Yes – Tales From Topographic Oceans


Erscheinungsjahr 1973 | DVD-Audio / Blu-ray Disc | Progressive Rock

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Im Dezember 1973 erschien das sechste Studioalbum der englischen Progressive Rockband Yes. Nach dem Erfolg von Vorgänger CLOSE TO THE EDGE wollte man ein anspruchsvolles Konzeptalbum einspielen. TALES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS ist dieses anspruchsvolle Konzeptalbum und dazu noch ein Doppelalbum. Erschienen zu einer Zeit, als der Progressive Rock gerade seine Hochphase hatte. Kurze Zeit später wandten sich viele davon ab und der Punk stand in den Startlöchern. Es gibt nicht wenige, die ausgerechnet diesem Doppelalbum von Yes die Schuld dafür geben. Denn an TALES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS scheiden sich die Geister. Die einen halten es für das Meisterwerk schlechthin und die anderen für eine Ansammlung von musikalischen Tönen und Rhythmen in einer äußerst langweiligen Reihenfolge. Auch innerhalb der Band gab es später unterschiedliche Meinungen. Keyboarder Rick Wakeman, der nach diesem Album die Band zunächst verließ, fand das Album eine halbe Stunde zu lang.

Thematisch beschäftigt sich TALES mit den Sashtras, den heiligen Schriften Indiens, welche in insgesamt vier Gruppen eingeteilt sind. Folglich gibt es auf dem Album insgesamt auch nur vier philosophisch-religiös angehauchte Stücke, die sich über jeweils eine gesamte Plattenseite erstrecken.

Die Aufnahmen gestalteten sich ein wenig unkonventionell und chaotisch. Sänger Jon Anderson wollte in einer ländlichen Umgebung und vor allem Nachts aufnehmen, um in eine gewisse geistige Stimmung zu kommen. Die Bandkollegen wehrten sich dagegen und setzten sich durch, sodass schließlich Studios in London gebucht wurden. Daraufhin ließ Anderson dort Heuballen und einen Zaun aufstellen. Wenig später stellte dort jemand noch eine Kuh aus Pappe hin.

Zudem experimentierte Produzent Eddie Offord mit bewusstseinserweiternden Mitteln, sodass es vorkam, dass er gut eingespieltes Material aus versehen löschte und stattdessen weniger gutes verwendete. Über die vermutlich ebenso chaotischen Masterbänder machte sich nun vor einigen Jahren Steven Wilson her und erstellte einen 5.1 Mix von diesem denkwürdigen Album. Erschienen ist es als Doppel-CD/Blu-ray Variante und Doppel-CD/DVD-Audio Version. Die letztere wird hier besprochen.

1973 erreichte TALES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS Platz 1 in den britischen Charts und schaffte es auch in den Staaten in die Top 10.


Tracklist:

 1 The Revealing Science of God – 20:18
2 The Remembering – 20:32
3 The Ancient – 18:40
4 Ritual – 21:44

Gesamtdauer: 81:15


Die Musik:

Ich gebe es zu, ich gehöre zu jenen, die mit dem Album wenig anfangen können. Ich kann die vielen schlechten Kritiken nachvollziehen. Auch ich finde es größtenteils anstrengend und langweilig und viel zu lang. Nichtsdestotrotz finden sich auf TALES einige richtig tolle Momente, wo ich jedes Mal aufhorche und denke: Was? Das ist auf diesem Album? Daneben gibt es dann wieder Stellen, die sich wie Kaugummi ziehen, die den Hörer vermutlich in andere Sphären hypnotisieren wollen. Wenn jedes Stück nur halb so lang geworden wäre, das Album also nur ein Einzelalbum wäre, dann wäre es etwas richtig großes geworden. Vielleicht hätte Wilson als Bonuscontent eine Kurzversion erstellen sollen.

Obwohl das Album thematisch mit den Sashtras zu tun hat, hat man es hier nicht mit einem Weltmusik-Album zu tun. Man hört keine indischen Klänge sondern die üblichen Instrumente einer Prog-Rock-Band. Dennoch gibt es hier und da einige Entfernungen von der westlichen Musik. Unter anderem gibt es längere perkussive Passagen auf den beiden letzten Stücken. Über dem gesamten Album macht sich eine leicht meditative Stimmung breit, was nicht heißt, dass es sehr gemächlich zu Werke geht. Die Band geht schon aus den Vollen. Mit meditativ ist gemeint, dass es diverse repetitive Stellen gibt und einiges auch ein wenig psychedelisch dargeboten wird.

Am zugänglichsten dürfte da noch das erste Stück The Revealing Science of God (Dance of the Dawn) sein. Die beiden letzten Stücke dürften dagegen für die meisten schwer zu ertragen sein, obwohl das letzte Stück mit dem Nous Somme Du Soleil-Teil eine traumhafte Melodie zu bieten hat.

Wertung: 53 %


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals, acoustic guitar, percussion
Steve Howe – guitars, electric sitar, percussion, backing vocals
Chris Squire – bass guitar, percussion, backing vocals
Rick Wakeman – keyboards, percussion
Alan White – drums, percussion, backing vocals


Der Surroundmix:

Bereue ich den Kauf des Albums, deren Musik ich nicht im geringsten mag? Nein, auf gar keinen Fall! Denn was Steven Wilson hier aus dem Album herausgeholt hat ist à la bonne heure. Es gehört mit Sicherheit zu den besten 5.1-Mixen und die Musik profitiert ungemein davon. Es macht regelrecht Spaß, diese immer wiederkommenden langweiligen Passagen zu überdauern, da sich der Mix auf Referenzniveau bewegt und man nur noch große Augen (und Ohren) macht.

Als Liebhaber von Mellotron-Klängen bin ich vor allem vom Klang dieses Instrumentes auf TALES FROM TOPOGRAPHIC OCEANS begeistert, welche weitestgehend im hinteren Raum platziert wurden. Ich habe ein Mellotron noch nie so klar und deutlich vernommen wie auf diesem Album in 5.1. Die übrigen Instrumente klingen aber auch nicht schlechter. Alles klingt sehr klar und man kann jede Nuance heraushören. Die Instrumente sind Wilson-typisch überall im Raum verteilt und Chorgesänge, die es ja bei YES immer wieder gibt, kommen zumeist aus den hinteren Lautsprechern. Im ersten Stück klingt es sogar so, als wären die vielen Stimmen im Halbkreis um den Hörer angeordnet worden.

Hervorzuheben sind auch die oben erwähnten rhythmischen Stellen, bei denen alle Bandmitglieder in diverse Schlaginstrumente hauen, die im gesamten Raum verteilt sind. Hier wurden auch sehr tiefe Schlaginstrumente in die hinteren Lautsprecher geschoben, sodass das Bass Management und die Rear-Lautsprecher schon etwas können sollten, damit diese Stellen gut rüber kommen.

Wertung: 98 %


Vorhandene Tonformate:
MLP 5.1
MLP 2.0
DTS 5.1  (48 kHz / 24 bit)
LPCM 96/24 2.0
 

Album starten:

Das Album befindet sich auf zwei DVD-Audio-Silberlingen. Man muss also nach der Hälfte wechseln. Auf der Bluray-Variante dürfte alles auf einer Scheibe sein. Die Musik lässt sich auf der DVD einfach über die Enter-Taste ansteuern.

 


Bonusmaterial:

Auf den DVDs gibt es den original Stereo Mix. Auf der zweiten CD gibt es einige Bonustracks und Single Edits. Die Blu-ray Variante hat einiges mehr zu bieten. Ist aber nichts, was wirklich interessant ist.

Aufwertung: + 0,5 %


Anspieltipp:

The Revealing Science of God


Fazit:

Vom Surroundmix her eine absolute Kaufempfehlung, Warnung allerdings vor der Musik!!!

Pros / Cons:
+ Sehr guter Surroundmix auf Referenz-Niveau
+ High Resolution (+1 %)
– Meiner Meinung nach das falsche Album, um jemanden Progressive Rock vorzustellen
–  Bonuscontent mau

 

GESAMTWERTUNG: 86 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

DVD-Audio: 2016 erschienen scheint die DVD Variante bereits weniger gut zu bekommen zu sein. Sie ist mittlerweile teurer (über 40 €) als die Blu-ray-Edition. Damals war es umgekehrt.

Blu-ray: Ist noch einfach zu bekommen und kostet um die 35 Euro.

SACD: Es gibt von TALES auch noch eine japanische SACD. NICHT KAUFEN! Die ist von 2014 und hat KEINEN SURROUNDMIX.

Stand: 19.06.2018

 


Links:

Offizielle Seite von Yes

 

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