Depeche Mode – Ultra


Erscheinungsjahr 1997 | DVD | Dark Rock

Springen zu:  Musik  |  Surroundmix  |  Albumstart  |  Bonusmaterial  |  Fazit  |  Verfügbarkeit

Mitte der 90er Jahre hing die Zukunft von Depeche Mode am seidenen Faden. Die Band stand kurz vor der Auflösung. Soundtüftler Alan Wilder, neben Komponist Martin L. Gore die prägende Gestalt der Gruppe, hatte an seinem 36. Geburtstag seinen Ausstieg bekanntgegeben. Viel gravierender war jedoch der Zustand von Sänger Dave Gahan, der sich vollkommen seiner Drogensucht widmete und zwischen Entzugskliniken und Tod pendelte. Ob es jemals wieder ein Depeche Mode Album geben würde, stand in den Sternen. Gores neue Songs waren längst eingespielt und es fehlten eigentlich nur noch die Lead Vocals, für die Dave Gahan, wenn er mal im Studio war, kaum Kraft hatte. Zu der Zeit war man kurz davor, ULTRA einfach als Soloalbum von Martin L. Gore zu veröffentlichen. Doch dann plötzlich begann Dave Gahan seine Situation zu begreifen und erfolgreich dagegen anzukämpfen. Depeche Mode war wieder da und veröffentlichte 1997 wohl ihr letztes richtig gutes Album (meiner Meinung nach).

Das neunte Werk ULTRA erschien schließlich zehn Jahre später, wie auch die restlichen Studioalben, in einer Special Edition, die einen Mix in Surround Sound enthält, der von Kevin Paul erstellt wurde.

 


Tracklist:

1 Barrel of a Gun – 5:35
2 The Love Thieves – 6:34
3 Home – 5:42
4 It’s No Good – 5:58
5 Uselink – 2:21
6 Useless – 5:12
7 Sister of Night – 6:04
8 Jazz Thieves – 2:54
9 Freestate – 6:44
10 The Bottom Line – 4:26
11 Insight – 8:37

Gesamtdauer: 60:10


Die Musik:

Dass das Album ziemlich düster werden würde, war bei der Entstehungsgeschichte nicht anders zu erwarten. Und eigentlich sind alle Depeche Mode Longplayer mit Ausnahme vielleicht der ersten beiden Werke Reisen in dunklere Soundgefilde. Doch hier schienen sie noch eine Schippe drauf zu legen. Stilistisch machten sie hier weiter, wo sie mit Vorgänger SONGS OF FAITH AND DEVOTION aufgehört haben. Gitarren blieben Bestandteil des Klangkosmoses und wurden hier und da sogar noch ausgebaut.

Außer dass es sich bei ULTRA nun um ein Album eines Trios handelte, war die Hinzunahme von mehreren Gastmusikern, die echte akustische Instrumente spielten, etwas relativ neues in der Bandhistorie. Unter anderem sind hier der Pedal-Steel-Gitarrist BJ Cole und Schlagzeuger Jaki Liebezeit von der Kölner Kultband Can zu hören.

Rückblickend betrachtend halte ich das Album als Geburtsstunde des sogenannten Dark Rocks. Diesen Begriff prägte zwei Jahre später Nick Holmes, Sänger der Band Paradise Lost, die damals auf ihrem Album HOST statt Death Metal Gitarren zunehmend Synthesizer verwendeten und ein Werk ablieferten, was stark von ULTRA beeinflusst zu sein schien.

Wertung: 86 %


Besetzung:

Dave Gahan – Vocals
Martin L. Gore – Keyboards, Guitars, Vocals
Andrew Fletcher – Keyboards

Dave Clayton – string arrangements, keyboards, keyboard programming
BJ Cole – pedal steel guitar
Danny Cummings – percussion
Kerry Hopwood – programming
Victor Indrizzo – percussion
Keith LeBlanc – drums
Jaki Liebezeit – percussion
Daniel Miller – System 700 Synthesizer
Richard Niles – string conductor, string score
Graeme Perkins – string coordinator
Doug Wimbish – bass
Gota Yashiki – drums


Der Surroundmix:

Der Mix von ULTRA ist ein Paradebeispiel für einen Mix, bei dem man das Medium und einen Mix im Surroundsound nicht völlig ausgereizt hat. Mit anderen Worten: Dem Mix fehlen Eier! In den hinteren Kanälen finden sich zumeist Effektsounds und Hallfahnen, während sich das meiste eher in den vorderen Zweidritteln abspielt. Das klingt alles nicht schlecht. Der druckvolle, klare Sound an sich, die vielen düsteren Geräusche, die mal hier, mal da zu hören sind können allesamt überzeugen. Aber man hat ständig das Gefühl, dass hier deutlich mehr drin gewesen wäre. Man hat sich zum Beispiel nicht getraut, einen Leadsound bewusst nach hinten zu mischen. Vor allem bei den recht vielen Gitarrenspuren, die es auf dem Album gibt, hätte ich mir gewünscht, dass das eine oder andere Solo hinten zu hören ist.

So fängt zum Beispiel Love Thieves sehr vielversprechend an, wenn verschiedene synthetische Sounds quer durch den Raum schwirren und hinten verhältnismäßig viel passiert. Das Gitarrensolo, welches dann hauptsächlich aus dem Center kommt, scheint in diesem Klangkosmos anschließend fast unterzugehen. Auch bei Home wartet der rechte hintere Lautsprecher regelrecht auf den Einsatz des Gitarrensolos, während sich im linken Raum und vor allem hinten Links die Streicherwände aufbauen. Aber auch hier kommt das Solo wieder von vorne, sodass sich hinten rechts eher noch ein negativer Leerraum ergibt, weil dort schlichtweg nichts passiert.

Am meisten überzeugen können interessanterweise die beiden Instrumentals Uselink und Jazz Thieves. Letzteres könnte fast ein Überbleibsel von Tangerine Dream zu Stratosfear-Zeiten anno 1976 sein. Hier gibt es vorne einen tiefen Bass Sequenzer, in der Raummitte einen Marimba-artigen Sound und hinten diverse Flächen. Währenddessen schwebt ein bedrohliches Ticken durch den Raum. Auch Sister of Night klingt toll. Hier machen sich im hinteren Raum düstere Effekte bemerkbar, sodass man dazu verleitet wird, seinen Kopf nach hinten zu drehen.

Wertung: 89 %


Vorhandene Tonformate:
DTS 5.1  (96 kHz / 24 bit)
Dolby Digital 5.1
PCM Stereo

Album starten:

Die Ausgabe auf DVD spielt zunächst eine 21 Sekunden lange stille Logoanimation ab. Im anschließenden Menu ist der 5.1 Mix vorausgewählt. Leider muss man anschließend noch das Tonformat wählen, und hier ist dann plötzlich PCM Stereo als oberster Punkt angewählt, sodass man anschließend mit den Pfeiltasten runter muss. Ein logisches Menü geht anders. Hinzu kommt, dass man aus der Stereospur nicht über die Audiotaste in die anderen Tonspuren wechseln kann. Die Surroundspuren kann man dagegen untereinander wechseln. Die (richtige) Wahl der Tonspur lässt aber immer noch keine Musik erklingen, denn auf der nächsten Menüseite kann man auswählen, welchen Song man hören will. Enter startet Song 1, Black Celebration. Fazit: Das Menü bietet für eine Navigation ohne Monitor ziemlich viele Stolperfallen.

Die Kurzfassung: ENTER DOWN DOWN ENTER ENTER

Enter

DOWN > DOWN > ENTER

 

Abwertung: -2%


Bonusmaterial:

Standardgemäß gibt es auch bei ULTRA wieder das sehr informative Making Of (mit optionalen Untertiteln), welches in 45 Minuten die Hintergründe und das Bandleben im Jahr 1996/1997 beleuchtet. Dazu noch drei Livestücke (auch im Surroundsound). Fünf weitere Bonusstücke gibt es nur in Stereo, darunter Only When I Lose Myself, welches ein Jahr später auf der neuen Singles-Collection zu finden war.

Aufwertung: +2,5 %


Anspieltipp:

Jazz Thieves


Fazit:

Das Album klingt gut, macht Spaß, aber dennoch fehlt etwas der Mut, mehr Surround anzubieten.

Pros / Cons:
+ guter Surroundmix mit klarem Sound
+ Bonusmaterial (+2,5%)
– Potential verschenkt – da wäre viel mehr möglich gewesen
– Advanced Resolution nur auf vergriffener SACD Ausgabe
– Menü unlogisch (-2%)

 

GESAMTWERTUNG: 88 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

CD / DVD: Ist leider so gut wie out of print. Bei Amazon kann man es über den Marketplace noch für ca 60 Euro kaufen.

SACD / DVD: Diese gibt es für einen 10er mehr.

Stand: 18.09.2018

 


Links:

Offizielle Webseite von Depeche Mode

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.