Isao Tomita – Pictures At An Exhibition


Erscheinungsjahr 1976 | SACD (4.0) | Modern Classical / Electronic

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Von Mike W.K.


Mit PICTURES AT AN EXHIBITION bin ich in meiner Teenagerzeit in die Welt von Tomita eingestiegen. Offenbar war ich zu dieser Zeit musikalisch schon recht aufgeschlossen, denn das Werk wurde im Musikunterricht gehört und besprochen (es ist keine leichte Kost!). Tatsächlich hatte einer meiner Schulkameraden eine Musikkassette (ja, das gab es alternativ zu LPs) von dem Album, konnte aber mit der Musik nichts anfangen. So bekam ich die Kassette geschenkt. Ende 1990 habe ich die dann als CD für 25,90 DM in der Lärche in Stuttgart gekauft, damals der größte Plattenladen im Süden von Deutschland. Die CD ist von 1984 und kein Remaster. 2014 erschien das Werk dann auf einer hybriden SACD in Stereo und Quadrophonie. Um den Quadromix geht es in dieser Besprechung.

Das Werk „Bilder einer Ausstellung“ wurde vom russischen Komponisten Modest Mussorgski im Jahre 1874 als Klavierkomposition erschaffen. Die einzelnen Stücke beschreiben musikalisch Gemälde und Zeichnungen seines Freundes Viktor Hartmann, der ein Jahr zuvor verstarb.

Es gibt viele verschiedene Fassungen von diesem Werk. Bekannt dürften sein (Liste mit Werken, die ich selbst auf CD habe):
• Maurice Ravel – Orchesterfassung von 1922
• Leopold Stokowski – Orchesterfassung von 1939
• Emerson, Lake and Palmer – Progressive-Rock-Fassung von 1970
• Isao Tomita – Version auf Moog-Synthesizern von 1975
• Vladimir Ashkenazy – Orchesterfassung von 1982; meine Doppel-CD enthält auch die Klavierfassung und m. E. die beste Orchesterversion.

Zur vorliegenden japanischen SACD-Version hätte ich gern das ein oder andere aus den Liner Notes der SACD zitiert, was mir jedoch nicht möglich ist, da ich kein Japanisch lesen kann. Denn das neu gestaltete Booklet enthält sechs Seiten mit bestimmt interessanten Informationen. Was das originale Veröffentlichungsdatum betrifft, habe ich hier 1974 auf dem Booklet der CD stehen, die CD selbst hat 1975 aufgedruckt.

Auch dieses Album erschien als 7″-Cine-Reel, ¼“-Tonband mit 7 ½ ips Geschwindigkeit in diskreter Quadrophonie und auf LP.

Tomita Pictures at An Exhibition SACD Quad-Mix


Tracklist:

1 Promenade: Gnomes – 4:46
2 Promenade: The Old Castle – 6:21
3 Promenade: Tuileries – 1:28
4 Bydlo – 3:17
5 Promenade: Ballet Of The Chicks In Their Shell – 2:05
6 Samuel Goldenberg And Schmuyle – 3:06
7 The Market Place At Limoges – 1:13
8 Catacombs – 2:38
9 Con Mortuis In Lingua Mortua – 2:10
10 The Hut Of Baba Yaga – 3:44
11 The Great Gate At Kiev – 6:21
Bonus Tracks:
12 Scheherazade (Rimsky-Korsakov) – 4:34
13 The Sea Named „Solaris“ (J. S. Bach, Tomita) – 5:19

Gesamtdauer: 47:02


Die Musik:

Die Gestaltungsmöglichkeiten mit Synthesizern sind vielfältig und bieten noch mehr Auswahl an Klängen als Klavier und Orchester. Schon als Teenager war ich beeindruckt von The Old Castle und Ballet of the Chicks, denn ich konnte mir sofort vorstellen, wie das entsprechende Bild möglicherweise aussah, das Hartmann gemalt hat.

Auch finde ich die musikalische Gestaltung der Promenade gelungen, sie führen direkt zum Bild (Tracks 1, 2, 3 und 5). Tuileries (Dispute d’enfants après jeux) ist flott, verspielt und gibt die Szene der streitenden Kinder im Park wieder. Der Ochsenkarren (Bydlo) ist getragen, gemächlich und langsam. Elektronische Chorklänge (Wie hat er die erzeugt? Großartig!) verstärken den Effekt.

Die Küken in ihren Schalen werden auch von einer Promenade eingeführt, es zwitschert und gackert von allen Seiten. Eine lustige und phantasievolle Interpretation ist Isao Tomita hier gelungen.

CD-Ausgabe von 1984

Schwieriger vorzustellen, was die beiden Juden Samuel Goldenberg und Schmuyle zu diskutieren haben, es scheint durchaus kontrovers zu sein. Die beiden sehr verschiedenen Charaktere werden musikalisch entsprechend wiedergegeben.

Der Markt von Limoges (Limoges – The Market Place) ist ein buntes Durcheinander, dementsprechend geht es auch heftig chaotisch, mal dissonant, mal melodisch zur Sache.

Die Katakomben (Catacombs) sind dunkel, langsam und getragen. Orgelklänge und Chorklänge sind präsent, sowie ein fließender Übergang zu Cum Mortuis in Lingua Mortua. Die beiden Stücke gehören auch thematisch zusammen.

Die Hütte der Hexe Baba Yaga (The Hut on Fowl’s Legs (Baba Yaga)) ist wieder sehr abgefahren, schneller und voller Effekte und Wechsel. Fließend ist der letzte Übergang mit einem musikalischen Zitat aus den Promenaden in The Great Gate at Kiev. Majestätische Klänge und Tiefe beschreiben musikalisch dieses Bauwerk auf dem Bild.

Tomita Pictures at An Exhibition SACD Quad-Mix

Die Moog-Klänge sind insgesamt vertraut, sie haben Charakter. Walter Carlos nutzte sie bereits seit 1968 auf SWITCHED ON BACH, oder die Beatles 1969 auf ABBEY ROAD.

Es gibt zudem zwei Bonus-Tracks, die nicht zum Werk selbst gehören. Sie sind ebenfalls gelungen, und auch der Quad-Mix ist gut.

Wertung: 90 %


Besetzung:

Isao Tomita – Synthesizer

Produktion:
Isao Tomita – 4.0 Mix


Der Mix und Sound:

Es beginnt gleich sehr lebhaft: Der Vocalsynthesizer kommt aus allen Richtungen während der ersten Promenade. Es wabert, und das Theremin ist vorne, und die Sounds kreisen auf den vier Lautsprechern um einen herum. Die zweite Promenade ist weniger lebhaft inszeniert, was passend zum Übergang zu The Old Castle passt. Das alte Schloss oder eine Burg kann ich mir so in exponierter Lage mit Nebelschwaden drumherum vorstellen. Der Mix verteilt die elektronischen Klänge sehr räumlich, um dies zu verstärken.

Tomita Pictures at An Exhibition SACD Quad-Mix

Der Surround-Panner kommt sehr intensiv bei dem Kükenballett (in Nr. 5) zum Einsatz, aber nicht nur dort. Beeindruckend ist die Tiefe der Katakomben (8.), es wird sehr viel Hall verwendet, was sich in Cum Mortuis in Lingua Mortua fortsetzt. Die chaotische Hütte der Baba Yaga ist entsprechend auch im Mix lebhafter und chaotischer, während The Great Gate at Kiev hier strukturierter mit weniger kreisenden Sounds auskommt. Das passt sehr gut und ist dadurch nicht weniger immersiv.

Zu A Sea Named „Solaris“: Hier inszeniert Tomita das Meeresrauschen mit dem Moog, und der Mix lässt den Zuhörer räumlich am Meer stehen.

Insgesamt: guter Klang aus vier gleichberechtigten Lautsprechern mit lebhaften Bewegungen.

Tomita Pictures at An Exhibition SACD Quad-Mix

Wertung: 90 %


Vorhandene Tonformate:
SACD DSD 5.1 (4.0, Center und LFE sind leise)
SACD DSD 2.0
CD Audio

Album starten:

Einlegen, loslegen!


Bonusmaterial:

keine, SACD.


Anspieltipp:

The Old Castle, Ballet Of The Chicks In Their Shell


Fazit:

Spannende Interpretation von Tomita, sehr guter Klang und interessanter quadrophonischer Mix, aber auch kein easy listening, sondern anspruchsvoll. Empfehlenswert!

 

 

GESAMTWERTUNG: 90 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

SACD: gebraucht ca. 18…40€ + Zusatzkosten wie Versand

Stand: 07.04.2026

 


 

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