Anthony Phillips – Wise After The Event


Erscheinungsjahr 1978 | DVD-Audio | Progressive Rock

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WISE AFTER THE EVENT nannte Anthony Phillips sein zweites Album. Man könnte mutmaßen, dass der langwierige Entstehungsprozess des Erstlingswerkes THE GEESE AND THE GHOST Grund für diesen Titel war. Dieses romantisch, progressive Album wurde damals über mehrere Jahre produziert und kam erst dann auf den Markt, als sich die Musikwelt durch die Punk-Welle völlig verändert hatte und kaum jemand mehr diese Art von Musik hören wollte. Hinterher ist man klüger und so wurde das zweite Album des Gründungsmitgliedes von Genesis nur ein Jahr später im Mai 1978 veröffentlicht.

Im Gegensatz zum Debütalbum war WISE AFTER THE EVENT nun nicht mehr weitestgehend instrumental, sondern bestand ausschließlich aus Songs, die Phillips alle selber sang. Für ein reines Song-Album entschied man sich jedoch in letzter Sekunde. Ursprünglich war es angedacht, dem Album eine weitere EP beizulegen und die Songs mit kürzeren Instrumental-Stücken zu mischen. Schließlich bemerkte man, dass ein Album, bestehend aus einer LP und einer EP eine merkwürdige Konstellation ergeben würde und so warf man kurzerhand die Instrumentalen Stücke raus. Diese erschienen zwei Jahre später auf Private Parts & Pieces II, einer 1979 begonnen Album-Reihe von Anthony Phillips, auf der er Stücke veröffentlicht, die bisher nirgends untergekommen sind. Der bis dato letzte Teil (Private Parts & Pieces XI) ist 2012 erschienen.

Produziert wurde das Album damals von Rupert Hine, der in den 80ern ein gefragter Produzent wurde und an Alben von Tina Turner, Chris De Burgh, Howard Jones, Suzanne Vega, Steve Nicks und Rush beteiligt war. Einige interessante Mitmusiker konnte Phillips für WISE AFTER THE EVENT versammeln, unter anderem Michael Giles (Gründungsmitglied von King Crimson), Mel Collins (Camel) und John G. Perry (Caravan).

2016 erschien nun eine neue Ausgabe von WISE AFTER THE EVENT, welche auf einer DVD-Audio einen neuen von Andy Miles und Simon Heyworth erstellten Surroundmix enthält. Diese kam, wie auch schon THE GEESE AND THE GHOST zuvor in „Pizza-Karton-Verpackung“ und hat neben drei CD’s und der DVD auch noch ein Miniposter eines Anzeigen-Nachdrucks, auf dessen Rückseite sich die Lyrics befinden.

 


Tracklist:

1 We’re All as We Lie – 4:37
2 Birdsong and Reprise – 6:45
3 Moonshooter – 5:58
4 Wise After the Event – 10:28
5 Pulling Faces – 4:37
6 Regrets – 6:02
7 Greenhouse – 3:03
8 Paperchase – 5:34
9 Now What (Are They Doing to My Little Friends?) – 8:23
10 Squirrel – 4:30

Gesamtdauer: 60:05


Die Musik:

WISE AFTER THE EVENT habe ich erst spät kennengelernt, was schlichtweg daran lag, dass es in den 90ern, als ich mir meine Anthony Phillips Sammlung zusammenkaufte, nicht erhältlich war. Erst um das Jahr 2002 verirrte sich eine Kopie der CD Erstausgabe von 1990 im heimischen Saturn, die dann auch sofort gekauft wurde. Bis dahin hatte ich nur Gutes von dem Album gehört: Wer die alten Genesis mag, wird dieses Album lieben und so weiter. Diese Erwartungshaltung konnte das Album schließlich nicht erfüllen und ich war regelrecht enttäuscht, obwohl ich eigentlich ein riesiger Anthony Phillips Fan bin. Nachdem ich es monatelang richtig langweilig fand, hat es dann irgendwann doch gezündet, interessanterweise in einer Pause während des Renovierens der Wohnung (ich hab die CD eigentlich nur eingeschoben, um für ein Stündchen einzunicken…).

Das gesamte Album ist eher ruhig und melancholisch gehalten. Ausufernde Instrumentalpassagen und Dramatik, wie man sie eben bei den alten Genesis zuhauf findet, muss man hier mit der Lupe suchen. Progressive Elemente gibt es zwar auf dem Album, aber ich würde die Musik eher in die Soft Rock oder Singer/Songwriter Schublade stecken. Auf den Singer müsste man allerdings verzichten, denn Anthony Phillips kann viele Instrumente spielen, aber ein Sänger ist er nicht. Seine Stimme ist sehr brüchig, es fällt ihm schwer die Töne zu halten und man könnte meinen, dass er von dem großen Gesangsmikro im Tonstudio stark eingeschüchtert wurde. Nichtsdestotrotz muss man aber sagen, dass genau dieser Gesang perfekt auf diese traurigen Songs zu passen scheint und durchaus etwas Charme erzeugt, wenn man sich darauf einlässt. Ich könnte mir das Album mittlerweile gar nicht mit einem ausgebildeten Sänger vorstellen.

Wertung: 81 %


Besetzung:

Anthony Phillips – vocals, harmonia, guitars, keyboards, sundries, drums and bass on „Greenhouse“, orchestral arrangements on „Regrets“
Michael Giles – drums
John G. Perry – bass guitar
Jeremy Gilbert – keyboards on „Greenhouse“, harp on „Now What? (Are They Doing to My Little Friends?)“
Mel Collins – soprano saxophone on „We’re All as We Lie“, flute on „Birdsong“
Rupert Hine (aka „Humbert Ruse“) – percussion, backing vocals, locks, probs, modes, vibraphone, drums and bass on „Greenhouse“
Alan Perkins (aka „Perkin Alanbeck“) – synthesiser on „Birdsong“
Rodent Rabble – clicks, claps and crampons (including „No Hours from Neasden“)
Gilbert Biberian – orchestra conductor on „Regrets“
David Katz – orchestra assembling


Der Surroundmix:

Der Surround Sound Mix tut dem Album sehr gut! Im alten Stereo-Klang kommt WISE AFTER THE EVENT mit der eher ruhigen, melancholischen Grundstimmung ziemlich unspektakulär daher, mit brüchigem Gesang und dezent unterlegten Musikinstrumenten. Im Surroundmix dagegen entfaltet sich alles in einen reichhaltig arrangierten Klangkosmos. Mir ist zuvor nie aufgefallen, was es an verschiedenen Musikinstrumenten, Sounds und Melodien im Hintergrund gab, da in der Stereofassung, die eigentlich gar nicht mal so schlecht klingt, doch alles wie ein Einheitsbrei wirkt. Doch nun kann man jede Nuance heraushören, die Instrumente sind überall im Raum verteilt und zum Teil verirrt sich auch Anthony‘s Gesang nach hinten, wie in der zweiten Hälfte des ersten Stückes. Man stellt unweigerlich fest, dass jedes Lied bis ins kleinste Detail durcharrangiert wurde. Knapp 40 Jahre später wird der neue, fein aufgelöste Klang des Albums den fantasievollen Instrumentierungen gerecht.

Der Song Now What (Are They Doing To My Little Friends?) war schon immer mein Lieblingsstück auf dem Album. Das über acht Minuten lange Stück besteht eigentlich nur aus drei ruhigen Strophen, die mit dem etwas dramatischen Refrain unterbrochen werden und in den letzten Minuten in einem längeren instrumentalen Teil ausklingen. Gerade im Surroundmix wird nun deutlich, was dieses Stück Musik ausmacht: Jede Strophe besitzt ein in sich geschlossenes Arrangement, welches sich dezent von den anderen Strophen unterscheidet, in dem jeweils andere Instrumente zu hören sind. Diese bauen sich zumeist in den hinteren Kanälen auf, während aus den vorderen Lautsprechern Phillips und eine Akustikgitarre zu hören sind. Das Ganze wird mit zunehmender Dauer immer dramatischer, bis schließlich dieser nach Resignation klingende Instrumentalteil das Stück beenden lässt. Das ist cinematographische Musik ohne Bilder!

Wertung: 95 %


Vorhandene Tonformate:
MLP Lossless 5.1
MLP Lossless Stereo
DTS  5.1
Dolby Digital 5.1
LPCM Stereo

Album starten:

Das Album in 5.1 ist auf einer hybriden DVD-Audio gepresst, die auch in normalen DVD Playern funktioniert. Wessen Player das Medium DVD-Audio lesen kann, bekommt neben Dolby Digital und DTS auch noch die Möglichkeit, das Album im hochauflösenden und verlustfrei komprimierten MLP zu hören. Das Laden dauert einige Zeit, da zunächst eine kleine Animation des Plattenlabellogos startet und dann das Menü geladen wird. Man kann das Album aber ohne Probleme blind starten durch zweimal Drücken der Enter-Taste.


Bonusmaterial:

Das Paket besteht aus insgesamt 4 Discs, welche sich aus drei CDs und der DVD mit dem 5.1-Mix zusammensetzt. Die Tonträger befinden sich in Papphüllen, die jeweils ein Detail des von Peter Cross erstellten Covermotivs zeigen. Neben einem dicken Booklet mit zahlreichen Hintergrundinformationen zur Entstehung des Albums, gibt es noch ein Miniposter des damaligen Werbeplakats, auf dessen Rückseite sich die Liedtexte befinden.

Auf der ersten CD gibt es den obligatorischen neuen Stereomix, auf der zweiten CD den ursprünglichen Stereomix (Remastered) von 1978 und schließlich auf der dritten CD viele Bonustracks, darunter Demos und alternative Mixe.

Aufwertung: +1%


Anspieltipp:

Now What (Are They Doing To My Little Friends?)


Fazit:

Ein Surroundmix, der das Album in völlig neuem Glanz erstrahlen lässt.

Pros / Cons:
+ sehr guter Surroundmix
+ High Resolution (+1%)
+ Albumstart lässt sich ohne TV-Hilfsmittel bedienen
+ zusätzliche CD mit vielen Bonustracks (+1%)
+ Booklet mit sehr viel Hintergrundinfos

 

GESAMTWERTUNG: 93 %

Erläuterungen zur Bewertung

Verfügbarkeit:

DVD-Audio: Bestehend aus 3 CDs und einer DVD-A, ist erst 2016 erschienen und ist für ca. 36 Euro fast überall erhältlich, im Amazon Marketplace sogar für weit unter 30!

Stand: 13.10.2018


Links:

Offizielle Webseite von Anthony Phillips

 

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