten sich in Grenzen. Umso erstaunlicher ist es, dass es Stephen W Tayler gelingt, daraus über weite Strecken einen sehr immersiven Mix zu gestalten.
Die zentrale Gestaltungsidee liegt in der konsequenten Platzierung der Orgel in den Rears. Da sie oft das Fundament der Songs bildet – sowohl harmonisch als auch rhythmisch –, ist sie schon im Stereomix sehr präsent. Diese Präsenz bleibt im Surroundmix erhalten, indem sie bewusst in den hinteren Raum verlagert wird. Auch andere Tasteninstrumente wie Synthesizer-Soli oder Klavierparts werden größtenteils über die hinteren Lautsprecher wiedergegeben.
Das Saxofon ist meist vorne links im Raum verortet, während Hammills Gitarren im rechten Kanal einen Gegenpol bilden. Der Leadgesang erscheint leicht hervorgehoben in der Mitte des Raums.
Wie immer gibt es auch hier einige Ausnahmen. Im ersten Stück sind Saxofon-Echos kurzzeitig auch hinten zu hören, was einen interessanten Effekt erzeugt. Im zweiten Stück wandern Percussion-Elemente nach hinten. Immer wieder tauchen auch dezente Gitarrenparts im hinteren Bereich auf, ebenso zusätzlicher Gesang. Es sind diese gelegentlichen Overdubs, die Tayler ebenfalls gezielt im Raum platziert. In Meurglys III wird das klangliche Grundmuster subtil aufgebrochen, wenn die Leadgitarre plötzlich links und das Saxofon rechts zu hören sind.
Im Großen und Ganzen folgt der Mix jedoch dem beschriebenen Grundschema, das sich über das gesamte Album hinweg durchzieht: Orgel hinten, Saxofon links, Gitarre rechts, Schlagzeug vorne und der Gesang etwas vorgezogen. Dadurch entsteht der Eindruck einer Live-Darbietung – die Musik wirkt unmittelbar und lebendig, als wäre man bei der Aufnahme der Platte direkt im Studio dabei.
Wertung: 94 %
Vorhandene Tonformate:
DTS HD Master 5.1
LPCM 96/24 5.1
LPCM 96/24 2.0
Wie fast immer bei Surroundmixen, die von Esoteric Records veröffentlicht werden, startet auch hier das Album in Stereo. Über die Audiotaste kann man auf 5.1 umschalten. Vorher über das Menü geht das sehr umständlich:
DOWN > DOWN > ENTER > DOWN > ENTER > ENTER > UP > UP > ENTER
Abwertung: – 3 %
Es gibt wenig Bonusmaterial. Auf zwei CD’s liegt das Album im alten und neuen Stereomix vor. Dazu gibt es eine geschnittene Fassung von Meurglys III (etwa 33 %), die seinerzeit als B-Seite erschienen ist. Auf der Blu-ray gibt es zudem ein Promovideo von Wondering.
Aufwertung: + 0,5 %
Anspieltipp:
Meurglys III, The Songwriter’s Guild
Schönes Album, schöner Mix!
Pros / Cons:
+ Sehr gute Surroundabmischung
+ High Resolution (+1 %)
+ etwas Bonus (+ 0,5%)
– Blu-ray Authoring, das Album muss auf Surround gestellt werden (-3 %)
GESAMTWERTUNG: 92 %
Erläuterungen zur Bewertung
Blu-ray: Das Set kommt in einer kleinen Pappschachtel mit drei Silberscheiben und Booklet. Mit 40 Euro nicht gerade günstig.
Stand: 28.08.2025
Links:
Webseite von Van der Graaf Generator