Talking Heads – Talking Heads: 77


Erscheinungsjahr 1977 | DVD-Audio (5.1) / Streaming / Blu-ray (Dolby Atmos) | New Wave

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Mit TALKING HEADS: 77 legten die Talking Heads den Grundstein für eine Karriere, die sie zu einer der einflussreichsten Bands der New-Wave-Ära machen sollte. Das Album erschien im September 1977 und vereinte die fiebrige Energie des Punk mit einer klaren, fast minimalistischen Struktur, die bereits den intellektuellen Ansatz der Band erahnen ließ. Besonders Psycho Killer sollte sich als zeitloser Klassiker etablieren, doch auch die übrigen Stücke zeigten eine Band, die ihren ganz eigenen Weg abseits der gängigen Punk-Klischees verfolgte.

Die Entstehungsgeschichte des Albums ist eng mit der frühen Entwicklung der Band verknüpft. Nachdem sich David Byrne, Chris Frantz und Tina Weymouth an der Rhode Island School of Design kennengelernt hatten, zog es sie nach New York, wo sie Teil der aufstrebenden CBGB-Szene wurden. Da sich kein geeigneter Bassist fand, übernahm Weymouth diesen Part – eine Entscheidung, die den Sound der Band entscheidend mitprägte. Mit der Verpflichtung von Jerry Harrison Anfang 1977 war das Line-up schließlich komplett.

Die Aufnahmen zu TALKING HEADS: 77 fanden über einen längeren Zeitraum statt und liefen intern unter dem Arbeitstitel Melody Attack. Dieser Name, inspiriert von einer japanischen Spielshow, deutet bereits an, worum es der Band ging: eine Mischung aus strukturierten, oft fast artifiziellen Melodien und einer rhythmischen Präzision, die sich von vielen Zeitgenossen abhob. Statt auf rohe Aggression setzten die Talking Heads auf ein klares Klangbild, das ihre nervöse, oft leicht verspielte Ästhetik unterstrich.

Rückblickend zeigt sich das Album als entscheidender Startpunkt für eine Band, die sich in den kommenden Jahren radikal weiterentwickeln sollte. Noch ohne die experimentellen Klangwelten, die spätere Werke mit Brian Eno prägen sollten, bietet TALKING HEADS: 77 einen faszinierenden Einblick in die Ursprünge der Band. Es ist das Werk einer Gruppe, die zwar aus der Punk-Szene hervorging, sich aber nie auf deren Konventionen beschränken ließ.

Die Alben der Talking Heads wurden vor knapp 20 Jahren bereits in 5.1 abgemischt und im DVD-Audio-Format (Foto) veröffentlicht. Seit einiger Zeit gibt es die Band auch im Streaming in Dolby Atmos zu hören. Vom Erstlingswerk erschien kürzlich eine Sonderausgabe, die auf Blu-ray den Dolby Atmos Mix enthält. Enthalten ist dort auch ein 5.1-Mix. Ich vermute, dass es sich dabei um den alten 5.1-Mix handelt und nicht um einen Downmix aus den Atmos-Spuren.

Talking Heads 77 5.1-Surroundmix DVD-Audio


Tracklist:

  1 Uh-Oh, Love Comes to Town – 2:48
2 New Feeling – 3:09
3 Tentative Decisions – 3:04
4 Happy Day – 3:55
5 Who Is It? – 1:41
6 No Compassion – 4:47
7 The Book I Read – 4:06
8 Don’t Worry About the Government – 3:00
9 First Week/Last Week… Carefree – 3:19
10 Psycho Killer – 4:19
11 Pulled Up – 4:29

Gesamtdauer: 38:37


Die Musik:

Musikalisch bewegt sich TALKING HEADS: 77 zwischen New Wave, Art-Punk und minimalistischen Strukturen. Die Band kombiniert die rohe Energie des Punk mit einem fast analytischen Ansatz, der sich vor allem in den ineinandergreifenden Gitarrenlinien von David Byrne und Jerry Harrison zeigt. Inspiriert von The Velvet Underground, setzen die beiden auf gezupfte, oft repetitiv wirkende Motive, die sich zu einem dichten, aber nie überladenen Klangbild verweben.

Das Fundament des Albums bildet die Rhythmussektion aus Chris Frantz am Schlagzeug und Tina Weymouth am Bass. Besonders Weymouths Spiel ist bemerkenswert – ihre klar definierten, oft groovenden Basslinien verleihen den Songs eine subtile, fast tänzerische Note, die den Sound der Band entscheidend prägt.

Die Songs auf dem Album sind in ihrer Stilistik vielfältig. Uh-Oh, Love Comes to Town eröffnet mit einem beinahe entspannten Groove, während No Compassion die kantigere, fast aggressive Seite der Band zeigt. Psycho Killer ragt mit seiner nervösen, spannungsgeladenen Atmosphäre heraus und verdeutlicht Byrnes Talent, Unbehagen und innere Unruhe in Musik zu übersetzen. The Book I Read hingegen wirkt vergleichsweise unbeschwert und harmonisch, was die Bandbreite des Albums zusätzlich unterstreicht.

TALKING HEADS: 77 nutzt Minimalismus nicht als Einschränkung, sondern als stilistisches Mittel. Die Band setzt auf Zurückhaltung und punktuelle Akzente, statt auf überladene Arrangements – Stille und Pausen sind dabei ebenso wichtig wie die eigentlichen Klänge. Trotz der noch relativ geradlinigen Produktion enthält das Album bereits viele Elemente, die den späteren Sound der Band ausmachen sollten.

Wertung: 83 %


Besetzung:

David Byrne – guitar, lead vocals, bells
Chris Frantz – drums, steel pan
Jerry Harrison – guitar, keyboards, backing vocals
Tina Weymouth – bass guitars

Lew Del Gatto – saxophone
Jimmy Maelen – marimba, percussion


Der 5.1-Surroundmix auf DVD-Audio:

In den Liner Notes der CD/DVD-Ausgabe steht, dass das Album auf einem 16-Spur-Gerät aufgenommen wurde, wobei vier Spuren bereits für das Schlagzeug reserviert waren. Oftmals wurden die 16 Spuren nicht vollständig genutzt, sodass beim 5.1-Mix nur selten wirklich diskrete Verteilung möglich war. Es ging vielmehr darum, die Klangbühne im Raum etwas zu erweitern.

Genau so klingt der Mix dann auch größtenteils: Vorne befinden sich Schlagzeug, Bass und Gesang. Auch die Gitarren sind meist vorne platziert, allerdings etwas weiter im Raum verteilt, sodass sie oft seitlich wahrgenommen werden. In den Rears sind immer wieder einzelne Instrumente zu hören – meist Overdubs wie zusätzliche Gitarren, Keyboards oder Percussion, etwa die Steel Drum im ersten Stück. Auch Hintergrundgesang wird gelegentlich nach hinten gemischt.

Insgesamt ist der Mix nicht übermäßig diskret, macht aber dennoch Spaß und bietet eine sehr gute Klangqualität. Es wäre jedoch noch mehr möglich gewesen – was der neue Dolby-Atmos-Mix eindrucksvoll beweist.

Talking Heads 77 5.1-Surroundmix DVD-Audio

 

Wertung: 90 %


Anspieltipp:

Psycho Killer, No Compassion


Vorhandene Tonformate auf der DVD-Audio:
MLP Lossless 5.1
MLP Lossless Stereo
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital Stereo

Album starten:

Wie üblich für eine DVD-Audio. Rein in den Player, etwas warten, Enter drücken. Wer nur einen normalen DVD-Player hat und somit den DVD-Video-Anteil ansteuert, dürfte enttäuscht darüber sein, dass es nur Dolby Digital als Tonformat gibt.


Bonusmaterial:

Bei der alten DVD-Audio-Veröffentlichung gibt es zwei Bonustracks in Surround zu hören, eine Fotogallerie und zwei kurze Konzertclips. Außerdem gibt es noch fünf Bonusstücke auf der CD.

Aufwertung: +1 %


Bewertung DVD-Audio Ausgabe:

Pros / Cons:
+ Schöner Surroundmix mit guter Klangqualität.
+ High Resolution (+1 %)
+ Zusätzliche Tracks in Surround und weiteres Bonusmaterial (+1 %)
– DVD-Video-Variante bietet nur Dolby Digital als Tonformat (-2 %)

GESAMTWERTUNG DVD-Audio: 88 %

Erläuterungen zur Bewertung

Talking Heads 77 Dolby Atmos
Screenshot Apple Music App


Der Dolby Atmos Mix:

Im Vergleich zum bereits guten 5.1-Mix stellt der Dolby-Atmos-Mix ein Upgrade dar – weniger wegen der zusätzlichen vertikalen Komponente, sondern vielmehr aufgrund der konsequenteren Verteilung der Instrumente. Der Mix klingt insgesamt immersiver, da die Gitarren größtenteils in die Rears gepackt wurden, während sie im Surround-Mix oft weiter vorne im Raum zu hören sind.

Der Atmos-Mix lässt sich daher schnell zusammenfassen: Vorne befinden sich Gesang, Schlagzeug und Bass, während die Gitarren seitlich und hinten platziert wurden. Dadurch wirkt der Mix stimmiger, weil die komplexe Gitarrenarbeit besonders gut zur Geltung kommt. Außerdem klingt der Sound trockener – während der 5.1-Mix etwas halliger war, wodurch jede einzelne Note der Gitarren noch plastischer erscheint. Weitere Instrumente wie Keyboards, Percussion und Bläser sind in der Regel hinten zu hören, sodass vorne vor allem das Fundament aus Bass, Schlagzeug und Gesang bleibt.

Gelegentlich verirrt sich eine Gitarre oder ein Keyboardsound nach vorne, oft in Kombination mit einer Positionierung in der Höhe. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass die hinteren Deckenlautsprecher stärker genutzt wurden – hier sind beispielsweise Klavier und Orgel höher platziert. Auch einzelne Akustikgitarren befinden sich im hinteren Bereich merklich weiter oben. An zwei Stellen, in den Stücken Don’t Worry About The Government und Pulled Up, kam mir auch der Gesang etwas höher positioniert vor.

Klanglich macht das Album eine gute Figur – es klingt knochentrocken, was durchaus seinen Reiz hat. Hier und da hätte der Bass für meinen Geschmack etwas lauter abgemischt sein können. Im Vergleich zum 5.1-Mix ist der Atmos-Mix insgesamt etwas höhenlastiger, während der ältere Mix hier etwas wärmer und ausgewogener klang.

 

Wertung Dolby Atmos Mix: 98 %

 

 


Anspieltipp in Dolby Atmos:

Psycho Killer, First Week/Last Week


Fazit:

Beide Mixe machen Spaß, der Dolby Atmos Mix ist aber definitiv ein Upgrade.


Verfügbarkeit:

CD/DVD-Audio: Diese Ausgabe ist natürlich längst out of print. Die Gebrauchtpreise schwanken zwischen 20 und 100 Euro, daran scheint auch die aktuelle Super Deluxe Edition nichts daran zu ändern.

Super Deluxe Edition (3 CDs / 1 Bluray): Das neue Set mit dem Dolby Atmos Mix ist im November 2024 erschienen und noch gut erhältlich. Kostenpunkt: 80-100 Euro.

STREAMING: Alle Alben der Talking Heads kann man auf den Streaming Portalen in Dolby Atmos hören. Verfügbar bei Apple Music, Amazon Music und Tidal.

Stand: 03.04.2025


Links:

Offizielle Webseite von Talking Heads

 

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