Mike Oldfield – Tubular Bells


Erscheinungsjahr 1973 | DVD | Progressive Rock

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TUBULAR BELLS könnte man als musikalisches Weltwunder bezeichnen. Ein 20 Jahre junger Mann nahm in den analogen Zeiten der 70er Jahre, als alles noch auf Bänder aufgezeichnet wurde, und man Fehler in den Aufnahmen nicht so komfortabel wie heute mit ein paar Mausklicks eliminieren konnte, ein instrumentales Album auf, bei dem er nahezu alle Instrumente selber einspielte und welches aus zwei Stücken Musik besteht, die jeweils über 20 Minuten dauern. Dieser junge Mann war Mike Oldfield und er musste dieses Album, weil Studiokosten teuer waren, innerhalb einer Woche einspielen.

Das Album gilt heute als Meilenstein der instrumentalen Musik und dürfte das erste Album sein, dass exzessiven Gebrauch des Overdubbing nutzt. Oldfield spielt nahezu alle Instrumente alleine und es gibt nur sehr wenige Stellen auf dem Album, die sparsam instrumentiert sind. Man hält es kaum für möglich, dass er das alles zwei Jahre vorher mittels eines Bang & Olufsen Beocord Vierspur-Rekorders als Demo Version zu Hause einspielte und sozusagen während des Aufnehmens komponierte. Oldfield war fasziniert von sich hypnotisch wiederholenden Sequenzen, nahm sein einleitendes Klavierthema über fünf Minuten lang auf und baute anschließend den Rest in Overdubs auf. Dass das Werk letztendlich aus zwei langen Stücken besteht, liegt schlichtweg daran, dass ihm bei den Demoaufnahmen die Ideen nicht ausgingen.

Das Album erschien im Mai 1973, zu einer Zeit also, als man sehr offen für „die etwas andere“ Musik war und die Albencharts voll von progressiver Musik waren. TUBULAR BELLS war das erste Album des neu gegründeten Plattenlabels Virgin Records. Es schlug wie ein Bombe ein, erreichte Platz eins, verkaufte sich fast 20 Millionen Mal und machte den Gründer von Virgin Records Richard Branson über Nacht reich. Oldfield brachte ab den 90ern einige Fortsetzungen heraus, die aber an den Erfolg des Erstlings nicht heranreichen konnten.

2009 wurde begonnen Mike Oldfields Back-Catalogue in sogenannten Deluxe-Editions neu zu veröffentlichen. TUBULAR BELLS war das erste Album davon und erschien als Doppel-CD mit DVD. Oldfield erstellte einen neuen Stereo- und Surroundmix, die neben dem Originalmix auf CD 2 mit dieser Veröffentlichung erschienen sind. In den 70ern ist eine Quadrophonie-Version von TUBULAR BELLS erschienen, damals mit seinen beiden Nachfolgern auf dem BOXED Box-Set. 2001 erschien der Quad-Mix auf SACD. Schade, dass man ihn nicht mit auf die DVD packte.


Tracklist:

1 Part 1 – 25:30
2 Part 2 – 23:20

Gesamtdauer: 48:50


Die Musik:

TUBULAR BELLS beginnt mit dem mittlerweile weltbekannten Klavierthema, welches jeder kennen dürfte. Wenige Monate nach Veröffentlichung des Albums nutzte William Friedkin diese Einleitung für den Beginn seines Films Der Exorzist, was dem Album noch mehr Popularität einbrachte.

Mit herkömmlicher Rockmusik hat das Album wenig zu tun. Statt dessen finden sich hier alle möglichen Stile und Einflüsse aus Klassik, Folk, Blues, Filmmusik, Rock und Country wieder, die zu einem eigenen Klangkosmos zusammengelegt werden. Bemerkenswert ist zudem das Finale des ersten Teils, wenn nacheinander diverse Musikinstrumente eine Melodie spielen und jedes Instrument vorher namentlich angekündigt wird, bis schließlich als letztes Instrument die Röhrenglocken (Tubular Bells) erklingen. Neben einigen Chorpassagen und den gerade erwähnten Instrumentenankündigungen, gibt es lediglich im zweiten Teil noch eine längere Passage in der Gesang, oder besser gesagt eine Stimme zu hören ist. Dies ist vielleicht die Stelle, die noch am ehesten dem Rock zugewiesen werden kann, da hier neben eingängigem Schlagzeug und Gitarrenriffs noch näherungsweise Bausteine aus Strophen und Refrain zu hören sind. Der gutturale Gesang Oldfields dürfte dem Death Metal zu gewissen Inspirationen verholfen haben.

Wertung: 91 %


Besetzung:

Mike Oldfield – grand piano, glockenspiel, Farfisa organ, bass guitar, electric guitar, taped motor drive amplifier organ chord, assorted percussion, acoustic guitar, flageolet, honky tonk piano, Lowrey organ, tubular bells, concert tympani, Hammond organ, Spanish guitar, vocals
Steve Broughton – drums
Lindsay Cooper – string basses
Jon Field – flutes
Mundy Ellis – backing vocals
Sally Oldfield – backing vocals
Viv Stanshall – voice


Der Surroundmix:

Der Surroundmix von TUBULAR BELLS ist für mich eines der größten Mysterien der Neuzeit. Ich weiß schlichtweg nicht, was Mike Oldfield damit angestellt hat. Wenn ich hier ein Album vorstelle, höre ich es immer auf zwei Systemen an, einmal über meine aktuelle Anlage im Wohnzimmer, wo man relativ mittig im Raum sitzt und einmal über meine alte Anlage in einem kleineren Zimmer, wo die Hörposition näher zu den Rear-Lautsprechern ist. Es gibt im allgemeinen hier und da kleine Unterschiede beim Heraushören von Instrumenten, im kleinen Zimmer klingt es dichter, während es im Wohnzimmer eher nach Weite klingt und Instrumente weiter auseinander platziert zu sein scheinen. Aber ein guter Mix klingt in beiden Räumen gut und ein weniger guter entsprechend weniger gut. TUBULAR BELLS ist da aber völlig anders. Es klingt in beiden Räumen völlig unterschiedlich, die einzige Gemeinsamkeit ist, dass es vor allem was den ersten Teil angeht nicht wirklich gut klingt und regelrecht an einigen Stellen völlig missraten ist.

Im Wohnzimmer klingt es so, als ob in den Frontlautsprechern ein völlig anderer Mix zu hören ist, als in den hinteren Lautsprechern. In den vorderen klingt Part 1 völlig ohne Druck, als würde man einen billigen Bluetooth-Lautsprecher verwenden, während es hinten einigermaßen normal klingt. Vorne dumpf, hinten klar. Die Bassgitarre klingt vor allem am Anfang ziemlich lächerlich. Der Surroundmix liegt nur in Dolby Digital vor. Ich weiß nicht, ob meine Wohnzimmeranlage irgendwelche Probleme mit dem Format hat, allerdings wäre mir dies ja auch bei vielen Filmen aufgefallen. Part 2 andererseits klingt da auch wieder deutlich besser.

Weniger Probleme mit dem Mix hat die Anlage im zweiten Zimmer, die schon in die Jahre gekommen ist. Aber auch hier machen sich diverse Stellen in Part 1 negativ bemerkbar. Zwar ist hier der Bass am Anfang richtig ausgepegelt, aber wenig später dröhnt es dann in den Tiefen sehr heftig. Es scheint also, als hätte der LFE Kanal ziemlich ernste Probleme im Mix. Hier muss man ständig im Bassmanagement nachjustieren. Part 2 dagegen klingt auch hier deutlich besser und fast so wie man es sich gewünscht hat.

Wenn man es irgendwie schafft die Soundprobleme gedanklich auszublenden, findet man einen Surroundmix vor, der einem das Album neu entdecken lässt. Man hört Instrumentenspuren, die man zuvor nicht herausgehört hat, man hört einige unsauber eingespielte Stellen heraus, die dem Zeitdruck geschunden sind, hier und da rumpelt es ein wenig, was das Timing angeht. Es klingt sehr organisch und man ist mitten drin in einer Klanglandschaft aus den unterschiedlichen Instrumenten, die den Hörer in eine andere Zeit und an einen anderen Ort bringen. Alle Lautsprecher werden fast gleichmäßig genutzt. Das Highlight ist da für mich die erste Hälfte des zweiten Teils. Vorne und hinten Gitarren, später eine Orgel die man auch hinten heraushört und über allem schwebt dann der mystische Chor, bei dem man das Gefühl hat, man wäre mitten in einem alten Vampirfilm in Transsylvanien.

Als Bonustrack gibt es unter anderem eine alternatives Ende von Part 2, welches mit dem Traditional Sailor‘s Hornpipe endet. Im alternativen Ende hört man Viv Stanshall, der im ersten Teil bereits die Instrumente ansagte einen längeren Monolog halten, während Oldfield mit seinen Instrumenten im Hintergrund herumläuft und spielt. So wollte man das Album in der Quad-Abmischung beenden und man versprach sich einen tollen Effekt davon, Oldfield im Haus rumlaufen zu lassen. Letztendlich hat das aber nicht so gut funktioniert, sodass Oldfield dies 35 Jahre später erneut abmischte. Der neue Mix kann aber auch nicht wirklich deutlich machen, was man sich davon versprochen hatte. Es klingt ziemlich konfus.

Wertung: 69 %


Vorhandene Tonformate:
Dolby Digital 5.1

Album starten:

Konfus ist auch das DVD-Menü. Denn wenn man auf die Entertaste vertraut, wird man lediglich Part 1 hören. Um das komplette Album zu hören, muss man auf Play All navigieren. Zum Glück reicht hier das einmalige Drücken der Up-Taste: UP > ENTER

UP > ENTER

Abwertung: -1 %


Bonusmaterial:

Als Bonusmaterial gibt es neben dem zuvor erwähnten alternativen Sailor’s Hornpipe noch eine für den amerikanischen Markt erstellte Singleauskopplung eines der Themen des Albums, welche aber eine völlig andere Instrumentierung hat. Interessant ist der BBC TV-Mitschnitt von Part 1, bei dem Mike Oldfield mit einer Reihe anderer Musiker den ersten Teil in einem Studio fürs Fernsehen einspielte. Unter anderem spielte Rolling Stones Gitarrist Mick Taylor mit.

Aufwertung: +1 %


Anspieltipp:

Part 2


Fazit:

Man kann nur hoffen, dass es davon irgendwann einen neuen Mix gibt, wäre sonst schade um dieses Meisterwerk.

Pros / Cons:
+ sehr weiträumiger Mix
+ Bonusmaterial (+1 %)
– klangtechnische Schwächen, vor allem in Part 1 (-5 %)
– nur komprimiertes Dolby Digital als Tonformat (-2 %)
– DVD-Menü mit kleiner Tücke (-1 %)

 

 

GESAMTWERTUNG: 74 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD / DVD: Gibt es auch noch nach neun Jahren relativ günstig für ca. 19 Euro.

SACD mit dem Quad-Mix: Die gibt es wohl nur noch jenseits von 100 Euro. Vorsicht, die SACD, die für ca 40 Euro verkauft wird ist nur Stereo!

Stand: 07.08.2018

 


Links:

Offizielle Webseite von Mike Oldfield

 

2 Gedanken zu „Mike Oldfield – Tubular Bells

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